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Blutwurz

Von: Chưa được phân loại ( mehr) 26/01/2019
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Geschichte

Blutwurz – wenn eine Pflanze solch einen Namen hat, so ist das nicht ohne Bedeutung: Hier steckt die Kraft in der Wurzel, und diese Wurzel stillt Blutungen. Zudem läuft ihr kräftiges Rhizom beim Anschneiden rötlich an und färbt sich allmählich immer stärker blutrot. Mit diesem intensiven Wurzelrot wurde früher Wolle und Leder gefärbt. Der ältere Name „Tormentill“ leitet sich von dem lateinischen „tormentum“ (= Kolik, Qual) ab, und weist auf die schmerzlindernde Wirkung bei Koliken hin. „Potentilla erecta“ bedeutet die „aufgerichtete Mächtige“: Mächtig ist sie in der Wirkung und aufrecht ist der kleine zarte Blütenstängel mit den leuchtend gelben Blüten.

Die Blutwurz verwendete man schon im Altertum als Heilpflanze; die Hippokratiker kannten ihre Wirkung, und später empfahl Hildegard von Bingen die Tormentill „… gegen Fieber, das von schädlichen Speisen kommt“. In den mittelalterlichen Kräuterbüchern wird die Blutwurz als eine Pflanze gelobt, die Jegliche Blutflüsse stillen“ soll, getreu der Signaturenlehre einer blutroten Wurzel. Hieronymus Bock schreibt darüber: „… etliche nennen sie Blut- oder rotwurzel, darumb das diese wurztel das rot rur [Ruhr, eine Durchfallerkrankung] stillt“. Die Pflanze galt als Universalmittel und sollte sogar die Pest heilen: „Esst Tormentill und Bibernell, so sterbts’ net so schnell“ – das soll 1348 zu Pestzeiten ein Vogel im badischen Wiesental gepfiffen haben …

In der Tierheilkunde streut man seit langem das Wurzelpulver in blutende, infizierte Wunden, um in kürzester Zeit Blutungen zu stillen und Wunden komplikationslos abheilen zu lassen, oder man verabreichte Potentilla erecta bei Durchfallerkrankungen von Tieren – mit bestem Erfolg! Darüber berichtete Hieronymus Bock bereits 1577 in seinem Kräuterbuch: Die Schaffer haben diß auch gelehret und wissen den siechen Schaffen damit zu helfen“. Inzwischen bestätigt die moderne Wissenschaft das Wissen der alten Heilkundigen. Nachdem man im ersten Weltkrieg bei der Behandlung der Ruhr so gute Erfahrungen gemacht hatte, wurde die Blutwurz 1926 ins Deutsche Arzneibuch aufgenommen.

 

 

Botanisches

Die Blutwurz gehört zur Familie der Rosengewächse (Rosaceae) und ist verbreitet von der Ebene bis zum Hochgebirge, in Europa, dem Kaukasus und im Ural bis nach Asien. Wer unwissend über die Wiesen geht ahnt oft nicht, welcher Schatz sich hier verbirgt, zu gerne wird die Blutwurz übersehen. Die kleine Pflanze gedeiht sowohl auf trockenen Magerwiesen, Sandtorfböden von Kiefernwäldern und Heiden (dort sind die Pflanzen höher und größer und tragen weniger Stängel und stattliche Blätter und Blüten) als auch an feuchten Magerwiesen und Hoch- und Flachmooren (dort ist die Pflanze kleiner, ein gedrungener Stock mit zahlreichen Stängeln und kleinen Blüten). Die 15-30 cm hohe Pflanze wächst aus einem unregelmäßigen, knollig verdickten fingerdicken Wurzelstock, der fast waagerecht im Boden kriecht, eine außen braune, innen blutrote Farbe trägt und im Alter verholzt. Die lang gestielten Grundblätter sind meist dreiteilig und zur Blütezeit oft schon verwelkt. Die sitzenden Stängelblätter sind ebenfalls dreiteilig, sehen aber wegen der großen, tief zweispaltigen Nebenblätter wie fünf- oder mehrteilig aus. Von Juni bis September entfalten sich die gestielten Blütchen; sie sind etwa 5-10 mm breit und ihre verkehrt herzförmigen vier Blütenkronblätter leuchten goldgelb. Die kleine Frucht ist glatt, nussartig und hart.

Die Pflanze hat eine botanische Besonderheit: In der Regel haben alle Rosengewächse fünf Blütenblätter; die Blutwurz aber hat lediglich vier kleine Blütenblättchen, als wenn sich in der Blüte die Reduzierung auf das Wesentliche – die gerbstoffreiche Wurzel – fortsetzt.

 

 

Ernte

Ernten Sie den Wurzelstock zwischen März und April oder im Oktober. Das geht meist relativ leicht, weil die Pflanze lockeren Boden bevorzugt. Waschen Sie die von den Würzelchen befreiten Rhizome und zerkleinern Sie sie grob. Legen Sie sie zum Trocknen in dünner Schicht aus oder reihen Sie sie auf Schnüre auf. Alternativ können Sie die frischen, fein zerkleinerten Rhizomstücke gleich nach der Ernte zu Tinktur weiterverarbeiten (siehe unten).

