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Goldrute

Von: Ursel Bühring 09/12/2017
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Geschichte

In lichten Wäldern und auf Heiden wächst die unscheinbare Pflanze, die erst durch ihre goldfarbenen Blütenköpfchen auffällt. Sie haben den Namen der Pflanze geprägt: Das lateinische „virga“ (= Rute) weist auf den rutenförmigen Blutenstand hin, „aurea“ auf die goldene Blütenfarbe. Hinter „Solidago“ verbirgt sich „solidare“ bzw. „consolidare“ (= befestigen, gesund machen), das weist auf seine Heilkraft hin.

Unsere Vorfahren, die Germanen, stellten das golden blühende Kraut an die erste Stelle ihrer wirksamen Wundheilkräuter, wahrscheinlich kommt daher der Volksname „Heidnisch Wundkraut“. Erst im Mittelalter, als die Urinschau in der ärztlichen Kunst eine wichtige Rolle spielte, entdeckte man die Heilkräfte der Echten Goldrute für die Nieren. Der Arzt und Botaniker Tabernaemontanus (1522-1590) schreibt in seinem viel gelesenen Kräuterbuch, dass „diss gülden Wundkraut eine sonderliche Krafft und Eigenschafft hat gegen den Stein und das Nierenwehe“, aber er empfiehlt sie auch zur Wundbehandlung: „Die solidago hat alle kräfte wie der Sanikel, denn sie heilt, innerlich und äußerlich angewendet alle Wundstiche, faule, böse und veraltete Schäden und Fisteln. Es wird diß Kraut äusserlich zu den Wunden und offenen Schäden gebrauchet, dann es trucknet, zeucht zusammen und heilet, auf was weiß man es nur gebraucht, gleichwie man das Kraut frisch zerknirschet oder als Pulver hinein gestreuet.“ Im „New Kreuterbuch“ schreibt der italienische Arzt und Botaniker Matthiolus, die Goldrute „wirke gewaltig den Harn treibend und den Stein brechend“, und ähnliches berichten auch Leonhard Fuchs und Hieronymus Bock. Der Frankfurter Arzt Lonicerus kannte die Goldrute im 16. Jahrhundert unter dem Namen „Güldin Rute und Güldin Wundkraut“ und nennt drei Arten von „Heidnisch Wundkraut“, die er genauestens voneinander unterscheidet, und zwar sowohl von der Botanik als auch von der Wirkungsweise her. Er beschreibt die Wirkung gegen die „Geschwer des Zahnfleisches, des Halses und Entzündung des Zäpflis im Munde“ und empfiehlt, mit Goldrutenabsud zu gurgeln: „Es wird dies Kraut, in leicht saurem Wein gesotten, auch gegen Bauchflüsse [Durchfall], die rote Ruhr und Bluthusten getrunken, heilt auch die Versehrung von Hals und Mund und bringt das geschwollene Zäpflin [Gaumenmandel] wieder zurecht“. Angeblich soll auch Martin Luther Goldrute verwendet haben, denn der Streiter für den Glauben war Zeit seines Lebens krank und gebrechlich, und seine Frau Katharina von Bora reichte ihm häufig Goldrutentee, den er gegen sein Blasenleiden einnahm. Im 19. Jahrhundert baute Kräuterpfarrer Künzle auf die Überlieferungen der Alten und empfahl die äußerliche Anwendung des zerstoßenen Krautes auf Schnitt-, Stich- und Bisswunden, zur schnellen Wundheilung, oder in Form eines Gurgelwassers bei Diphtherie, Halsleiden und Mundfäule – und gleichermaßen innerlich bei allen Nierenleiden. Der große Naturheilarzt Johann Gottfried Rademacher (1772-1850) war überzeugt, dass die Natur für jedes Organ ein spezifisches Heilkraut bereitstellt und erklärte die Goldrute zu der Nierenpflanze schlechthin – und als solche gilt sie bis heute.

Botanisches

Die Goldrute gehört zur Familie der Korbblütler (Asteraceae) und ist eine nektarreiche Bienen- und Hummelweide. Die Echte Goldrute (Solidago virgaurea, siehe Abb. oben) ist in Europa und Nordafrika heimisch und gedeiht auf trockenem Grund, auf Holzschlägen, Heiden, lichten Kiefern- oder Laubmischwäldern. Sie besitzt einen kurzen walzenförmigen, knotigen und inulinhaltigen Wurzelstock. Der runde, längsgestreifte und markhaltige Stängel ist im oberen Teil kurz behaart und weiter unten braunviolett oder dunkelrot gefärbt und trägt die schmalen Stängelblätter, elliptisch mit gezähntem Rand. Der bis 1 m hohe Blütenstängel zeichnet sich von August bis Oktober durch eine schönstrahlende, goldgelbe, rispige Blütentraube mit relativ großen Blütenköpfchen aus.

