Help
Favorites list
Login/Register

Huflattich

Von: Ursel Bühring 28/12/2017
1 Star2 Stars3 Stars4 Stars5 Stars (2,00)
Loading...
Speichern Drucken

Geschichte

Strahlend gelb wie kleine Sonnen begrüßen uns die ersten Huflattichblüten zwischen altem Schnee und Vorjahreslaub, wenn wir nach langen Wintermonaten nach den ersten Frühlingsboten Ausschau halten. „Filius ante patrem“ (= Der Sohn vor dem Vater) wird die Pflanze auch genannt, weil sich die Blüte auf ihrem schuppigen Stängel vorwitzig sechs Wochen vor den Blättern einstellt. Wie schön zu sehen: Die Sonne hat bereits genügend Kraft, der Frühling kommt.

Huflattich ist eines der besten Hustenmittel überhaupt, schon der botanische Name kündet von seiner Heilkraft: Der Gattungsname Tussilago stammt vom lateinischen Begriff „tussis ago“ und bedeutet: „Ich vertreibe den Husten“, und das kann er in der Tat! Das Artepithet „farfara“ bezieht sich auf die im Jugendstadium bemehlten, hufeisenförmigen Blätter. Schon im 1. Jahrhundert n. Chr. empfahl der Militärarzt Dioskurides, die zerriebenen Blätter mit Honig gegen Entzündungen der Brust einzunehmen. Plinius, der römische Geschichtsschreiber dieser Zeit, gibt genauere Anweisungen zur Anwendung des Huflattichs bei „Schweratmigkeit“: Bei hartnäckigem Husten sollten Huflattichwurzeln auf glühende Zypressenkohlen gelegt und der entstehende Rauch dann tief durch einen Trichter eingeatmet werden, das „wende den dürren Husten und die Engbrüstigkeit“. Damals war bekannt: Huflattichblätter, in der Pfeife geraucht oder auf glühenden Kohlen verbrannt und der Rauch inhaliert, wirken schleim- und krampflösend. Statt Huflattich als Hustentee zuzubereiten, empfahl im Mittelalter der Kräuterarzt Mattioli, „seyend aber unsere Tabakpfeifen bequemer dazu“.

Botanisches

Huflattich gehört zur Familie der Korbblütler (Asteraceae) und bevorzugt lehmigen und sandigen Boden. Man findet ihn häufig an steinigen Böschungen, Wegrändern, Kiesgruben und Schuttplätzen. Bald nach der Schneeschmelze treiben aus dem Wurzelstock die grob geschuppten, 10 cm langen Stängel mit leuchtend gelben, wunderbar nach Honig duftenden Blütensonnen – das muss man einmal gerochen haben! Sie suchen die Sonne und schließen sich, wenn es Nacht wird oder bei schlechtem Wetter. Nach der Befruchtung entwickelt sich ein kugelrundwolliger Haarschopf mit löwenzahnsamenähnlichen Früchten. Im April erscheinen die hufeisenförmigen Blätter, zu Beginn beiderseits weißwolligfilzig behaart, mit einer mehligweißen, dünnen Schutzhaut, die sich bei ausgewachsenen Blättern auf der Blattoberseite mit der Zeit vollständig zurückbildet. Es entsteht eine Oberfläche, die sich so weich und angenehm anfühlt wie Nappaleder! Daran sind Huflattichblätter zu erkennen und vom ähnlich aussehenden Pestwurzblatt gut zu unterscheiden, das sich viel rauer anfühlt.

Anbau und Ernte

Der Anbau ist nicht üblich, sammeln Sie stattdessen die Pflanze in der freien Natur: Ernten Sie die Blütenköpfchen bei schönem Wetter und trocknen Sie sie gut ausgebreitet auf einem flachen Körbchen. Heutzutage werden die Blüten aufgrund ihres hohen (leberschädigenden) Pyrrolizidingehaltes medizinisch nicht mehr verwendet; für köstliche Wildkräutergerichte und die äußerliche Anwendung in der Kosmetik ist ein kleiner Vorrat jedoch durchaus empfehlenswert. Für Ihre Hausapotheke ernten Sie ab April die jüngeren sauberen Blätter bis Handtellergroße, und legen sie einzeln aus (wegen ihres hohen Schleimgehaltes nicht waschen!). Sorgen Sie dafür, dass die Blätter rasch trocknen können und bewahren Sie sie anschließend luftdicht auf, denn aufgrund des Schleimgehalts der Pflanze neigen Blüten und Blätter leicht zum Schimmeln.

