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Bindehautentzündung (Konjunktivitis)

Von: Christian Skalnik ( mehr) 01/01/2019
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Bindehautentzündungen sind sehr häufig. Typisch sind die roten Augen, die wässrig schleimiges oder eitriges Sekret abgeben. Nach dem Aufwachen kann das Auge ganz vom eingetrockneten gelblichen Sekret verklebt sein. Die Lider schwellen an und jucken stark. Außerdem fühlt es sich an, als wäre ein Körnchen ins Auge gekommen, das ständig reibt. Helles Licht blendet. Eine Bindehautentzündung ist in den meisten Fällen harmlos. Trotzdem ist es günstig, die Augenkrankheit ärztlich behandeln zu lassen, weil das rote Auge mitunter ein erstes Warnsignal für eine schwere Augenkrankheit sein kann.

Wer ist davon betroffen?

Bindehautentzündungen sind sehr häufig, fast jeder ist im Laufe des Lebens ein- oder mehrmals davon betroffen.

Als »physiologische« oder unspezifische Bindehautentzündung wird die Erkrankung bezeichnet, wenn gar kein Grund dafür zu finden ist. Sie ist die häufigste Form der Bindehautentzündung und kommt vor allem bei Kindern und Jugendlichen vor. Meist entsteht sie als Reaktion auf den Kontakt mit verschiedenen Erregern, gegen die die Heranwachsenden erst die Körperabwehr entwickeln müssen, und vergeht von selbst.

Ebenfalls sehr häufig sind Infektionen mit Bakterien, meist mit Staphylokokken, Streptokokken oder Pneumokokken. Diese Keime sind generell auch bei Gesunden an der Bindehaut und verursachen normalerweise keine Entzündung. Ist die Immunabwehr aber geschwächt oder kommen die Keime bei einer Verletzung der Schleimhautoberfläche in das Innere der Bindehaut, kann es als natürliche Reaktion des Körpers gegen die eindringenden Bakterien zur Entzündung kommen. Manche dieser Krankheitserreger sind gegen Antibiotika resistent und können in länger verwendeten Kosmetika oder in angebrochenen Augentropfen-Fläschchen Vorkommen.

Auch Chlamydien verursachen häufig eine Bindehautentzündung. Diese Form wird auch Schwimmbad-Bindehautentzündung genannt, weil sie in Schwimmbädern übertragen wird. Eine Ansteckung ist außerdem beim Geschlechtsverkehr möglich.

Ein sehr häufiges und zunehmendes Problem, vor allem bei älteren Personen, ist der Tränenmangel. Weil die Augenoberfläche zu wenig benetzt wird (Augen – Trockenheit, S. 539), ist die Bindehaut in einem dauernden Reizzustand und die Augen fühlen sich an, als wäre Sandpapier darin.

Patienten mit einem Heuschnupfen oder anderen Allergien leiden ebenfalls an der Bindehautentzündung.

Als Ursachen kommen nicht nur Kosmetika, Tierhaare oder der Kot der Hausstaubmilbe in Frage, sondern auch Augentropfen oder -salben. Auch gegen weiche Kontaktlinsen sind Allergien relativ häufig. Vorwiegend männliche Kinder und Jugendliche haben alljährlich im Frühling einen so genannten Frühjahrskatarrh, ebenfalls eine allergische Bindehautentzündung.

Die empfindlichen Bindehäute können auf Umweltreize wie Staub, Hitze, Kälte, Wind, UV-Licht, Ozon oder Dämpfe aus Reinigungs- und Lösungsmitteln, Rauch (auch Zigaretten- oder Zigarrenrauch) oder Zugluft allergisch reagieren.

Rot umränderte Augen entstehen auch durch zu langes, angestrengtes Schauen auf kurze Distanz, Fehlsichtigkeit (S. 633), die entweder nicht oder nicht richtig korrigiert wurde, eine kaum merkliche Schielstellung der Augen (S. 869), falsch zentrierte Brillengläser oder durch Störungen der Zusammenarbeit der beiden Augen. Die ständige Überanstrengung führt dazu, dass Betroffene ihre Augen mit den Händen reiben und sie dadurch leichter infizieren.

Manchmal können auch in der Apotheke ohne ärztliches Rezept erhältliche gefäßverengende Augentropfen die Entzündung der Bindehäute dauerhaft aufrechterhalten.

Infektionen mit Bakterien, Viren oder Pilzen sind zudem durch verunreinigte oder beschädigte Kontaktlinsen oder Fremdkörper, die ins Auge fallen, möglich. Manche Vireninfektionen der Bindehaut sind äußerst ansteckend und verursachen die so genannte epidemische Bindehautentzündung, die sich rasch ausbreiten kann.

Eine Bindehautentzündung kann freilich auch Folge einer durchgemachten Grippe sein. Manchmal sind andere Augenerkrankungen Ursache der Erkrankung. Wenn beide Augen gleichzeitig betroffen sind, kann das ein Warnsignal sein, dass die Entzündung nicht nur die Bindehaut betrifft, sondern schon weiter um sich gegriffen hat (Hornhaut, Iris oder Lederhaut).

Ist Vorbeugung möglich?

Alles, was die Abwehr des Körpers stärkt, schützt auch vor Entzündungen im Auge. Dazu gehören eine gesunde Ernährung (S. 156), Bewegung (S. 16) und das Halten des Normalgewichts.

Außerdem hilft es, für die nötige Hygiene zu sorgen und die Augen nicht mit schmutzigen Fingern zu reiben.

