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Bauchspeicheldrüsenentzündung (Pankreatitis)

Von: Christian Skalnik ( mehr) 31/12/2019
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Von der Nabelgegend und dem linken Oberbauch ausgehende Schmerzen, die sich gürtelförmig um den Körper ziehen, sind für die Entzündung der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) charakteristisch. Diese Schmerzen setzen bei der akuten Entzündung plötzlich ein und sind extrem heftig.

Chronische Entzündungen können hingegen jahrelang unbemerkt bleiben oder die Beschwerden kehren unterschiedlich stark immer wieder. Zusätzlich kommt es zu Übelkeit, Erbrechen und Verdauungsbeschwerden.

Akute Entzündungen sind lebensbedrohlich, chronische können mit der Zeit zu Diabetes, Verdauungsschwäche oder auch Pankreaskrebs führen. Die Gefahr, dass sich Krebs entwickelt, wird umso größer, je länger die Entzündung besteht: Das relative Risiko nimmt innerhalb von 20 Jahren um fünf Prozent zu.

Wer ist davon betroffen?

Einer von 10.000 Menschen erkrankt pro Jahr an einer akuten Bauchspeicheldrüsenentzündung, doppelt so viele Frauen wie Männer. Chronische Entzündungen sind seltener und entstehen eher bei Männern im mittleren Lebensalter – sie erkranken fünfmal häufiger als Frauen.

Ursache für die akute Entzündung ist in der Hälfte der Fälle ein Gallenstein (S. 648), der in den gemeinsamen Ausführungsgang der Sekrete von Galle und Bauchspeicheldrüse gelangt ist. Vor dieser Engstelle staut sich der Pankreassaft, seine aggressiven Bestandteile richten sich gegen das eigene Gewebe und rufen eine gefährliche Entzündung hervor.

Für 35 Prozent der akuten und 80 Prozent der chronischen Entzündungen ist jahrelanger übermäßiger Alkoholkonsum verantwortlich. Denn Alkohol kann über die Jahre ebenfalls die Kanäle der Drüse verengen.

Stoffwechselkrankheiten wie erhöhte Blutfettwerte und bestimmte Medikamente können eine Bauchspeicheldrüsenentzündung ebenfalls begünstigen:

• Harntreibende Mittel,

• Antirheumatika,

• bestimmte Antibiotika,

• Östrogene und

• Virenmittel

können das Gewebe so irritieren, dass es sich entzündet. In einigen Fällen kann auch ein Tumor der Drüse eine Entzündung verursachen (Bauchspeicheldrüsenkrebs, S. 555).

Mitunter besteht eine genetische Veranlagung, in ungefähr 15 Prozent der Fälle kann keinerlei Ursache herausgefunden werden.

Ist Vorbeugung möglich?

Einen lustbetonten, aber maßvollen Umgang mit Alkohol zu finden, beugt vor. Wer zehn Jahre lang täglich eine Flasche Wein oder vier Flaschen Bier trinkt, muss damit rechnen, an einer Bauchspeicheldrüsenentzündung zu erkranken.

Eine wirklich sichere unbedenkliche Höchstmenge ist aber nicht bekannt: Bei manchen Menschen bricht die Bauchspeicheldrüsenentzündung schon bei Alkoholmengen aus, die von vielen anderen folgenlos vertragen werden – vor allem wenn noch andere Risikofaktoren wie die Einnahme bestimmter Medikamente (Wer ist davon betroffen?) hinzukommen. Außerdem gibt es auch Hinweise darauf, dass Rauchen das Risiko erhöht.

Vor allem wer schon einmal eine Entzündung hatte, sollte durch einen gesünderen Lebenswandel eine weitere verhindern.

Mäßig, aber regelmäßig zu essen hilft ebenfalls: Crash-Diäten, bei denen kaum etwas gegessen wird, um schnell Gewicht zu verlieren, begünstigen die Entstehung von Gallensteinen und in der Folge von Pankreatitis, weil dabei weniger Gallensaft ausgeschüttet wird, der dann mit Cholesterin übersättigt ist und zu Steinen zusammenklumpt.

Auch Übergewicht ist ein Risikofaktor für die Bildung von Gallensteinen.

Was Betroffene selbst tun können

Bei den Anzeichen einer akuten Bauchspeicheldrüsenentzündung muss so schnell wie möglich der Arzt gerufen werden.

Eine chronische Entzündung muss nicht unbedingt im Krankenhaus behandelt werden. Wichtig sind die medikamentöse Schmerzbehandlung und die Eindämmung der Entzündung, was durch strenges Alkoholverbot und eine leichte Kost unterstützt wird.

Vernünftig und leicht essen

Der Unterschied zwischen leichter Kost und normaler Ernährung liegt in der Zubereitung und Auswahl der Speisen.

