Help
Favorites list
Login/Register

Arnika (Berg – Wohluerleih)

Von: Chưa được phân loại ( mehr) 13/12/2017
1 Star2 Stars3 Stars4 Stars5 Stars
Loading...
Speichern Drucken

Geschichte

„Arnika ist nicht mit Gold zu bezahlen. Diese Pflanze verdient, an die erste Stelle der Heilmittel bei Verwundungen gesetzt zu werden, ich kann sie deshalb nicht genug empfehlen.“ Mit diesen Worten drückte Sebastian Kneipp (1821-1897) seine Wertschätzung für die Pflanze aus. Als auch heute noch wichtigsten Anwendungsbereich von Arnika nannte er Verletzungen und deren Folgen, empfahl aber auch Sängern und Predigern das Gurgeln mit Arnika gegen Heiserkeit. Arnika ist in antiken Werken nicht erwähnt. Erste Hinweise sind in den Kräuterbüchern des Mittelalters zu finden, da nahm man sie gegen Menstruationsbeschwerden, Erschöpfung, Gicht und Anginapectoris. Später galt sie als Universalmittel, deshalb gaben ihr die Mediziner im 18. Jahrhundert den Ehrentitel „Panacea lapsorum“ (= Allheilmittel). Im Volksbrauch spielte die Pflanze eine große Rolle, besonders bei den Riten zur Sommersonnwende, in ihrer Blütezeit: Als magisches Kraut sollte sie Blitzschlag und bösen Hexenzauber abwenden und Gesundheit bringen.

Botanisches

Die Heimat der Arnika sind die Berge – vielleicht machen Arnikablüten deshalb immer einen etwas verstrubbelten Eindruck: Vom Wind zerzaust leuchten ihre dottergelben Blütenblätter auf mageren Bergwiesen. Die meisten der 32 Arnika-Arten sind in Asien, in Nordamerika, Grönland oder Sibirien zu Hause; Arnica montana ist die einzige Art in unseren Breiten. Die mehrjährige Pflanze gehört zur Familie der Korbblütler (Asteraceae) und wird 20-60 cm hoch. Sie ist sehr widerstandsfähig und überwintert in einem knapp fingerdicken unterirdischen Wurzelstock, der jährlich an seinem vorderen Ende eine neue Rosette treibt, während der hintere, ältere Teil nach einigen Jahren abstirbt. So durchwandert sie in kleinen Schritten die Berge. Die ganze Pflanze enthält ätherische Öle; sie wird von der Wurzel bis zur Blüte von einem feinen System von Ölgängen durchzogen, dem ein aromatischscharfer, angenehm zimtartiger Duft entströmt. Der Duft reizt die Nase zum Niesen, deshalb wurde die Arnika auch Tabakblume genannt und war im Schnupftabak enthalten. Die grundständige Blattrosette trägt behaarte hellgrüne, fast fleischige Blätter, die durch fünf bis sieben unterseits hervortretende Längsnerven auffallen; fein behaarte Blütenstängel tragen im Vergleich zur Rosette kleinere, gegenständige Blätter und am Ende den großen Blütenkopf. Die zungenförmigen Randblüten, die durch ihre orangegoldene Farbe schon von weitem auffallen, sind mit drei kleinen „Zähnchen“ versehen; das hilft Apothekern und Drogisten bei der Drogenanalyse. Die medizinisch verwendeten Röhren- und Zungen-Blüten sitzen in einem zottig behaarten Hüllkelch auf weich behaartem Blütenboden. Diese Behaarung gab Anlass zur Namensbezeichnung „Arnika“, von griech. „arnion“ (= Pelz des Lammes). Ihr Blütengelb soll dem Gelb im Auge des Wolfes ähneln, daher bekam sie ihren Namen Berg-Wohlverleih, abgeleitet von „Wolferlei“ (= Wolfsauge). Die Volksetymologie legt das auch aus als „Wohl verleihen“ bzw. als „Wohl vor leydt“.