 

 

Wirkungen

Der hohe Anteil von 20% Gerbstoffenin der Wurzel macht die Blutwurz zur Gerbstoffdroge Nummer eins in Deutschland; ihre Anwendung ist daher vor allem bei Durchfall sinnvoll. Die zusammenziehend wirkenden Gerbstoffe führen an der geschädigten Darmschleimhaut zur Bildung einer verdichteten und schützenden Membran, so dass Wasserverluste bei Durchfällen vermindert werden; außerdem wirken sie blutstillend, stopfend, austrocknend und entzündungshemmend, schmerz- und krampflindernd und antiseptisch (bakteriostatisch, pilzhemmend, antiviral). Die besten Erfolge erzielt man bei unspezifischen, akuten Durchfällen – also bei allen Durchfallerkrankungen, die keiner antibiotischen oder chemotherapeutischen Therapie bedürfen. Der Farbstoff Tormentillrot hat zusätzlich hemmende Eigenschaften gegen Bakterien (bakteriostatisch), deshalb wurde die Blutwurz früher „Ruhrwurz“ genannt. Diese pflanzlichen Wirkstoffe helfen auf natürliche Weise und schädigen weder die Darmflora noch die Magenschleimhaut. Normalerweise kommen Gerbstoffe schon im Magen zur Wirkung und können die Schleimhaut angreifen, so dass es zu Magenbeschwerden kommt.

Tormentill-Gerbstoffe aber sind an Eiweiße gebunden, besitzen also eine Depotwirkung und werden nur langsam, dafür länger anhaltend abgegeben. Gerbstoffe wirken lokal, werden praktisch nicht resorbiert und wirken daher ganz gezielt an der Innenseite des Darmes. Tormentill-Extrakte zeigen außerdem antiallergische und immunstimulierende Wirkungen.

Die Blutwurz kann man aber auch äußerlich anwenden als verdünnte Tinktur oder Tee. Mit ihren gerbenden, austrocknenden Eigenschaften repariert sie verletzte Blutgefäße, beruhigt Entzündungen und wirkt keimhemmend.

 

 

Medizinische Anwendung: Tormentillae rhizoma

Inhaltsstoffe: 15-20% Katechin-Gerbstoffe, Tormentillrot, Flavonoide, Harze, ätherische Öle.

Anwendung, innerlich: Durchfallerkrankungen (auch blutige und kolikartige), Brechdurchfall und begleitend bei den chronischen Darmentzündungen Colitis ulcerosa und Morbus Crohn.

Hinweis: Die Anwendung auf 3-7 Tage beschränken; dauern Durchfälle länger als 3-4 Tage, suchen Sie bitte ärztlichen Rat auf.

Anwendung, äußerlich: Rachen- und Mundschleimhautentzündung, Zahnfleischbluten, schlecht heilende Wunden, nässende Ekzeme, Hämorrhoiden, Fußpilz, Erfrierungen, leichte Verbrennungen und übermäßige Schweißbildung.

Kommission E: Unspezifische, akute Durchfallerkrankungen; leichte Schleimhautentzündungen im Mund- und Rachenraum.

Tagesdosis: 4-6 g Wurzel.

Nebenwirkungen: Bei empfindlichen Personen selten Magenreizungen und Erbrechen. Gegenanzeigen: Nicht bekannt. Durchfall bei Säuglingen und Kleinkindern bedarf auf alle Fälle ärztlicher Kontrolle!

Wechselwirkungen: Die Wirksamkeit anderer, gleichzeitig eingenommener Arzneimittel kann durch die Einnahme gerbstoffhaltiger Zubereitungen vermindert werden. Daher andere Medikamente mindestens zwei Stunden vor der Einnahme von Blutwurz anwenden.

 

 

Tee & mehr

Blutwurztee
1 TL frisch zerkleinerte Blutwurzwurzel in 1 Tasse kaltem Wasser zum Sieden bringen, kurz aufkochen und gleich abgießen (längeres Kochen führt zur Hydrolyse der Gerbstoffe und zu verminderter Gerbwirkung). Bei Durchfall 3- bis 4-mal täglich 1 Tasse trinken. Nehmen Sie die¬sen Tee nicht länger als 5-7 Tage ein, da sonst die Schleimhaut des Darmes zu stark austrocknet.

Tee zur äußeren Anwendung
Blutwurztee hat sich auch in der äußerlichen Anwendung bewährt: Als Gurgelmittel oder für Spülungen (siehe unten), als Teekompresse bei Schürfwunden,stark oder oberflächlich blutenden Wunden zur raschen Blutstillung, bei Wundsein der Kinder, nässenden Ausschlägen und Ekzemen, leichten Verbrennungen sowie bei Frostbeulen. Als Teilbad bei Hämorrhoiden, Schweißfüßen und Fußpilz, und als Waschung bei übermäßiger Schweißbildung. Bei Nasenbluten kann man den Tee in die Nase ziehen.