Im Spätsommer fallen seit einigen Jahrhunderten bei uns zwei weitere Solidago-Arten mit sehr viel kleineren Blütenköpfchen auf, die in großer Anzahl auf Schuttplätzen, Bahndämmen und inzwischen auch in Gärten wachsen: die Kanadische Goldrute (Solidago canadensis, siehe Abb. Seiten 112 unten, 113), deren Zungenblüten kaum länger oder kürzer als die Scheibenblütchen sind, sowie die Riesen-Goldrute (Solidago gigantea), deren Zungenblüten länger als die Scheibenblüten sind. Das auffallende Blütengold beider Arten lässt bis in den späten Herbst hinein die Gärten wie von einem goldenen Teppich überflutet aussehen. Sie sind im 17. Jahrhundert mit der Indianernessel (Monarda didyma) zusammen von Nordamerika zu uns gekommen und durchdringen mit kräftigen Kriechwurzeln heimische Gärten – eine Eigenschaft, die die Echte Goldrute nicht besitzt.

Diese „Einwanderer“ unterdrücken inzwischen über die Gärten hinaus weit verbreitet und mit ungebremster Kraft die heimische Flora. Der amerikanische „Unkrautexperte“ Edwin Rollin schrieb in einem College-Lehrtext: „Auch wenn es wegen seiner schönen Blüte von einigen US-Staaten zur „official state flower“ ernannt wurde, so ist den-noch nichts Gutes an ihm. Es ist ein schlimmes Unkraut und verursacht Heuschnupfen“. Inzwischen werden aber beide „Globetrotter“ in der Heilkunde ebenfalls verwendet, auch wenn sie nicht ganz so vielseitig wirksam sind wie S.virgaurea.

Ernte

Ernten Sie zu Beginn der Blütezeit, denn die offenen Blütchen entwickeln sich auch während des Trocknungsvorganges weiter zu ihrer Fruchtform, zu löwenzahnähnlichen kleinen Fallschirmen mit Samenansatz, wie es sich für Korbblütler gehört.

Sammeln Sie die oberen 10 cm des Goldrutenkrauts (Blüte, Blätter, Stängel) und trocknen Sie sie schonend. Da die hauptwirksamen Flavonoide vor allem in den Blütenköpfchen und in den Blättern Vorkommen, sollte nicht mehr als 20% Stängelanteil enthalten sein.

Wirkungen

Die Goldrute ist das „Nierenmittel erster Wahl“. S. virgaurea bewirkt eine direkte Leistungssteigerung der Nieren, wirkt flüssigkeitsausschwemmend, entzündungshemmend und krampflösend an der glatten Muskulatur, Nierenstein austreibend, schmerzlindernd, antibakteriell, ausgleichend auf das Immunsystem (immunmodulatorisch) und pilzhemmend (antimykotisch).

Die pilzhemmenden Effekte der Triterpensaponine aus S. virgaurea wirken speziell gegen Candida-Pilze; die Saponine zeigen auch eine deutlich ödemhemmende Eigenschaft, wobei die harntreibende Wirkung sicher noch unterstützt wird durch die osmotisch wirkenden Mineralstoffe. Bei entzündlichen Erkrankungen der ableitenden Harnwege kommen außerdem die schmerzlindernden und mild entzündungshemmenden Eigenschaften der Saponine, Flavonoide, Kaffeesäurederivate und die Phenolglykoside hervorragend zur Wirkung. Die Kanadische und die Riesen-Goldrute wurden zur Durchspülung als Arzneidroge vor allem deshalb zugelassen, weil diese beiden Arten die begrenzte Verfügbarkeit von S.virgaurea ergänzen sollen. Sie unterscheiden sich allerdings in ihrem Wirkstoffgehalt qualitativ und quantitativ von S.virgaurea: Der Gehalt an entzündungshemmend wirkenden Flavonoiden und Saponinen ist bei S. canadensis bedeutend höher als bei S. virgaurea, die dagegen das schmerzlindernde und entzündungshemmende Phenolglykosid Leiocarposid enthält, das wiederum bei den anderen beiden Arten fehlen. S.virgaurea wird daher bei entzündlichen Erkrankungen bevorzugt. Alle Arten wirken aber harntreibend und krampflösend. Ebenfalls besitzen die Saponine aller Goldruten-Arten eine pilzhemmende Wirkung, besonders gegen Candida. Bei länger währenden Blasen-Nieren-Leiden empfiehlt es sich, die verschiedenen Goldruten-Arten abwechselnd zu trinken; das schließt einen Gewöhnungseffekt aus.

Weil Goldrutentee außerdem die Schleimhäute abschwellen lässt, eignet sich der Tee auch zum Gurgeln bei Halsschmerzen und bei chronischem, allergischem Schnupfen. Goldrute ist auch in vielen Venenmitteln enthalten, weil das enthaltene Flavonoid Rutin die Gefäßwände der Kapillaren schützt und abdichtet. Dadurch werden Flüssigkeitsansammlungen (Ödeme) abgebaut und außerdem der Giftstoffwechsel normalisiert.