Anbau und Ernte

Eine Torfauflage, darunter Urgestein oder Humus, sind die bevorzugten Lebensbedingungen von Arnica montana. Sie gedeiht auf sandigen und humosen Böden und auf Moorwiesen des Berglandes zwischen 600 und 2800 m, am be-sten dort, wo die Lichteinwirkung intensiv ist und der Untergrund feucht und kühl.

Die Berg-Arnika gehört zu den besonders gefährdeten Pflanzen. Der intensive Gebrauch in den Apotheken im 18. und 19. Jahrhundert hat sie in Mitteleuropa fast ausgerottet. Durch zunehmendes Sammeln, Überdüngen der Bergwiesen und intensive Grünlandnutzung wurde die beliebte Pflanze radikal dezimiert und deshalb 1981 ins Washingtoner Artenschutzabkommen aufgenommen; das heißt, Arnica montana steht unter Naturschutz und darf nicht gesammelt werden.

Um genügend Arnika als Arzneimittel zur Verfügung zu haben, und weil die wilde Berg-Arnika schwer zu kultivieren ist, wurde eine Zeit lang die nordamerikanische Wiesen-Amika {Amica chamissonis subsp. foliosd) als offizielle Arzneidroge zugelassen. Inzwischen gelang jedoch der erfolgreiche Feldanbau von Amica montana („Arbo“); Amica chamissonis wurde 2002 als Stammpflanze wieder aus der Zulassung genommen.

Arnica montana ist eine der bekanntesten Arzneien in der Homöopathie und wird dort bei stumpfen Verletzungen, aber auch bei körperlichen und seelischen Schockzuständen eingesetzt.

Medizinische Anwendung: Arnicaeflos

Inhaltsstoffe: Sesquiterpenlak tone vom Helenanolidtyp, Flavonoide, Polysaccharide, ätherisches Öl (mit Thymol: Höchstgehalt zu Blütenbeginn), Prozyanidine, Kumarine etc.

Anwendung, äußerlich: bei unblutigen Verletzungen oder Unfallfolgen wie Blutergüssen, Prellungen, Zerrungen oder Quet-schungen, bei Schwellungen nach Knochenbrüchen und bei schwer heilenden, schmierigen Wunden mit schlechter Granulationsbildung; zur Schmerzlinderung bei Karpaltunnelsyndrom. Außerdem eignen sich Amikazubereitungen bei Venenleiden mit Stauungszeichen (Ödeme, Schweregefühl in den Beinen, Juckreiz), bei oberflächlichen Venenentzündungen und beginnender Lymphbahnentzündung (Lymphangitis), sowie bei Furunkeln oder entzündlichen Schwellungen nach Insektenstichen. Ebenso bewährt hat sich der Einsatz von Arnika bei rheumatischen Beschwerden und Muskelschmerzen sowie bei Entzündungen der Schleimhäute von Mund- und Rachen.

Kommission E, äußerlich: Verletzungs- und Unfallfolgen, z. B. Hämatome (Blutergüsse), Distorsionen (Überdehnungen oder Verstauchungen von Gelenken), Prellungen, Quetschungen, Frakturödeme (Frakturschwellungen); rheumatische Muskel- und Gelenkbeschwerden; Entzündungen der Schleimhäute von Mund- und Rachen; Furunkulose (schubweises Auftreten von Furunkeln); Entzündungen als Folge von Insektenstichen; Oberflächenphlebitis (oberflächliche Venenentzündung).

Dosierung: Umschläge: 2-4 TL (1-2 g) Blüten auf 150 ml Wasser; Tinktur: 3- bis 10-fach mit Wasser verdünnt. Mundspülungen: Tinktur 10-fach verdünnt.