Teemischungen

Gurgeltee (Abkochung)
20 g Blutwurzwurzel, 10 g Eichenrinde und 10 g getrocknete Heidelbeeren. 5 Minuten ziehen lassen. 2- bis 3-mal täglich gurgeln, bis Besserung eintritt.

Durchfalltee (Aufguss)
Je 20 g Kamillenblüten, Gänsefinger- und Schafgarbenkraut, Heidelbeerfrüchte und Blutwurzwurzel. 7 Minuten ziehen lassen. 3-mal täglich 1 Tasse trinken, maximal 7 Tage lang.

Weitere Zubereitungen

Blutwurztinktur
Ein Schraubglas zur Hälfte mit frisch gesammelten, gut gesäuberten, ganz klein geschnittenen Wurzeln (Rhizomen) füllen, und mit 50%igem Alkohol bis an den Rand bedecken. Drei Wochen stehen lassen, täglich schütteln, danach abgießen.

Diese Tinktur eignet sich zur äußerlichen Anwendung (siehe unten), aber auch zur innerlichen Einnahme besonders für die Reiseapotheke in südliche Länder, um Durchfallerkrankungen rasch und zuverlässig begegnen zu können: 3- bis 5-mal täglich 20-30 Tropfen Tinktur in Wasser oder Tee einnehmen – das hat schon so manchen Urlaub gerettet!

Blutwurztinktur zur äußerlichen Anwendung
Blutwurztinktur (oder Blutwurztee, siehe oben) können Sie anwenden bei leichten Schleimhautentzündungen oder Blutungen im Mund- und Rachenraum, bei Aphthen oder Entzündungen am Zahnfleisch, aber auch bei Druckstellen, wie sie zum Beispiel durch Zahnprothesen entstehen können. Als Gurgelmittel (Tee oder Tinktur, 1:5 mit warmem Wasser verdünnt), in Form einer Spülung oder Pinselung (unverdünnte Tinktur, oder 10 Tropfen auf 1 Glas Wasser, oder 1:1 mit Myrrhetinktur gemischt) oder als Zahnpulver (fein pulverisiert, am besten mit Salbei und Pfefferminz zusammen) hilft Blutwurz bei Entzündungen des Zahnfleischs, Erkrankungen des Rachens und des Kehlkopfs.

Bei Fußpilz pinseln Sie die Tinktur pur auf die betroffene Stelle: Der hohe Gerbstoffgehalt wirkt pilzhemmend, weil er das feuchte Milieu austrocknet. Bei oberflächlichen Verbrennungen 1. und 2. Grades und bei Sonnenbrand 1:1 mit Wasser verdünnte Tinktur verwenden; bei nässenden Wunden zur Wundwaschung 1:10 mit Wasser verdünnte Tinktur.

Blutwurzsalbe
20 g frische, kleingeschnittene Wurzeln zunächst in wenig Weingeist (70%) ausziehen (Gerbstoffe sind nicht fett-, dafür alkohollöslich). Dann zusammen mit 200 ml Sonnenblumenöl 20 Minuten bei maximal 70 °C erhitzen, abgießen. 35 g Bienenwachs im Auszugsöl schmelzen lassen, die Salbe abfüllen und erkalten lassen. Bei aufgesprungenen Lippen, rauen Händen, nässenden Ekzemen, Wunden oder Hautunreinheiten.

Blutwurzwein
Eine Handvoll klein geschnittene, frische Wurzelstückchen in 11 Rotwein 3 Wochen ziehen lassen, absieben. Bei leichtem Durchfall trinken Sie 1 Likörgläschen täglich – ein bewährtes Therapeutikum vor allem für ältere Menschen.

Der intensiv wirkende Tee eignet sich weniger gut für Säuglinge, nehmen Sie für die Kleinen besser getrocknete Heidelbeeren!

 

 

Neues Wissen

Eine Blutwurzstudie bei aktiver Colitis ulcerosa ergab: In 70% der Fälle kam es unter der Behandlung mit einem pflanzlichen Blutwurzpräparat bei Colitis ulcerosa (chronische, in Schüben verlaufende Darmentzündung mit schweren Durchfällen, Unterleibsschmerzen und Schwächezuständen) zu einer Verminderung bzw. Normalisierung der Stuhlfrequenz und Besserung der Beschwerden. In einigen Fällen konnte unter Einsatz des Präparates die Behandlung mit Kortison reduziert oder vermieden werden. Nach den bisherigen Erfahrungen ist das Blutwurzpräparat ausgezeichnet verträglich; ganz gelegentlich kann es zu Magenbeschwerden kommen. Andere Nebenwirkungen sind bisher nicht bekannt.

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