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Hülsenfrüchte (Phaseolus Pisum Lens)

Von: Richard Willfort 19/02/2018
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Hülsenfrüchte (Phaseolus - Pisum - Lens)

Die Hülsenfrüchte – Bohnen, Erbsen, Linsen – zahlen durch den hohen Gehalt an Eiweiß und Kohlehydraten zu den nährstoffreichsten Gemüsen. Auch müssen ihnen Heilwerte zugesprochen werden. In der Geschichte der menschlichen Ernährung finden wir sie sehr früh als Nahrungsmittel in Verwendung und lassen sie sich bis in vorgeschichtliche Zeiten zurückverfolgen.

Während man die Puffbohne (Faba) in den Pfahlbauten der Schweizer Seen, in den ägyptischen Königsgräbern um 2000 vor Christi und in Troja fand, wie sie auch in der Bibel erwähnt wurde, war die Gartenbohne (Phaseolus) bis etwa 1550 n. Chr. im Mittelmeerraum und Europa unbekannt, da sie erst nach der Entdeckung ihrer Heimat Amerika, in Europa eingeführt wurde. Dafür fand man Gartenbohnen in den vorgeschichtlichen Gräbern in Arizona und Peru. Die Erbsen (Pisum) sind als Nahrungsmittel uralt; die ältesten Funde werden aus den Steinzeitniederlassungen in Ungarn, aus den Pfahlbauten an den Schweizer Seen und aus dem einstigen Troja gemeldet. Schließlich sind auch die Linsen (Lens) ein uraltes Nahrungsmittel, die ebenfalls in den Steinzeitsiedlungen, als auch in den ägyptischen Gräbern um 2200 v. Chr. nachgewiesen wurden. Die Bibel erwähnt ebenfalls die Linsen in der Geschichte über Jakob, der seinem Bruder Esau um ein Linsengericht das Erstgeburtsrecht abkaufte.

Die Hülsenfrüchte spielen im Capitulare Karl d. Gr. eine wichtige Rolle und so gäbe es noch viele interessante kulturhistorische Tatsachen zu berichten, doch müssen wir uns auf die Ernährungs- und gesundheitlichen Faktoren bei den genannten Hülsenfrüchten beschränken.

Gemeinsam ist ihnen der hohe Gehalt an pflanzlichem Eiweiß, das sie den an ihren Wurzeln befindlichen Knöllchenbakterien verdanken. Diese Knöllchen-bakterien können nämlich den freien Stickstoff der Luft, der auch in die Erde eindringt, sich aneignen, in Aminosäuren überführen, aus welchen sich wieder das Eiweiß aufbaut. Die Kohlenhydrate der Hülsenfrüchte sind in Form von Galactanen, Glycuronsäure, Fructose, Glucose, Mannit und anderen Verbindungen vorhanden. Neben diesem Eiweiß und der Stärke ist in den Hülsenfrüchten Fett vorhanden und der wichtige Stoff für unser Nervensystem, das Lecithin. Während in den getrockneten Hülsenfrüchten nur Spuren von Vitamin C enthalten sind, steigt der Gehalt an Vitamin C beim Keimen so, daß gekeimte Hülsenfrüchte Skorbut verhüten können.

Auch das Vitamin E, das Fruchtbarkeitsvitamin, bildet sich beim Keimen und wird durch Kochen nicht zerstört. Das Vitamin A ist geringfügig vorhanden, dagegen reich im getrockneten Zustand das Vitamin Bi, das bei einer Hitze von 100-120 Grad Celsius nicht sogleich zugrunde geht.

Da die Samenschalen reich an Rohfaser, Pektinstoffen und anderen schwer verdaulichen Verbindungen sind, soll man getrocknete Hülsenfrüchte nur als Mehl oder geschält und passiert verwenden. Nur in dieser breiigen, püreeartigen oder suppigen Form sind sie nicht nur am schmackhaftesten, sondern vor allem am bekömmlichsten. Auch muß noch viel mehr beachtet werden, daß in den getrockneten Hülsenfrüchten zwar viele Nährstoffe, aber wenig Mineralsalze enthalten sind. Die Ergänzung dieser muß daher durch Gemüse, Obst und Milch erfolgen.

Für Fieberkranke sind Hülsenfrüchte nicht angezeigt. Sie fördern den Temperaturanstieg und bewirken nachteilige Zersetzungserscheinungen im Darm.

Magen- und Darmkranke müssen getrocknete Hülsenfrüchte meiden, da sie gerade im erkrankten Magen oder Darm nicht nur unerwünschte Säurebildungen auslösen, sondern auch erhöhte Blähungen bewirken. Fein passierte Hülsenfrüchte mit blähungsmildernden Gewürzen, wie Kümmel (Nr. 73), Majoran (Nr. 86) oder Thymian (Nr. 124), oder frische grüne Erbsen werden von Magen- und Darmkranken in kleinen Portionen vertragen. Wenn nur Stuhlverstopfung, oder gar nur chronische Stuhlverstopfung vorliegt, sind Hülsenfrüchte sehr wertvoll. Sie liefern, ebenfalls passiert, einen reichlichen und weichen Stuhlgang, ohne Schmerz oder einen plötzlichen Durchfall auslösend.

Nierenkranke dürfen keine Speisen aus getrockneten Hülsenfrüchten einnehmen, da der Eiweißgehalt zu hoch ist. Dagegen dürfen Nierenkranke Speisen aus jungen Erbsen, salzlos zubereitet, genießen.

Auch Herzkranke müssen Hülsenfrüchte meiden. Die Gasbildungen beanspruchen die Herztätigkeit sehr nachteilig. Bei Zuckerkranken müssen getrocknete Hülsenfrüchte wegen des hohen Kohlehydratgehaltes eingerechnet werden.

Ein Linsengericht an Stelle eines Haferbreies ist erlaubt, desgleichen können ganz mäßig (2 Eßlöffel) grüne Erbsen in die Speisenfolge hie und da eingebaut werden.

Grüne geschnittene Bohnen, roh, als Salat zubereitet, sind abzulehnen! Die in den rohen Fisolen vorkommenden Blausäureglykoside der Phaseoline haben schon tödliche Vergiftungen ausgelöst. Erst durch das Kochen werden die Blausäureglykoside zerstört. Dagegen ist unzutreffend die Hülsenfrüchte wegen ihres Gehaltes an Purinkörpern abzulehnen. Die Purinmengen sind in den Hülsenfrüchten so gering vorhanden, daß man sie sogar Gichtkranken verabreichen kann.

Dies wären die wichtigsten heildiätetischen Regeln bezüglich der Hülsenfrüchte; nähere Daten müssen in den einschlägigen Diätetikbüchern nachgelesen und angewendet werden.

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