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Ingwer

Von: Ursel Bühring 28/12/2017
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Geschichte

Ingwer kommt direkt aus dem irdischen Garten Eden, so berichten alte Schriften aus dem Orient vor 5000 Jahren. In den Märchen aus 1001 Nacht sprach man der Gewürzpflanze magische Kräfte zu; auch als Aphrodisiakum spielt sie ihre Rolle – kein Wunder bei dieser stimulierenden Wärme. Wer im klassischen Altertum mit dem exotischen, teuren Ingwer seine Mahlzeiten bereicherte, gehörte ganz sicher nicht zu den armen Leuten, denn Ingwer wurde wie Gold und Silber gehandelt. Die kostbare Knolle wird seit dem Altertum wegen ihrer Geschmacks- und Gewürzqualitäten geschätzt. Ob in chinesischen Arzneibüchern, in der altindischen ayurvedischen, griechischen und römischen Medizin, bei Hildegard von Bingen, bei Paracelsus oder in den Kräuterbüchern des 16. und 17. Jahrhunderts aufgeführtimmer galt Ingwer als etwas Besonderes.

Botanisches

Ingwer gehört zur Familie der Ingwergewächse (Zingiberaceae) und ist eine mehrjährige Pflanze mit kriechendem, knolligem Wurzelstock. Sie wird 1 m hoch, trägt schilfartig schmale Blätter und eine unscheinbare, dicke Blütenähre, die direkt aus der Wurzel heraus wächst, mit wunderschönen, weiß-gelb-roten Blüten, die Orchideenblüten ähneln. Das medizinisch verwendete Ingwerrhizom erinnert an platt gedrückte, mehrfingerige Kartoffeln.

Anbau und Ernte

Angebaut, vegetativ vermehrt und auch geerntet wird Ingwer in tropischen und subtropischen Gebieten. Manchmal aber gelingt es Gärtnerinnen mit grünem Daumen, eine Ingwerknolle im Topf zum Gedeihen zu bringen: Legen Sie das Ingwerrhizom (Bioladen) horizontal so in einen Blumentopf, dass es zur Hälfte aus der Erde herausschaut – warm und feucht halten, vielleicht haben Sie ja Glück!

Wirkungen

Die Ingwerknolle ist ein duftendes, erfrischend scharfes Gewürz, doch als Heilpflanze klingt Ingwer ungewöhnlich. Dabei ist er medizinisch überaus wirkungsvoll: Es sind seine ätherischen Öle und die bitteren Scharfstoffe, die den Ingwer zur Heilpflanze machen und Verdauungsbeschwerden, Erkältungen und rheumatische Beschwerden lindern. Sie erregen die Wärmerezeptoren in der Mundschleimhaut und rufen ein ausgeprägtes Hitzegefühl hervor.

Ingwer gilt in der ayurvedischen Medizin als die würzigscharfe Arznei schlechthin, die den Geist wach hält, die „Mitte wärmt“ und die Verdauung anregt. Die bitteren Scharfstoffe fördern die Sekretion von Speichel und Magensaft, regen den Gallenfluss, die Tätigkeit der Bauchspeicheldrüse und die Darmperistaltik an und helfen so, belastende Stoffe aus dem Körper auszuleiten. Ingwer entspannt die glatte Muskulatur des Verdauungstraktes und wirkt auf diese Weise Reizungen und Krämpfen entgegen. Er verstärkt die Durchblutung des Magens und fördert dadurch die Verdauung und die Aufnahme wichtiger Stoffe aus der Nahrung, beseitigt Blähungen und löst Krämpfe. Durch seine antiseptisch (d. h. gegen Bakterien, Viren und Pilze) wirkenden Scharfstoffe und ätherischen Öle kann man ihn auch bei Infektionen des Magen-Darm-Trakts anwenden. Menschen, die einen schwachen oder nervösen Magen haben, die leicht gebläht sind und denen nichts richtig schmeckt, können sich mit würzendem Ingwer eine wohlschmeckende Verdauungshilfe holen: Einfach die Speisen regelmäßig mit frisch geriebenem Ingwer würzen, das ist auch bei einem Magengeschwür erlaubt.

