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Aorteninsuffizienz: Diagnostik und Therapie

Von: Dr., Professorin Maria Mischo-Kelling ( mehr) 27/12/2017
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Ursache einer Schlußunfähigkeit der Aortenklappe können die rheumatische Endokarditis, der bakterielle Infekt, aber auch die Syphilis oder ein angeborener Stützgewebefehler (Marfan- Syndrom) sein, der zur Klappenschwäche und damit zur Insuffizienz führt. Funktionell bedeutet die Aorteninsuffizienz, daß in der Diastole, während der die Klappen normalerweise geschlossen sein sollten, eine bestimmte Menge bereits ausgeworfenen Blutes in den linken Ventrikel zurückströmt. Die Menge ist abhängig von der Größe des Defektes, der Dauer der Diastole sowie vom peripheren Gefäßwiderstand.

Es ergibt sich für den linken Ventrikel nicht wie bei der Aortenstenose eine Druck-, sondern eine Volumenbelastung, woraus aber mit der Zeit ebenfalls eine Muskelhypertrophie resultiert. Das effektive Auswurfvolumen ist in der Systole gesteigert, d. h., es kommt zu einer nicht unbeträchtlichen Steigerung des Schlagvolumens, da das in der Diastole zurückgeströmte Blut in der Systole zusätzlich mit ausgeworfen werden muß.

Klinischer Verlauf

Die reine Aorteninsuffizienz kann recht lange ohne Symptome bleiben. Erst bei erheblicher Belastung des linken Ventrikels, die durch Einstrombehinderung auch zu einer Belastung des linken Vorhofs führt, kommt es zu einem charakteristischen Leistungsknick und zum Auftreten von Linksherzinsuffizienz und Angina pectoris.

Diagnostik

Bei der Untersuchung fällt die pulsierende Blutfülle der Arterien auf, die besonders am Radialispuls (groß und schnell) sowie an der großen Blutdruckamplitude sichtbar wird. Die starken Pulsschwankungen kann man sehen (Kopfnicken), man kann sie fühlen, wenn man den Unterarm des Patienten mit der Hand umfaßt (Wasserhammerpuls). Vergrößerte Blutdruckamplituden treten allerdings auch bei fieberhaften Zuständen sowie bei Anämie und Hyperthyreose auf.

Hohe Blutdruckamplitude, Wasserhammerpuls sowie ein hauchendes diastolisches Geräusch über der Aorta lassen die Verdachtsdiagnose Aorteninsuffizienz stellen.

Bei der Herzkatheteruntersuchung deckt eine Aortenangiographie den Rückstrom des Kontrastmittels in den linken Ventrikel auf und beweist damit die Aorteninsuffizienz und ihren Schweregrad.

Therapie

Auch ohne subjektive Symptome sollte der Patient geschont werden. Die Herzinsuffizienz muß konsequent behandelt werden. Die in schweren Fällen angezeigte Therapie der Wahl ist die operative Behandlung durch Klappenersatz auch schon im nicht deutlich kompensierten Stadium.

Zusammenfassung: Herzklappenfehler sind zumeist entzündlich bedingte, erworbene Ventilstörungen, bei denen je nach Klappenbefall eine typische klinische Symptomatik mit Rechtsherzinsuffizienz (Mitralklappe) und Linksherzinsuffizienz (Aortenklappe) auftritt. Die Diagnostik umfaßt immer Anamnese, Auskultation, Röntgenbild, EKG und unbedingt das Echokardiogramm.
Da heute relativ frühzeitig eine rekonstruierende oder korrigierende Operation (meist Klappenersatz) angestrebt wird, ist die präoperative Diagnostik durch Herzkatheterangiographie meist angezeigt. Eine medikamentöse Therapie tritt dann meist in den Hintergrund.

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