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Basedowsche Krankheit (Morbus Basedow)

Von: Christian Skalnik ( mehr) 30/12/2019
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Die Basedowsche Krankheit ist eine Autoimmunkrankheit (S. 397), bei der das Immunsystem Antikörper gegen Zellen der Schilddrüse produziert, wodurch es zur Entzündung der gesamten Schilddrüse kommt. Diese Antikörper ähneln gleichzeitig dem Schilddrüsen stimulierenden Hormon THS, was eine Überfunktion der Schilddrüse (S. 874) zur Folge hat. Betroffene sind unruhig, angespannt, reizbar, psychisch labil, auch niedergeschlagen und depressiv. Sie gehen manchmal im Winter mit T-Shirt, weil ihnen generell extrem heiß ist. Oft nehmen sie auch ab, obwohl sie einen »gesunden« Appetit haben und viel essen. Bei Frauen kann die Regel ausbleiben. Betroffene leiden häufig unter Durchfall.

Die gegen den eigenen Körper gerichteten Autoantikörper greifen auch das Gewebe um die Augen an und verursachen so die typischen Augenbeschwerden. Zwei von drei Patienten sind davon betroffen: Sie sehen schlechter, haben Doppelbilder und trockene Augen (S. 539). Dazu kann ein Druckgefühl hinter den Augen auftreten, die Lider schwellen an. Auch das Aussehen kann beeinträchtigt sein, wenn die Augen hervorquellen und der Blick starr und stechend erscheint. Manchmal ist auch nur ein Auge davon betroffen.

Im Verlauf der Basedow-Krankheit entwickelt sich häufig ein Kropf (S. 751), da die stimulierenden Antikörper auch das Schilddrüsenwachstum fördern. Seltener ist die Haut an den Schienbeinen gerötet, juckt und fühlt sich rau an. Von der Krankheit betroffene Kinder fallen durch ein beschleunigtes Wachstum und Hyperaktivität auf.

Etwa jeder vierte Betroffene erlebt nach längerer Behandlung eine Spontanheilung.

Wer ist davon betroffen?

Betroffen ist etwa ein Prozent der Bevölkerung. Die Krankheit tritt eher im jüngeren Alter auf und betrifft siebenmal häufiger Frauen als Männer. Bei den meisten von ihnen bricht sie zwischen dem 20. und 50. Lebensjahr aus. Menschen mit Basedow-Kranken in der Familie haben ein viermal höheres Risiko, zu erkranken, daher wird eine starke erbliche Komponente bei der Krankheitsentstehung angenommen. Auch Infektionen und psychische Überlastung können die Krankheit zum Ausbruch bringen.

Ist Vorbeugung möglich?

Nicht zu rauchen ist günstig, weil damit möglicherweise das Erkrankungsrisiko und die Erkrankungsdauer verringert werden können und die Wahrscheinlichkeit für Augensymptome sinkt. Stress zu vermeiden, viel Entspannung, Schlaf und längere Ruhephasen helfen, körperliche und seelische Überlastung zu vermeiden.

Was Betroffene selbst tun können

Zur Linderung der Augensymptome hilft es, nachts mit hoch gelagertem Kopf zu schlafen. Dadurch kann die Gewebeflüssigkeit besser in die Lymphgefäße abfließen. Der Verzicht auf Rauchen, ausgedehnte Sonnenbäder und Saunabesuche entlastet die Augen. Jodhaltige Wunddesinfektionsmittel oder jodhaltiges Heilbadewasser müssen gemieden werden. Alle Maßnahmen, die zur seelischen Ausgeglichenheit (S. 190) beitragen, sind günstig.

Entscheidungen mit Arzt oder Ärztin

Bei 20 bis 30 Prozent von leichten Erkrankungen kommt es nach Monaten oder Jahren der Behandlung zur Spontanheilung.

Medikamente. Die meisten Basedow-Kranken werden durch die Einnahme von Thyreostatika nach ein bis drei Monaten von den Symptomen der Schilddrüsenüberfunktion befreit, weil die Medikamente den Jodeinbau hemmen und damit die Produktion der Schilddrüsenhormone verringern. Nach dem »Ausschleichen« der Einnahme dieser Medikamente über einen Zeitraum von zwölf bis 24 Monaten erleidet jedoch etwa jeder Zweite einen Rückfall.

Dann kann eine Behandlung mit radioaktivem Jod helfen. Zur Behandlung von Hautproblemen an den Schienbeinen sind Kortisonsalben zweckmäßig.

Operation. Bei einem Eingriff wird die Schilddrüse möglichst total entfernt, damit die Autoantikörper keine Angriffspunkte mehr finden. Durch die Operation bessern sich die Augensymptome meist deutlich. Wenn die Schilddrüse ganz herausoperiert wird, muss das fehlende Schilddrüsenhormon Thyroxin zeitlebens durch Einnahme von Levothyroxin ersetzt werden.

Bei stark hervorgetretenen Augen können Knochenteile hinter den Augen operativ entfernt und dadurch wieder mehr Platz geschaffen werden.

Bestrahlung. Bei der Hochvolt-Bestrahlung werden die Augenhöhlen in zehn bis 20 Sitzungen mit ionisierenden Strahlen in niedriger Dosis bestrahlt.

Psychologische Unterstützung kann bei starker innerer Unruhe hilfreich sein, ebenso das Erlernen von Entspannungstechniken (S. 264). Auch wenn es bei Frauen aufgrund der Erkrankung zur Fehl- oder Frühgeburt gekommen ist, kann eine psychologische Unterstützung sinnvoll sein.

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