Nebenwirkungen: Bei äußerer Anwendung über längere Zeit, vor allem bei vorgeschädigter Haut (Verletzungen oder Beingeschwür), entzündliche Hautveränderungen (Ekzeme) möglich oder schwere Hautreizungen beziehungsweise ödematöse Schwellungen im Gewebe mit Blasenbildung bis hin zu Nekrosen. Wenden Sie aus diesem Grund Arnikaauflagen nur äußerlich, verdünnt und kurzfristig an (siehe unten). Treten allergische Hautreaktionen auf, stellen Sie die Anwendung bitte umgehend ein und suchen ärztliche Therapie auf. Arnika kann die Blutungsneigung erhöhen (antikoagulativ). Gegenanzeigen: Nicht anwenden bei bekannter Allergie gegen Arnika und andere Korbblütler (z.B. Beifuß, Kamille, Schafgarbe). Allergien gegen Arnika sind im Vergleich zu anderen Pflanzen relativ häufig.

Hinweis: Wegen möglicher Nebenwirkungen wie Durchfall, Schwindel, Nasenbluten und Herzrhythmusstörungen wird die früher übliche innerliche Anwendung (bei Kreislaufstörungen und Herzenge) heute nicht mehr empfohlen. Wenden Sie Amikaauflagen daher nur äußerlich, auf großflächigen Hautbezirken und nur verdünnt (1 EL Tinktur auf 1/4 Wasser) und maximal 30 Minuten lang an. Unverdünnte Arnikatinktur verwenden Sie nur zu kleinstflächigen Pinselungen.

Wirkungen

Arnika ist eine der bekanntesten Heilpflanzen; sie hat eine hervorragende entzündungshemmende Wirkung bei nicht blutenden Wunden und Verletzungen, ist geschätzt als durchblutungsförderndes, schmerzlinderndes Rheumamittel und als wirksames Therapeutikum bei Venenleiden.

Arnika wirkt bakteriostatisch, pilzhemmend (gegen verschiedene Hautpilze) und im wässrigen Extrakt auch immunstimulierend. Arnika lässt Wasser- und/oder Lymphansammlungen (Ödeme) und Blutergüsse (Hämatome) nach Verletzungen abschwellen und wirkt schmerzlindernd bei Entzündungs- und Schwellungsschmerzen. Die Sesquiterpenlaktone greifen an zentraler Stelle in den Entzündungsmechanismus ein, sie hemmen unter anderem die Ausschüttung von Serotonin und des Gewebshormons Histamin. Dadurch lindern sie wie Kortison Entzündung und Schmerzen im betroffenen Gebiet. Die entzündungshemmenden und gleichzeitig schmerzlindernden Eigenschaften beruhen auf einer Erweiterung der kleinen Blutgefäße (Kapillaren), die zu einer gesteigerten Durchblutung führen; das wiederum wirkt sich positiv aus auf akute und chronische Folgen von Verletzungen sowie bei rheumatischen Beschwerden. Außerdem fördert Arnika die Resorption und Rückbildung von Blutergüssen: Weil Zelltrümmer und Flüssigkeit schneller abtransportiert werden, kann die Verletzung auch schneller ausheilen. Ihre große Heilkraft bei stumpfen Verletzungen ist unbestritten und unübertroffen.

Tee & mehr

Arnikatee zur äußerlichenAnwendung
Arnikaauflage
2 TL (1 g) Arnikablüten mit 150 ml heißem Wasser übergießen und 5-10 Minuten ziehen lassen. Ein Leinentuch in die warme Flüssigkeit tauchen, auswringen und auf die betroffene Stelle legen; mit einem Handtuch bedeckt maximal 30 Minuten einwirken lassen.

Amikaumschlag
Arnikatee können Sie abgekühlt für Umschläge bei akuten Gelenkentzündungen verwenden (siehe oben) oder 1 EL Arnikatinktur auf 1/4 bis 1/2 Wasser. Die Umschläge maximal 30 Minuten belassen; alle 2 Stunden erneuern. Dabei soll das innen liegende Leinentuch feucht, das äußere Wolltuch trocken sein. Nehmen Sie das Tuch ab, wenn es sich zu erwärmen beginnt, also nach etwa 15-30 Minuten. Die durchblutungsfördernden, entzündungs- und schwellungshemmenden Wirkstoffe gelangen über die Haut an die entzündeten schmerzhaften Stellen im Gelenk oder Muskel und lindern kortisonähnlich rasch.