Vor allem aber ist Ingwer das wichtigste Mittel gegen die „Reisekrankheit“, die mit Schwindel, Übelkeit, Erbrechen und Schweißausbrüchen einhergeht; das wussten schon die alten Seefahrer, die Ingwer gegen die Seekrankheit kauten. Der Vorteil von Ingwer gegenüber anderen Medikamenten gegen Reiseübelkeit ist, dass er nicht müde macht, denn er wirkt direkt auf das Verdauungssystem. Zingiber hat sich auch bewährt bei Übelkeit und Erbrechen nach einer Operation, wenn Narkosemittel schlecht vertragen werden. In Malaysia reibt man sich bei Übelkeit, Schwindel und Kopfweh Stirn und Nacken mit einer frisch angeschnittenen Scheibe Ingwer ein – probieren Sie es einmal aus. Im Winter ist Ingwer besonders begehrt, zum einen, weil man deftige Speisen bevorzugt, die durch Ingwer leichter verdaulich werden. Zum anderen, weil Ingwer den Körper wärmt, gegen Kälte hilft und Erkältungen vorbeugt. Er weitet die Gefäße und bringt zum Schwitzen, regt den Kreislauf und die Durchblutung an und fördert den Blutfluss zur Hautoberfläche, das ist ideal bei kalten Händen und Füßen und bei Frostbeulen. Bei Erkältungskrankheiten und Infektanfälligkeit, bei Fieber mit Schüttelfrost und Wärmebedürfnis sowie bei Krankheiten, die durch Kälte und Feuchtigkeit hervorgerufen werden, ist Ingwer das Mittel der Wahl. Denn Ingwer regt die körpereigene Immunabwehr an und ist schweißtreibend und damit fiebersenkend, da durch einen gesunden Schweißausbruch Toxine und Viren ausgeschieden werden und die Erkältung schnell auskuriert wird. Nur bei hohem Fieber Ingwer nicht anwenden, da der Kreislauf sonst zu sehr belastet wird.

Durch seine Bitterstoffe und Flavonoide senkt Ingwer den Cholesterinspiegel, stärkt das Herz, wirkt antioxidativ und damit auch der Arterienverkalkung entgegen. Außerdem wirkt Ingwer schmerzlindernd und entzündungshemmend bei rheumatischen Beschwerden. Nicht zuletzt wirkt die Ingwerknolle libidosteigernd, menstruationsauslösend und sie steigert Tonus und Muskelbewegungen des Darmes. Deshalb sollten Ingwerdosen bis zur 36. Schwangerschaftswoche die üblichen kulinarischen Mengen nicht übersteigen, um keine vorzeitigen Wehen auszulösen; auch während der Stillzeit sollte Ingwer lediglich zum Würzen verwendet werden.

Medizinische Anwendung: Zingiberis rhizoma

Inhaltsstoffe: Ätherische Öle und Scharfstoffe, Bitterstoffe, Fette, Zucker, Schleime. Anwendung, innerlich: Bewegungs- und Reisekrankheit (Schwindel, Übelkeit, Erbrechen), Übelkeit und Schwangerschaftserbrechen (nach ärztlicher Rücksprache!), postoperative Übelkeit, Verdauungsbeschwerden wie Fettverdauungsstörungen mit Appetitlosigkeit, Blähungen, Krämpfen, z.B. bei Bauchspeicheldrüsenschwäche mit zu geringer Verdauungsenzymbildung; als Begleittherapie zur Darmsanierung. Bei Erkältungen und Infektanfälligkeit, zur Abwehrsteigerung, Schmerzlinderung bei rheumatischen Beschwerden, bei Kältegefühl sowie als Kreislaufstimulans.

Äußerlich: Rheumatische Muskel- und Gelenkbeschwerden, Durchblutungsstörungen der Hände und Füße, Frostbeulen und durch Verspannung ausgelöste Kopfschmerzen.

Kommission E: Verdauungsbeschwerden. Verhütung der Symptome der Reisekrankheit.

Tagesdosis: 2-4 g Wurzel.

Nebenwirkungen: Selten Sodbrennen, Kopfschmerzen oder allergische Hautentzündung. Vor dem Schlafen eingenommen, kann es in Einzelfällen zu Veränderungen des Traummusters, bei starker Überdosierung vereinzelt zu Halluzinationen kommen.
Gegenanzeigen: Nicht anwenden bei Nierenerkrankungen und bei Kindern unter 6 Jahren. Bei bekanntem Gallensteinleiden nur nach ärztlicher Rücksprache einnehmen!

Tee & mehr

Ingwertee
½ – 1 TL (1 g; Kinder ihrem Alter entsprechend weniger) frisch zerkleinerte Ingwerwurzel oder 1/3 TL getrocknetes Ingwerpulver mit 1 Tasse heißem Wasser übergießen, bedeckt 10 Minuten ziehen lassen, abgießen. Eventuell Zitronensaft und/oder Honig dazugeben und 1-4 Tassen täglich trinken. Bei Erkältungskrankheiten und Fieber mit Wärmebedürfnis. Bei Reisekrankheit mehrere Tassen vor Reiseantritt trinken.
Ingwertee nicht bei hohem Fieber anwenden!

Seefahrers Heilmittel
Zur Verhütung von Übelkeit und Erbrechen bei einer Bus-, Auto oder Seereise 11 Ingwertee zubereiten (Rezept siehe oben) und mit Zitrone, Honig oder Apfelsaft aromatisieren. Trinken Sie 1/2 Stunde vor Beginn der Reise 2 Tassen Ingwertee und nehmen Sie den Rest mit auf die Reise. Übrigens lindern auch Ingwerbonbons, kandierter Ingwer und sogar Ginger Ale den Brechreiz, und natürlich Ingwerkapseln (Apotheke), Für Kinder eignet sich ein Riechkissen mit je 30 g Ingwer, Minze, Melisse und gestoßenem Fenchel.