Medizinische Anwendung: Solidaginis herba

Inhaltsstoffe: Flavonoide (Rutin u.a.), Saponine, ätherische Öle, Phenylglykoside (Leiocarposid und Virgaureosid), Kaffeesäurederivate und Gerbstoffe, Mineralstoffe.

Anwendung, innerlich: Durchspülung der Harnwege und Vorbeugung bei entzündlichen Erkrankungen der ableitenden Harnwege, Reizblase, zur Blasenpflege bei Katheterträgern, Harnverhalten, Harnsteine und Nierengrieß. Begleittherapie bei rheumatischen Beschwerden und Pilzinfektionen mit Candida albicans.

Äußerlich: Gurgellösung bei Entzündungen des Mund- und Rachenraums, Kompresse bei schlecht heilenden Wunden, Geschwüren, Ekzemen und Hautausschlägen, Tinktur bei Lippenherpes (Herpes labialis).

Kommission E: Durchspülungstherapie bei entzündlichen Erkrankungen der ableitenden Harnwege. Vorbeugend bei Harnsteinen und Nierengrieß.

Tagesdosis: 6-12 g blühendes Kraut. Auf ausreichend zusätzliche Flüssigkeit achten.

Nebenwirkungen: Nicht bekannt.
Gegenanzeigen: Nicht anwenden bei Wasseransammungen im Gewebe (Ödeme) infolge eingeschränkter Herz- oder Nierentätigkeit. Nicht bei chronischer Nierenentzündung (Nephritis), weil dann die Nieren nicht mehr leistungsfähig sind. Bei chronischen Nierenerkrankungen und in der Schwangerschaft ärztlichen Rat einholen.

Tee & mehr

Goldrutentee
1-2 TL (3-6 g) Goldmtenkraut mit 150 ml heißem Wasser überbrühen und 20 Minuten ziehen lassen (um die Flavonoide bestmöglich zu lösen), anschließend abgießen. 2- bis 4-mal täglich 1 Tasse Tee zwischen den Mahlzeiten trinken, maximal 6 Wochen lang.

Teemischungen
Nierentee
(Aufguss)
Je 30 g Goldrutenkraut und Birkenblätter mit je 20 g Brennesselblättern und Schachtelhalmkraut mischen. 20 Minuten ziehen lassen. 6 Wochen lang 3-mal täglich 1 Tasse trinken.

Tee zur Frühjahrskur(Aufguss)
Je 20 g Goldrute, Gänseblümchen- und Liebstöckelkraut, Löwenzahn- und Petersilienblätter. 20 Minuten ziehen lassen. 3-4 Wochen lang 3-mal täglich 1 Tasse trinken.

Weitere Zubereitungen Goldrutenwein
Ein Schraubglas zur Hälfte mit frischem, klein geschnittenem Goldrutenkraut füllen. Bis zum Rand mit trockenem (Bio-)Weißwein aufgießen, verschließen und 2-3 Wochen an einem nicht zu kühlen Ort stehen lassen. Abgießen und täglich 2-3 Likörgläschen trinken.

Blasen-Nieren-Tinktur
In ein Schraubglas (200 ml) je 15 g zerkleinertes Goldruten- und Schachtelhalmkraut und Queckenwurzel geben und bis an den Rand mit Alkohol (40 %) auffüllen. 3 Wochen stehen lassen und regelmäßig schütteln, danach in Tropffläschchen abfiltrieren. Zur Durchspülung der Harnwege 3 Wochen lang 3-mal täglich 20 Tropfen einnehmen.

Färben mit Goldrute
Sie können mit Goldrute Stoffe wunderbar zart goldgelb färben. Dazu 100 g grob zerkleinerte Goldrute mit 5 1 Wasser bedecken, 5 Stunden einweichen lassen und dann eine Stunde lang auskochen. Die Pflanzenteile abfiltem und gut ausdrücken. Die Flüssigkeit mit Wasser wieder auf 5 1 auffüllen und auf 30 °C erhitzen. 15 g Beizmittel (Alaun) in wenig heißem Wasser auflösen und dann dem Färbewasser zufügen. Jetzt können Sie (vorgewaschene) Stoffe im Farbsud färben: Seide bis 70 °C, Wolle, Baumwolle und Leinen bis 100 °C erhitzen und eine Stunde unter ständigem Rühren kochen lassen. Zum Schluss fixieren Sie die gefärbten Tücher in einem Essigbad (50 ml Essig auf 11 Wasser) und lassen sie trocknen. Mit dieser Flüssigkeitsmenge können Sie ungefähr 100 g Stoff färben.

Neues Wissen

In Studien und in Anwendungsbeobachtungen (Studien ohne Kontrolle durch Placebogaben) wurde die hervorragende Wirksamkeit von Solidago virgaurea untersucht und bestätigt, beispielsweise bei Reizblase, wiederkehrenden Hamwegsinfekten, Harnsteinen, Nierengrieß und Krämpfen im Urogenitalbereich.

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