Wirkungen

Durch das Zusammenspiel seiner unterschiedlichen Wirkstoffe ist Huflattich eine ausgezeichnete Heilpflanze: Er wirkt reizmildernd auf die Bronchialwege, weil die enthaltenen Schleimstoffe einen dünnen Schutzfilm über die gereizten Schleimhäute legen und dadurch Hustenreiz und Schmerz lindern. So kann die Entzündung besser abheilen, das kann man auch äußerlich bei Wundauflagen beobachten. Außerdem wirken Huflattichblätter schleimverflüssigend, auswurffördernd und keimhemmend, das macht sie bei verschleimter Bronchitis so wirkungsvoll. Durch seinen Anteil an Kiesel säure und Gerbstoffen werden die Schleimhäute gefestigt und gestärkt, das ist besonders bei der Ausheilung chronischer Bronchialleiden wichtig. Der hohe Salpetergehalt senkt die Krampfbereitschaft der Bronchien und löst den zähen Hustenschleim. Die ebenfalls enthaltenen Bitterstoffe kräftigen den Körper und unterstützen zusätzlich die Heilung durch die Anregung der körpereigenen Abwehrkräfte.

Äußerlich angewendet fördert Huflattich die Wundheilung und wirkt durch seinen hohen Schwefelgehalt antiseptisch, entzündungshemmend und klärend auf die Haut; bei Akne drosselt er die übermäßige Fettproduktion.

Medizinische Anwendung: Farfarae folium

Inhaltsstoffe: Schleim, Inulin, Gerbstoffe, Bitterstoffe, Flavonoide, Pyrrolizidin-Alkaloide (PA, Spuren).

Anwendung, innerlich: Reizhusten, Heiserkeit, Husten, chronische Lungenleiden und Bronchitiden, z. B. bei Lungenüberblähung (Lungenemphysem) oder Quarzstaublunge (Silikose), Entzündungen der Mund- und Rachenschleimhaut.

Kommission E: Akute Katarrhe der Luftwege mit Husten und Heiserkeit; akute, leichte Entzündungen der Mund- und Rachenschleimhaut.

Tagesdosis: 4,5-6 g Blätter.

Nebenwirkungen: Nicht bekannt.
Gegenanzeigen: Pyrrolizidin-Alkaloide (PA) sind in größeren Mengen und über einen längeren Zeitraum innerlich eingenommen leberschädlich. Des-halb nur begrenzt, das heißt höchstens 2-mal im Jahr jeweils 3 Wochen lang einnehmen, und zwar nur die Blätter; die Blüten enthalten sehr viel mehr PA. Aus Vorsichtsmaßnahmen sollte Huflattich während der Schwangerschaft, in der Stillzeit und bei Kindern nicht eingesetzt werden. Spezielle Anbausorten sind PA-frei; deren Zubereitungen sind von dieser Begrenzung ausgenommen (erhältlich in der Apotheke).

Tee & mehr

Huflattichtee
1 TL (1-1,5 g) getrocknete Blätter mit 1 Tasse heißem (bei Bronchitis) oder lauwarmem Wasser (bei Reizhusten) übergießen, nach 10 Minuten (bei Bronchitis) oder nach 60 Minuten (bei Reizhusten, damit sich die Pflanzenschleime bestmöglich lösen) abgießen. 3-mal täglich 1 Tasse mit Honig gesüßt trinken, und zwar schluckweise, damit die Schleimhaut immer wieder vom Pflanzenschleim benetzt wird; maximal 4-6 Wochen pro Jahr. Das unterdrückt quälend trockenen Reizhusten und lindert den Hustenreiz, weil er sich wie ein Wundpflaster über die entzündete schmerzende Schleimhautoberfläche legt und die Krankheitssymptomatik dadurch mildert. Die Pflanzenschleime fördern auch das Abhusten durch Verflüssigung des Bronchialschleims; vor allem das morgendliche Abhusten wird erleichtert, wenn Sie 1 Tasse Huflattichtee mit Honig möglichst noch im Bett trinken.

Tee zur äußeren Anwendung
Äußerlich angewendet ist Huflattichtee ein bewährtes Kosmetikum: Er strafft und klärt die Haut und wirkt Entzündungen entgegen. Bei Akne wirkt er antiseptisch. Nehmen Sie dazu den frisch zubereiteten Tee als Gesichtswasser. In Huflattichblättertee getränkte Kompressen können Sie bei Entzündungen oder schlecht heilenden Wunden auflegen.

Teemischungen
Asthma-Begleittee
(Aufguss)
Je 15 g Huflattichblätter, Thymiankraut, Weißdornblüten und -blätter, Süßholzwurzel, Fenchelfrüchte, Löwenzahnkraut und Melissenblätter. 10 Minuten ziehen lassen. Als stärkende Kur (unabhängig von Asthmaanfällen) 6 Wochen lang 3-mal täglich 1 Tasse trinken.

Brusttee bei trockenen Schleimhäuten (Kaltauszug)
40 g Huflattichblätter mit je 15 g Anisfrüchten, Süßholzwurzel, Isländisch Moos und Eibischwurzel.
1 Stunde ziehen lassen. 1 Woche lang 3-mal täglich 1 Tasse trinken.