Teemischungen
Anti-Erkältungstee
(Aufguss)
1/2 TL frischer Ingwer, 1 Messerspitze Kurkuma und 2 EL Zitronensaft mit 300 ml heißem Wasser übergießen und nach 5 Minuten abfiltern. 1-5 Tage lang 2-5 Tassen täglich trinken.

Kinder-Reisetee (Aufguss)
Je 1 TL Ingwer, Melissen- und Pfefferminzblätter und Kamillenblüten mit 11 heißem Wasser übergießen, nach 5 Minuten abgießen und mit 11 Apfelsaft mischen. 2 Tassen vor, den Rest während der Reise trinken.

Tee gegen Schwangerschaftserbrechen (Aufguss)
Je 25 g Melissen- und Pfefferminzblätter, Kamillenblüten und 15 g Artischockenblätter. Pro Tasse 1 TL der Mischung mit einem 5 Cent großen, frischen Stück Ingwer zubereiten. 7 Minuten ziehen lassen. Bei Bedarf 1-3 Tassen täglich trinken.

Wärmender Wintertee
2 TL frisch geriebenen Ingwer mit 4 Kardamomschoten, 3 Gewürz nelken, 1 Zimtstange (frisch zerstoßen) und 11 Wasser aufkochen und 15 Minuten köcheln lassen. Fügen Sie nach Belieben Milch und Honig zu und trinken Sie den Tee an kalten Wintertagen, das speichert Wärme und belebt den Geist.

Weitere Zubereitungen
Ingweröl

Reiben Sie frischen Ingwer und pressen Sie den Saft durch ein Mulltuch aus. Mischen Sie 1 Teil Ingwersaft mit 5 Teilen Sesamöl. Massieren Sie dieses wärmende, durchblutungsfördernde Öl sanft ein, so lindert es Schmerzen bei rheumatischen Muskel- und Gelenkbeschwerden, Nackensteifigkeit und durch Verspannung ausgelöste Kopfschmerzen.

Ingwerfluid
Mischen Sie 6 Teile dünnflüssigen Honig mit 2 Teilen klein geschnittenem Ingwer und je 1 Teil klein geschnittener Zitronenschale und Melissenblättern. Geben Sie etwas Zitronensaft (als Antioxidans) dazu, lassen Sie die Mischung 3 Wochen stehen und gießen Sie anschließend in kleine dunkle Fläschchen ab. Nehmen Sie dieses Fluid teelöffelweise ein, entweder pur, im Tee oder im Dessert – das schmeckt, wärmt und vertreibt die Erkältung.

Wenn Sie den Pressrückstand mit Weißwein aufgießen und etwa 2 Wochen stehen lassen, bis sich die Flüssigkeit geklärt hat, ergibt das einen feurigen guten Ingwerwein.

Ingweraperitif
1/2 l Apfelsaft, 1 EL Ingwerwurzel (ganz klein geschnitten), 1 TL Pimentkörner, 1 Zimtstange, 5 Gewürznelken und 180 g Zucker zusammen in einem Topf zum Köcheln bringen, 20 Minuten sieden, danach vom Feuer nehmen und abkühlen lassen. Mitsamt den Gewürzen in eine Flasche abgießen, 1/2 l Korn (32%). Portwein oder Sherry hinzufügen, die Flasche gut verschließen und 1 Woche lang bei Zimmertemperatur ziehen lassen. Das ist an kalten Winterabenden ein wunderbarer Aperitif, der warm macht, verdauen hilft und gesund hält.

Ein paar Küchentipps
Ingwer kann als Gewürz Speisen und Getränken einen unnachahmlichen, aromatischen Geschmack verleihen, zum Beispiel bei Fleisch, Fisch, Gemüse, Nachspeisen oder Getränken. Frischer Ingwer verströmt ein warmwürziges Aroma, er schmeckt aromatisch scharf mit blumigzitronigem, bitterem Beigeschmack. Übrigens ist frischer Ingwer am mildesten und am besten. Die wirksamen ätherischen Öle sitzen direkt unter der Schale, deshalb sollte man Ingwer nur ganz dünn oder am besten gar nicht schälen (Bioware). Würzen Sie Ihre Speisen einfach kurz vor dem Verzehr mit frischem Ingwer. Pulverisierter Ingwer eignet sich allenfalls zum Würzen, enthält aber wenig Heilkraft.

Neues Wissen

Viele Anwendungsgebiete, wie Seekrankheit, Übelkeit nach Operationen, Verdauungs- und rheumatische Beschwerden oder Migräne, wurden in Studien untersucht, und der Einsatz von Ingwer als positiv bewertet. Weitere mögliche Einsatzgebiete, wie die Prävention von Leberschäden oder die Behandlung von Depressionen, werden derzeit diskutiert – das Potenzial von Ingwer für die moderne Phytotherapie scheint noch lange nicht ausgeschöpft zu sein.

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