Wer auf bestimmte Substanzen allergisch reagiert, kann den Kontakt mit diesen Stoffen vermeiden. Es ist günstig, allergenfreie Kosmetika zu verwenden.

Auf Augenbäder oder Kompressen mit Kamillentee sollte besser verzichtet werden, sehr viele Menschen reagieren auf Kamille allergisch.

Regelmäßige Untersuchungen der Sehkraft und eine eventuell notwendige Korrektur einer Fehlsichtigkeit (S. 633) durch Brillen oder Kontaktlinsen schützen davor, die Augen zu überanstrengen.

Was Betroffene selbst tun können

Die Heilungschancen sind am besten, wenn die reizauslösenden Ursachen beseitigt werden können.

Kontaktlinsen sollten so lange nicht im Auge getragen werden, bis die Entzündung abgeheilt und die ärztliche Behandlung beendet ist.

Ist die Bindehautentzündung auf den längerfristigen Gebrauch von gefäßverengenden Augentropfen (sie sind rezeptfrei als Mittel gegen die Bindehautentzündung erhältlich) zurückzuführen, hilft das konsequente Weglassen dieser Mittel. Nur so kann der entstandene Teufelskreis durchbrochen werden: Die gefäßverengende Wirkung lässt nach, die Rötung verstärkt sich, der daraufhin häufigere Gebrauch der Augenmittel heizt die Entzündung weiter an. Die Blutgefäße in der Bindehaut gewöhnen sich an den Entzug der gefäßverengenden Mittel und normalisieren sich wieder.

Entscheidungen mit Arzt oder Ärztin

Schmerzstillende Tropfen sollten nicht verwendet werden, weil sie die Heilung verzögern. Je nach Ursache der Bindehautentzündung muss die Erkrankung unterschiedlich behandelt werden:

Unspezifische Bindehautentzündung. Bei Augentrockenheit (S. 539) kann mit Tränenersatzmitteln die fehlende Tränenflüssigkeit ersetzt werden. Kortisonhaltige Augentropfen dürfen nicht verwendet werden, weil sie die Trockenheit des Auges noch verschlimmern und damit die Gefahr einer Infektion verstärken und bei längerer Anwendung zu Drucksteigerungen im Auge (Glaukom, S. 668) führen können.

Virus-Bindehautentzündung. Eine Mitbeteiligung der Bindehäute kommt bei Virusinfektionen vor und heilt meist von alleine. Vom Zeitpunkt der Ansteckung bis zum Ausbruch der Krankheit dauert es acht bis zehn Tage. Eine spezifische Behandlung ist (außer bei einer Herpesinfektion) nicht möglich. Gegen Herpesinfektionen gibt es ein antivirales Medikament. Kortisonhaltige Augentropfen sollten generell nicht verwendet werden, weil sie die körpereigene Abwehr schwächen und damit den

Krankheitsverlauf eher verlängern. Nur bei sehr starken Beschwerden kann Kortison kurzfristig zweckmäßig sein.

Bakterielle Bindehautentzündung. Eine akute

bakterielle Bindehautentzündung sollte rasch mit antibiotischen Augentropfen oder -salben behandelt werden. Diese dürfen aber nur nach augenärztlicher Anweisung verwendet werden. Die wahllose Verwendung solcher Medikamente kann dazu führen, dass die Keime resistent dagegen werden. Normalerweise klingt eine bakterielle Bindehaut-entzündung mit Hilfe von Antibiotika innerhalb von wenigen Tagen bis Wochen ab.

Die Chlamydien-Bindehautentzündung wird mit Tetracyclin- oder Erythromycin-Augenmitteln und Tetracyclin zum Schlucken behandelt.

Die Behandlung muss über vier bis sechs Wochen konsequent durchgeführt werden, weil eine Verschleppung der Krankheit zu Dauerschäden an der Hornhaut und der Innenseite des Oberlids führen kann. Wegen des möglichen Pingpong-Effekts sollte immer auch der Sexualpartner Tetracyclin-Präparate einnehmen. Nur dann führt die Behandlung nachhaltig zur Heilung.

Allergische Bindehautentzündungen sollten möglichst frühzeitig mit antihistaminhaltigen Augentropfen behandelt werden. Bei bekannten saisonalen Allergien können cromoglizinhaltige Augentropfen vorbeugend verwendet werden . Kurzzeitige Erleichterung kann durch gefäßverengende und kortisonhaltige Augentropfen erzielt werden. Bei häufig wiederkehrenden Entzündungen ist eine Allergentestung und Hyposensibilisierung (S. 711) ein möglicher Weg. Wenn die verursachenden Allergene vermieden werden, können die Beschwerden verschwinden. In den meisten Fällen handelt es sich aber um langwierige, chronisch verlaufende Entzündungen. Die optimale Behandlung ist erreicht, wenn mit einem Minimum an wirksamer Therapie weitgehende Beschwerdefreiheit ohne unerwünschte Nebenwirkungen erzielt wird.

Lidrandhygiene 

Einmal täglich den Lidrand von verklebten Sekretresten reinigen. Dazu ein Wattestäbchen mit Öl oder Babyshampoo tränken und damit das eingetrocknete Sekret entlang der Wimpern vorsichtig lösen und entfernen.

Bei verstopften Talgdrüsen hilft es, die Augenlider mit sauberen Fingern sanft zu massieren. Dadurch wird der Stau gelöst und das Sekret kann über die Ausführgänge, die im Bereich der Wimpern liegen, abfließen.

 

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