So sollte alles, was Blähungen hervorrufen kann - beispielsweise frisches Brot oder Steinobst ebenso gemieden werden wie scharf gewürztes, stark gegrilltes oder gebratenes Fleisch und frittierte Speisen. Fette Fleischsorten oder Würste sollten etwa durch mageres Kalb- oder Rindfleisch ersetzt werden, leicht verdauliche Fette wie Butter oder Pflanzenöle sind in kleinen Mengen verträglich.

Das Essen ist bekömmlicher, wenn man es in Ruhe zu sich nimmt und gut kaut.

Vier bis fünf kleinere Mahlzeiten, über den Tag verteilt, helfen Schmerzen nach dem Essen zu verhindern.

Eine Bauchspeicheldrüsenentzündung sollte immer ein Anlass sein, seine Lebensführung zu überdenken, auf eine gesunde Ernährung umzusteigen und – falls nicht ein Gallensteinleiden die auslösende Ursache gewesen ist – keinen Alkohol mehr zu trinken. Das betrifft nicht nur Hochprozentiges, sondern gilt auch für leicht alkoholische Getränke wie Bier, Most oder Schorle.

Ob es durch eine chronische Bauchspeicheldrüsenentzündung zu Arbeitsunfähigkeit kommt, ob sich Diabetes entwickelt oder soziale Probleme daraus entstehen, hängt im Wesentlichen davon ab, ob es dem Betroffenen gelingt, abstinent zu bleiben. Ist es aus eigener Kraft nicht möglich, auf Alkohol ganz zu verzichten, ist es sinnvoll, therapeutische Hilfe in Anspruch zu nehmen (S. 306).

Entscheidungen mit Arzt oder Ärztin

Akute Entzündung. Bei einer akuten Entzündung oder bei starken Schüben einer chronischen Entzündung ist ein Krankenhausaufenthalt, in manchen Fällen sogar auf der Intensivstation, notwendig: Schwere Pankreas-Entzündungen sind aufgrund der möglichen Komplikationen – Schock, Nierenversagen, Blutvergiftung – ein lebensbedrohlicher Zustand.

Im Mittelpunkt der Behandlung stehen Schmerzlinderung, Kreislaufunterstützung sowie die Entzündungsbekämpfung.

Um den Verdauungstrakt zu schonen, werden die Patienten einige Tage lang künstlich ernährt, auch

der Flüssigkeitsbedarf wird über Infusionen gedeckt. Wurden Bakterien im Entzündungsherd nachgewiesen oder besteht durch abgestorbene und infizierte Gewebeteile die Gefahr einer Blutvergiftung, erfolgt eine antibiotische Behandlung.

Operation. Wenn Gewebe abgestorben und mit Bakterien infiziert ist, reicht bei einem Drittel der Patienten die antibakterielle Behandlung jedoch nicht aus. Dann ist eine sofortige Operation notwendig, denn eine Ausbreitung der Infektion muss verhindert werden: Die abgestorbenen Teile der Bauchspeicheldrüse werden entfernt und die Umgebung wird ausgespült.

Falls Gallensteine die Ursache waren, so werden sie operativ entfernt (Gallensteine, S. 648).

Nachbehandlung. Drei bis zehn Tage nach der akut auftretenden Entzündung bzw. nach der Operation, jedenfalls erst, wenn die Schmerzen und anderen Beschwerden völlig verschwunden sind, darf man wieder festere Nahrung zu sich nehmen. Die ersten Tage in Form von Zwieback und Tee, dann leichte Mischkost.

Jeder zu schnelle Nahrungsaufbau kann böse Folgen haben: In jedem fünften Fall kommt es während dieser Zeit zu einem Wiederaufflammen der Entzündung.

Medikamente. Durch eine lange bestehende Entzündung kann die Bauchspeicheldrüse die Fähigkeit, Enzyme zu produzieren, ganz einbüßen. Diese Enzyme-jene körpereigenen Substanzen, die Nahrungsbestandteile aufspalten – müssen dann lebenslang in Form von Tabletten oder Granulat eingenommen werden.

Verdauungsprobleme wie Durchfall bessern sich dadurch, und der Darm kann auch die Nährstoffe besser aufnehmen.

Wenn die Entzündungen das Gewebe zerstört haben, kann mitunter auch eine andere lebenswichtige Substanz nicht mehr produziert werden: das Insulin. Es ist wichtig zur Zuckerverwertung und muss dann – wie bei Diabetikern – gespritzt werden (Diabetes, S. 603).

Manchmal ist es auch notwendig, die Produktion der Magensäure zu drosseln. Dazu werden so genannte Antazida, H2-Blocker und Protonenpumpenhemmer eingesetzt .

Eine chronische Bauchspeicheldrüsenentzündung führt bei jedem zweiten Erkrankten zu dauerhaften oder immer wiederkehrenden Bauchschmerzen. In diesen Fällen ist eine konsequente und gezielte Schmerzbehandlung (Schmerztherapie, S. 417) wichtig. Schmerzmittel sollten dann vorbeugend und kontinuierlich eingenommen werden, und nicht erst, wenn die Schmerzen auftreten.

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