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Hirtentäschel

Von: Ursel Bühring 10/12/2017
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Geschichte

Im Altertum bezeichnete Hippokrates (460-377 v.Chr.) das Hirtentäschel als wichtigstes „Uterusmittel“ und lobte seine blutstillende Wirkung. Als im Ersten Weltkrieg in Großbritannien die damals gebräuchlichen blutstillenden Arzneidrogen Kanadische Gelbwurz und Mutterkorn nicht verfügbar waren, wurde Hirtentäschel als Alternative eingesetzt. Es wirkt zwar schwächer als Mutterkorn, hat aber nicht dessen toxische Eigenschaften und ist daher besser verträglich.

Botanisches

Hirtentäschel ist ein Kosmopolit aus der Familie der Kreuzblütengewächse (Brassicaceae), das weltweit auf Äckern und Schuttplätzen zu finden ist. Im Frühjahr und im Herbst trägt die vielblättrige Rosette löwenzahnähnliche, köstlich schmeckende Blätter, ansonsten wirkt die 40 cm hohe Pflanze unscheinbar. Sie trägt von März bis in den November hinein gleichzeitig kleine weiße Blüten und Früchte und produziert 60 000 Samen pro Jahr. Die dreieckigen Schötchen ähneln den ledernen herzförmigen Taschen, die die Hirten früher aufs Feld mitnahmen.

Anbau und Ernte

Auf nährstoffarmen, mageren Böden gedeiht der Same von alleine! Für die medizinische Anwendung während der Sommermonate das blühende Kraut knapp über dem Boden abschneiden. Gut trocken lagern – feuchtes Hirtentäschelkraut wird pharmakologisch unwirksam. Ernten Sie nicht, wenn die Pflanze im Herbst mit einem weißlichen Pilzrasen überzogen ist.

Wirkungen

Hirtentäschelkraut kräftigt (tonisiert) den Spannungszustand der Gefäße durch ein dem Oxytozin ähnliches Peptid. Es verengt und verdichtet die Venen, deren Gefäßmuskulatur sich zusammenzieht und dadurch die blutstillende Wirkung hervorruft. In der modernen Phytotherapie wird Capsella weniger verwendet, weil der Wirkstoffgehalt der Droge schwankt und deshalb die Behandlungserfolge bei Teezubereitungen nicht immer gesichert sind: es gilt als Mittel gegen Blutungen (Hämostyptikum) mit schwacher Wirkung. Aber in der Erfahrungsheilkunde hat sich der Einsatz von Hirtentäschel bewährt sowohl bei verlängerter, verstärkter und schmerzhafter Regelblutung als auch’ bei gutartigen Geschwülsten der Gebärmutter (Myomen). Wichtig bei der Selbstmedikation ist, dass durch eine fachgynäkologische Untersuchung sichergestellt wird, dass keine schwerwiegenden organischen Ursachen vorliegen (z.B. eine Krebserkrankung). Sollten die Blutungen anhalten, ist eine ärztliche Therapie notwendig.

Hirtentäschelkraut löst rhythmische Kontraktionen der Gebärmutter aus und verstärkt sie, daher wird es bei Wehenschwäche eingesetzt. Auch beim Wochenfluss, zur Verhinderung von Wochenflussstau oder bei mangelhafter Rückbildung der Gebärmutter wird Hirtentäscheltee gereicht. Hirtentäschel wirkt gleichzeitig mild abführend, weil es die träge Darmmuskulatur anregt. Äußerlich stillt Capselia erfolgreich oberflächliche, leicht blutende Hautverletzungen, Nasenbluten, Zahnfleischbluten oder blutende Hämorrhoiden.

Medizinische Anwendung: Bursae pastoris herba

Inhaltsstoffe: Flavonoide, Saponine, Gerbstoffe, Mineralstoffe (Kalium, Natrium), Polypeptide, Cholin, Azetylcholin, Glucosinulate.

Anwendung, innerlich: Starke Menstruationsblutungen, blutende Hämorrhoiden, starke Blutungen in den Wechseljahren.

Äußerlich: Nasen- und Zahnfleischbluten, nach Zahnextraktion und bei oberflächlich blutenden Hautverletzungen.
Tagesdosis: 10-15 g Kraut.

Nebenwirkungen: Nicht bekannt. Bei anhaltenden Blutungen Arzt aufsuchen. Gegenanzeigen: Nicht in der Schwangerschaft anwenden.

Kommission E, innerlich: Ver-stärkte und verlängerte Menstruationsblutungen. Äußerlich: Oberflächliche, blutende Hautverletzungen, Nasenbluten.

Tee & mehr

Hirtentäscheltee
1- 2 TL (2-4 g) getrocknetes Hirtentäschelkraut mit 150 ml siedendem Wasser überbrühen,10 Minuten abgedeckt ziehen lassen, abgießen. 1-2 Wochen lang 2- bis 3-mal täglich 1 Tasse frisch bereiteten Tee zwischen den Mahlzeiten trinken.

Tee zur äußeren Anwendung
Bei oberflächlichen, blutenden Hautverletzungen doppelt konzentrierten, abgekühlten Tee als feuchtkalten Umschlag anwenden. Bei Nasenbluten den Tee „hochschnupfen“, oder ein Stofftaschentuch mit dem Tee tränken, daraus eine Nasentamponade bereiten und diese 1 Stunde in der Nase belassen.

Teemischungen
Wochenbetttee
(Aufguss)
Je 30 g Frauenmantel- und Hirtentäschelkraut und Melissenblätter mit siedendem Wasser aufgießen. 7 Minuten ziehen lassen, 2- bis 3-mal täglich 1 Tasse trinken, maximal 2 Wochen lang (nach Stadelmann). Bei Bauchschmerzen oder Durchfall Dosis reduzieren.

Weitere Zubereitungen
Hirtentäscheltinktur

Blühendes Kraut klein schneiden und ein Schraubglas locker damit füllen. Mit Korn (38%) bis zum Rand aufgießen, 2 Wochen stehen lassen, regelmäßig schütteln, abgießen und in Tropffläschchen füllen. Tinktur als blutstillende Auflage 1:1 mit Wasser verdünnten für oberflächliche Verletzungen.

Altes Wissen

Pfarrer Künzle legte bei blutenden Verletzungen frisches, zerstoßenes Hirtentäschelkraut auf und empfahl bei Nasenbluten, Hirtentäschel um Hals und Nacken zu binden.

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