Weitere Zubereitungen
Huflattichdeodorant

30 g getrocknete Huflattichblüten und -stängel in eine Porzellanschale geben, mit V41 kochendem Obstessig übergießen, abkühlen lassen, in eine Sprühflasche abfiltern und mit 250 ml Hamamelis- oder Rosenwasser (Apotheke) auffüllen. Huflattichessig neutralisiert den Schweißgeruch, aber er behindert nicht die natürliche Schweißabsonderung des Körpers.

Huflattichgesichtswasser
Ein Weißglas mit Huflattichblüten füllen und bis an den Rand mit Alkohol (40%) übergießen. Nach 3 Wochen abgießen und mit der gleichen Menge Rosenwasser mischen. Das Gesichtswasser eignet sich gut zur Pflege unreiner, fettender, entzündeter Haut.

Huflattichsalz
Getrocknete Huflattichblätter in einem hitzebeständigen Gefäß verbrennen; dabei bleiben die Mineralien (reichlich Kieselsäure, Eisen, Kalium) in der Asche erhalten und werden als Salzersatz verwendet (am besten 1:3 mit Salz mischen) – das haben schon die Indianer getan.

Huflattichhaarspülung
3 TL Huflattichblüten und -blätter mit 1 Tasse kochendem Wasser überbrühen, 10 Minuten ziehen und abkühlen lassen. Nach der Haarwäsche in die Kopfhaut einmassieren, ohne auszuspülen. Der schwefelhaltige Huflattich reguliert die Talgdrüsenproduktion und hemmt Entzündungen bei Haarausfall, fettigem Haar und Schuppen in Folge einer Talgdrüsenüberproduktion.

Kräuterzigaretten
Für die, die es – noch – nicht lassen können: Sammeln Sie „Hustenkräuter“, lassen Sie sie gut durchtrocknen und zerkleinern Sie die Kräuter gut, aber nicht zu klein -ähnlich wie Tabak. Folgende Mischung hat sich bewährt: Je 2 Teile Huflattich und Spitz-Wegerich, je 1 Teil Minze, Salbei, Waldmeister und Thymian, ½ Teil Süßholz und 1/3 Teil „Hustenblüten“ (Huflattich, Veilchen, Schlüsselblumen, Gundermann, Thymian, Gänseblümchen). Drehen Sie sich daraus Ihre eigenen „Kräuterzigaretten“ und genießen Sie den besonders würzigen Geschmack.

Huflattichblütensoße
1 kleine Handvoll Huflattichblüten klein schneiden, mit 2 EL Zucker bestreuen und mehrere Stunden in ½ Weißwein einlegen. 1 EL Grieß in ½ 1 heißem Wasser anrühren und 2 EL Zitronensaft zufügen. Den Blütenwein samt Blüten langsam unterrühren und die Soße kalt stellen. Eine wunderbare Beigabe zu Desserts aller Art.

Huflattich-Dolmades
Kochen Sie Reis und würzen Sie ihn mit Salz, Knoblauch, Thymian, Pinienkernen und Zitronensaft. Blanchieren Sie schöne, mittelgroße Huflattichblätter ohne Stiele und legen Sie danach die Blätter mit der filzigen Seite nach oben. Geben Sie nun pro Blatt jeweils 1 EL der Reismischung darauf, rollen Sie jedes Blatt zu einem Päckchen ein und setzen Sie diese dicht an dicht in eine mit Olivenöl gefettete Auflaufform. 20 Minuten bei 150°C dünsten lassen. Dieses Gericht schmeckt auch kalt fein, und noch besser, wenn Sie Zitronensaft mit Olivenöl emulgiert darüber träufeln.

Altes Wissen

Bis zum Zweiten Weltkrieg diente Huflattich als Tabakersatz, und auch der Schweizer Kräuterpfarrer Künzle (1857-1945) stellte einen Asthmatabak aus Huflattich, Spitz-Wegerich, Minze und Wald-meister für die Pfeife zusammen. Der Kenner mag entscheiden, wie so ein Heilkrautpfeifchen schmeckt: Frisch gesammelte Huflattichblätter in einen Steinguttopf schichten, mit Weinbrand übergießen, bis alle bedeckt sind, mit einem Stein beschweren und das Gefäß mit Butterbrotpapier verschließen. Nach 6 Wochen die Blätter gründlich auspressen (Nudelholz), in dünne Streifchen schneiden und diese anschließend rasch durchtrocknen, bis sie die Konsistenz und den wunderbar runden „Geschmack“ von richtigem Tabak haben. Dieser Tabakersatz hilft, die durch das Rauchen beschädigten Schleimhäute der Atemwege zu regenerieren und Schadstoffe leichter aus der Lunge auszustoßen.

Comment:

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.