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Bettnässen: Ursachen, Selbsthilfe, Behandlung

Von: Andrea Ernst ( mehr) 19/01/2019
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Beschwerden

Meist ist es für Eltern ein Problem, wenn ihr Kind »noch nicht trocken« ist. Ihre Vorstellungen, ab wann ein Kind windelfrei sein sollte, decken sich nicht mit der Entwicklungsgeschwindigkeit ihres Kindes. Von Bettnässen spricht man erst, wenn ein Kind, das älter ist als fünf Jahre, während des Schlafes wiederholt und unbemerkt das Bett nass macht.

Ursachen

Häufig sind seelische Probleme der Auslöser: Streit in der Familie, neue Geschwister, Schulprobleme, der Wunsch, wieder »klein« zu sein.

Oft ist Bettnässen auch die Folge einer Harnweginfektion (• Blasenentzündung, Seite 654) oder – sehr selten – das erste Anzeichen eines bis dahin unbemerkt gebliebenen Diabetes (• Seite 721).

Risiko

Gezielte »Sauberkeitserziehung« macht die Ausscheidungen des Kindes zum zentralen Familienthema.

Befehle, Drohungen und Strafen machen Angst. Damit kann jedoch niemand ein Kind zwingen, Kot oder Urin herzugeben. Eher widersetzt sich das Kind den Forderungen.

Mögliche Folgen und Komplikationen
Ein Kind, das einnässt, ist damit meist selbst unglücklich. Wird es dann noch zusätzlich beschimpft und bestraft, schwindet sein Selbstbewusstsein noch weiter. Aus dem an sich harmlosen Bettnässen kann ein Teufelskreis entstehen.

Vorbeugung

Geduld und Zuwendung sind die Voraussetzungen dafür, dass das »Trockenwerden« nicht zum Kampf zwischen Kind und Eltern wird. Wer dem Kind vertraut, wird merken, dass es selbst irgendwann den Wunsch hat, ohne das lästige Windelpaket zu sein. Eltern, die den gefüllten Topf ihres Kindes als Geschenk betrachten können, werden kaum größere Probleme mit der »Sauberkeitserziehung« haben.

Den Nachahmungsdrang der Kinder können sich diejenigen zunutze machen, die das Kind nicht durch geschlossene Toilettentüren von ihrem eigenen »Geschäft« fern halten.

 

Wann zur Ärztin oder zum Arzt?

Wenn ein Kind, das trocken war, wieder einzunässen beginnt, oder wenn ein Kind nach dem vierten Lebensjahr noch regelmäßig einnässt. In jedem Fall, wenn der Verdacht besteht, dass das Kind eine Blasenentzündung oder andere Krankheiten haben könnte.

Selbsthilfe

Kleine Belohnungen für jede »trockene Nacht« und das Führen eines Kalenders, in dem die »trockenen Nächte« gekennzeichnet sind, können das Selbstbewusstsein des Kindes stärken. Misserfolge sollte man übergehen. Klingelmatratzen und Ähnliches können manchen größeren Kindern helfen, die nachts unbemerkt Urin verlieren. Es helfen nicht: Aufwecken in der Nacht, ab nachmittags das Trinken verbieten.

Behandlung

Wenn das nasse Bett für die ganze Familie zum Problem wird, empfiehlt sich eine psychotherapeutische Beratung K Familientherapie, Seite 888). Bettnässen gehört zu den »klassischen« Themen der Kinderpsychotherapie.

Behandlung mit Medikamenten

Medikamente gegen Bettnässen – z. B. der Wirkstoff Desmopressin (enthalten z. B. in Minirin Nasenspray oder Noeutil Nasenspray) – sollten nur nach sorgfältiger Abklärung mit Hilfe von Aufzeichnungen über die Trink- und Urinmengen angewendet werden. Der Einsatz des Depressionsmittels Tofranil ist abzulehnen.

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