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Andorn, Gewöhnliche

Von: Chưa được phân loại ( mehr) 15/12/2017
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Geschichte

Andorn ist ein kräftiges Bittermittel und galt schon beim jüdischen Passahfest als eines der fünf bitteren Kräuter. Kräuterkundige früherer Zeiten bereiteten aus solchen Kräutern Lebenselixiere „ad longam vitam“ (für ein langes Leben). Auf die stark bitteren Eigenschaften der Pflanze weist auch der Gattungsname Marrubium hin (hebräisch „mar“ = bitter und „rob“ = viel). „An-Dorn“ heißt die Pflanze wegen ihrer Verbreitungsart: ihre dornenartigen Samenstände verhaken sich an Tierfellen, die sie quasi als „Taxi“ transportieren. Im Lorscher Arzneibuch (um 795 n. Chr.) ist Andorn gegen zahlreiche „Malhaisen“ aufgeführt für jene, die „alle Hoffnung schon aufgegeben haben“. Laut Matthioli (1501-1577) sollte ein Aufguss aus der Pflanze die Geburt erleichtern, und so bekam Andom den Namen Mutterkraut oder Gottvergess, weil Gott bei ihrem Gebrauch die Schmerzen vergessen machte. Äußerlich nahm man Andorn zum Gurgeln bei Mund- und Rachenentzündungen und zur Wundbehandlung – Anwendungen, die heutzutage genauso empfehlenswert sind.

 

Botanisches

Der buschförmig wachsende, 30-60 cm hohe Lippenblütler (Lamiaceae) besiedelte einst vom Mittelmeergebiet ausgehend ganz Europa bis nach Zentralasien. Heute ist er selten geworden und gehört zu den stark gefährdeten Arten. Andorn ist auf Schuttplätzen, in Unkrautfluren und an Wegen zu Hause; gut zu erkennen an seinem vierkantigen flaumigen Stängel und den runzeligen, kaum duftenden Blättern. Die weißen Blütchen stehen von Juni bis September in quirlförmigen Blutenständen und zeichnen sich durch ihre steil aufgerichtete zweizipfelige Oberlippe aus. Am auffälligsten ist die Art und Weise der Samenverbreitung: Am Grund der Blütenröhre sieht man den Kelch mit zehn auseinandergespreizten, hakig zurückgebogenen Zähnen, die sich wie klettenartige Dornen an Tierfellen festkrallen, um auf diese Weise die im Kelch sitzenden Samen zu verbreiten.

Medizinische Anwendung: Marrubium herba

Inhaltsstoffe: Bitterstoffe, Gerbstoffe, Saponine, Flavonoide, wenig ätherische Öle, Harze, Schleimstoffe, Kalium und Kalzium.

Anwendung, innerlich: Erkältungskrankheiten (Bronchitis, Keuchhusten, Asthma). Verdau
ungsstörungen und Gallenbeschwerden (Appetitlosigkeit, Völlegefühl und Blähungen).

Kommission E: Appetiüosigkeit, Verdauungsbeschwerden, Katarrhe der Luftwege. Tagesdosis: 4,5 g getrocknetes Kraut, 2-6 EL Presssaft.

Nebenwirkungen/Gegenanzeigen: Bei bestimmungsgemäßem Gebrauch nicht bekannt.

Anbau und Ernte

Jungpflanzen im Frühjahr oder Herbst an sonniger Stelle in lockeren, humosen Boden im Abstand von 30 cm einpflanzen; die Samen im April bis Mai aussäen; mäßig gießen, im Winter mit Reisig bedecken. Das blühende Kraut im Juni und Juli ernten: Die oberen 10 cm der Pflanze abschneiden und den blühenden Trieb unzerkleinert im Schatten trocknen und aromageschützt aufbewahren.

Wirkungen

Der – leider wenig verwendete – Andorn wird heute bei Atemwegsund Verdauungsbeschwerden eingesetzt. Bitterstoffe und Saponine regen die Drüsen der Atemwege zur Sekretion an, lösen und verflüssigen das zähe Sekret und wirken bei Erkältungskrankheiten auswurffördernd und entkrampfend, fiebersenkend und abwehrstärkend. Besonders empfehlenswert ist die stärkend wirkende Pflanze bei chronischer Bronchitis älterer schwächlicher Menschen, bei Keuchhusten und Asthma sowie zur Begleitbehandlung der Fieberschübe bei Malaria. Aufgrund der bakteriziden Gerbstoffe hemmt Andorn Durchfall und fördert die Wundheilung. Die Bitterstoffe regen die Verdauung und vor allem den Gallensaft an, entkrampfen den Magen-Darm-Trakt und kräftigen den erschöpften Körper.

Tee & mehr

„Allerheiltee“ der Albaner
Die Albaner trinken bei vielerlei „Wehwehchen“ erst einmal Andorntee. Manches Leiden ist dann gelindert oder entwickelt sich erst gar nicht: 5 TL Andornkraut mit 1 Lorbeerblatt und 1 frischen Feige zusammen in 11 Wasser 7 Minuten kochen, abgießen und genießen – dieser Tee schmeckt überraschend gut!
Teemischungen Asthmatee (Aufguss)
Je 20 g Andomkraut, Fenchelsamen und Thymiankraut. 7 Minuten ziehen lassen. 3 Wochen lang 2- bis 3-mal täglich 1 Tasse trinken (3- mal pro Jahr).
Tee gegen Gallenbeschwerden
(Aufguss)
20 g Andornkraut, 10 g Löwenzahnwurzel und 10 g Pfefferminzblätter, 10 Minuten ziehen lassen.
6 Wochen lang 3-mal täglich 1 Tasse trinken.

Mundspülungstee (Aufguss)
Je 20 g Andornkraut, Kamillenblüten und Zaubernussblätter.
7 Minuten ziehen lassen, 2- bis 3-mal täglich den Mund spülen.

Weitere Zubereitungen Andornwein
10 g getrocknetes Andornkraut in 100 ml Portwein (17%) legen und nach 8 Tagen abfiltern. Ein stär-kendes Mittel bei Fieber und Husten, fördert Verdauung sowie Gallensekretion und stoppt chronischen Durchfall. 1-3 EL pro Tag einnehmen.

Andomsirup
100 g blühende Andorn-Sprossspitzen mit 500 g Zucker in 11 Wasser aufkochen, weiter köcheln und auf % 1 Flüssigkeit eindicken lassen – eine traditionelle Rezeptur gegen Keuchhusten und chronische Bronchitis. 2-3 Wochen lang 3-mal täglich 1 EL einnehmen.

Andomhonig
Ein traditionelles, bis heute be-währtes Rezept aus dem Lorscher Arzneibuch (um 750 n.Chr.) für Menschen mit chronischem Husten: In 250 ml Honig 2 EL Andornblätter, 1 EL Ysopblätter und 2 EL frischen Ingwer klein geschnitten einfüllen. 2 Wochen ziehen lassen und abfiltem. 3- bis 5-mal täglich je 1 TL Andornhonig in Hustentee einnehmen.

Altes Wissen

Schon die alten Ägypter und Römer nahmen Andorn als bewährtes Mittel gegen Atembeschwerden, der Militärarzt Dioskurides verwendete ihn im 1. Jh. n.Chr. gegen Schwindsucht und Asthma. Und Paracelsus, der große Naturheilarzt im 16. Jh., bezeichnete Marrubium unmissverständlich als „Arzt der Lunge“. Bis heute ist Andorn in der Volksheilkunde zur Behandlung der Tuberkulose geschätzt.

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