Amikadampfbad
Bei unreiner Haut, Mitessern und jugendlicher Akne bringt ein Gesichtsdampfbad mit Arnikatee Unreinheiten und Entzündungen der Gesichtshaut schnell zum Abheilen: 2 EL Arnikablüten mit 11 Wasser aufkochen, den Topf vom Herd nehmen und das Gesicht 10 Minuten lang über den Arnikadampf halten (ein Handtuch zeltartig über den Kopf decken); anschließend das Gesicht kurz kalt abwaschen. 2- bis 3-mal wöchentlich anwenden.

Teemischungen Gurgeltee (Aufguss)
Je 20 g Annika, Odermennig, Thymian, Kamille und Ringelblume mischen. 7 Minuten ziehen lassen. Mehrmals täglich gurgeln, bis Besserung eintritt. Die Gurgelteemischung fördert die Durchblutung und steigert damit die Abwehrbereitschaft der Schleimhäute bei Stimmverlust, Hals- und Mandelentzündungen. Achtung! Den Tee bitte nur äußerlich anwenden.

Weitere Zubereitungen 
Arnikagel

Bei entzündlichen Zuständen mit akuten Schmerzen wirkt kühles Atrnikagel (Apotheke/im Kühlschrank lagern!) abschwellend und lindert zuverlässig die Schmerzen: Atrnikagel auftragen, eventuell mit Quark vermischt (1 EL Gel auf 250 g Magerquark).

Arnikatinktur
Bei einem Abszess oder Furunkel können Sie Arnikatinktur (pur oder leicht verdünnt) direkt auf den Infektionsherd aufbringen (nicht zusätzlich auf die umliegende Haut!), das wirkt intensiv entzündungshemmend. Bei starker Überwärmung helfen kühle Arrnikaumschläge mit verdünnter Arnikatinktur oder Quarkauflagen mit Arnikagel. Juckende Insektenstiche oder kleinere entzündete Hautstellen können Sie mit verdünnter Arnikatinktur behandeln. Wenn sich Insektenstiche entzündet haben, wenden Sie verdünnte Arnikatinktur (evtl, mit Quark gemischt, siehe oben) als Umschlag an.

Arnikafingerbad
Eine Nagelbettentzündung (Panaritium) ist äußerst schmerzhaft, die Stelle ist stark gerötet und geschwollen. Dünnes Aufträgen von Arnikagel lindert die Schmerzen, und regelmäßige Fingerbäder mit Schmier- oder Kernseife und Annika tragen zum Erweichen des Entzündungsherds bei: 1 EL Arnikatinktur (oder 1/41 Arnikatee) und 2 EL Schmierseife in 1/4 heißem Wasser auflösen. Baden Sie den betroffenen Finger so heiß wie möglich 10-15 Minuten darin.

Neues Wissen

Neuere Forschungen zeigen, dass Annika kortisonähnliche, entzündungshemmende Eigenschaften besitzt: Bereits in kleinsten Konzentrationen hemmen die Sesquiterpenlaktone der Annika einen zentralen Entzündungsboten, woraufhin die entzündlichen Vorgänge gleich zu Beginn blockiert werden – wie es dem bekanntesten Entzündungshemmer, dem Kortison, entspricht. Bei einer Studie wurde Arrnikagel im Vergleich zu einer synthetischen Standardtherapie bei Gelenkverschleiß an mehreren Fingern (Fingerpolyarthrose) getestet und als ebenbürtig befunden. Aufgrund der interessanten Forschungsergebnisse wurde Amica montana zur Heilpflanze des Jahres 2001 gekürt.

Comment:

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.