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Knoblauch

Von: Ursel Bühring 30/12/2017
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Geschichte

Liebespaare, ganze Nationen und auch die Geister scheiden sich an dieser kleinen weißen Zehe: Während die Einen ihr von Herzen zugetan sind, meiden die Anderen den „Knofi“ wie der Teufel das Weihwasser. Im alten Rom galten die Laucharten, insbesondere Knoblauch, als „nicht salonfähig und nur gut für die Armen“. So ist es zu verstehen, dass (lat.) „Alliatus“ in der Übersetzung „Knoblauchesser“ und zugleich „armer Schlucker“ bedeutet. In Boccaccios Novellensammlung „Decamerone“ (14. Jh. n. Chr.) wurde der Knoblauch jedoch besonders gewürdigt. Hier bringt ein Jüngling seiner Angebeteten eine Knoblauch knolle und – sie erhört ihn. „So wahr mir Lauch helfe!“ – dieser jahrtausendealte Schwur kündet von der einst göttlichen Verehrung des Knoblauchs.

Das Liliengewächs ist eine der ältesten Kulturpflanzen und war schon 3000 Jahre v. Chr. als Nahrungs- und Heilmittel bekannt. Im 1600 Jahre alten „Papyrus Ebers“ (einer Schriftrolle aus ägyptischen Königsgräbem) wird berichtet, dass die Arbeiter beim Bau der Pyramiden streikten, weil ihnen für ihre tägliche Ernährung zu wenig Knoblauch „ausbezahlt“ wurde. Für Heilzwecke wurde Allium sativum schon von Mohammed, Hippokrates, Plinius und Dioskurides empfohlen, gegen verschleimte Bronchien, Gelbsucht, Eingeweidewürmer und Schlangenbisse, als Mittel gegen das Altem und als universaler Kraftspender. Im Mittelalter blieb so mancher Knoblauchesser von der Pest verschont. Kräuterpfarrer Künzle war ein begeisterter Knoblauchanhänger und empfahl diverse Mittel, um den Geruch zu übertönen, damit die Leute das Knoblauchessen nicht aus diesem Gmnde unterließen: das Kauen von Petersilie, Pfefferminze oder Thymian, gerösteten Kaffeebohnen oder Gewürznelken, oder sie sollten ein Glas Rotwein, Milch oder Zitronensaft trinken.

Der Name „Knoblauch“ entstammt dem althochdeutschen Wort „clofolau“, abgeleitet von „clobo“ (= kleben, spalten) und bezieht sich auf die wie gespalten aussehenden Knoblauchzehen.

Botanisches

Die Heimat des Knoblauchs liegt in der kirgisischen Steppe. Von dort brachten Dschingis Khan und seine wilden Horden, die Helme in Knoblauchform trugen, das Zwiebelgewächs (Alliaceae) über Zentralasien ins östliche Europa.

Die länglicheiförmige Knoblauchzwiebel setzt sich aus 6-15 Teilzwiebeln zusammen, den „Zehen“, von der jede aus einem röhrenförmigen, fleischig verdickten Blatt besteht, das von einer trockenen Zwiebelhaut umhüllt ist. Die Hauptzwiebel ist von zahlreichen Tochter- und Nebenzwiebeln umgeben, jeweils von weißlichen, trockenhäutigen Blättern umschlossen. Das Kraut wird bis 70 cm hoch, mit aufrechten, stielrund kahlen Stängeln. Die hübsche Blutendolde, im Knospenalter von einer langen, zugespitzten weißen Blutenscheide umhüllt, trägt im Juli und August zarte kleine Sternenblüten mit je 6 weißlichen Blütenblättern. Oft verbleiben aber die Blüten im Knospenstadium und meist bleiben sie steril. Sie tragen 25-30 eirunde Brutzwiebelchen, die neben den Blüten im Blutenstand stehen und für die Vermehrung verantwortlich sind.

Anbau und Ernte

Heute baut man diese alte Gemüse- und Arzneipflanze in allen warmen Klimazonen der Welt an; am besten gedeiht sie dort, wo es warm ist, zum Beispiel im Mittelmeerraum. Knoblauch liebt leichten und nährstoffreichen Boden und bildet, wenn er unter reichlich Sonne aufwachsen kann, ausreichend ätherische Öle.

Besorgen Sie sich Knoblauch bei Ihrem Gartennachbar oder im Bioladen; schauen Sie nach Sorten mit leicht rötlicher Färbung, die sind erfahrungsgemäß robuster. Pflanzzeit ist September bis Anfang Oktober. Zu diesem Zeitpunkt stecken Sie die winterharten Zehen 7-8 cm tief, mit ihrer Spitze nach oben, in die Erde.

Lassen Sie den Knoblauch im Beet nicht zu sehr von anderen Grünpflanzen überwuchern, ansonsten können Sie ihn einfach wachsen lassen – er ist eine dankbare Pflanze ! Mästen Sie ihn keineswegs mit gut gemeinten Düngegaben und gießen Sie nur bei sehr heißen Temperaturen, er fault sonst leicht. Auch verregnete Sommer oder Staunässe verträgt er nicht – je mehr Sonne, desto mehr „knofelt“ es.

Ende Juli/ Anfang August ist Erntezeit. Spätestens dann, wenn zwei Drittel der Blätter vertrocknet
sind, holen Sie die Knollen mit einer Grabgabel aus der Erde. Reiben Sie die Erde ab und hängen Sie die Knollen zum Trocknen an einem überdachten Platz auf. Dabei verliert der Knoblauch ein Drittel seines Gewichts und zieht das Laub ein. Nach dem Trocknen lagern Sie ihn 2- bis 3 Tägig in einer trockenen Kiste an einem kühlen Ort.

In Mischkulturen bei einem Pflanzabstand von 20-30 cm zwischen Erdbeeren gepflanzt, verbessert Knoblauch das Aroma der süßen Früchtchen und profitiert seinerseits von der organischen Düngung der Erdbeeren – das ist Freundschaft!

Wirkungen

Knoblauch wird vorbeugend und therapeutisch eingesetzt, er besitzt sehr unterschiedliche und weit reichende Eigenschaften und gilt allerorten als „Wunderknolle“.

Er verzögert altersbedingte Gefäßveränderungen, indem er die Fließeigenschaften des Blutes verbessert und der Zusammenballung von Blutplättchen entgegen wirkt (im Fachjargon spricht man von thrombozytenaggregationshemmender Eigenschaft). Das heißt, die Arterien von Knoblauchliebhabem „verkalken“ langsamer. Knoblauch verlängert die Blutungs- und Gerinnungszeit, das macht sich bei Patienten mit arteriellen Durchblutungsstörungen positiv bemerkbar. Zudem senkt Knoblauch einen erhöhten Blutfettspiegel um 15-20% und weitet zusätzlich die Gefäße (das heißt, er wirkt vasodilatativ). Dadurch sinkt der Blutdruck.

Knoblauch gilt mit seinen natürlichen Antioxidanzien als wichtiger Radikalfänger. Gegen freie Radikale wirksam sind Flavonoide, Vitamin C, Vitamin E, Beta-Carotin und Selen. Zugleich wird durch die antioxidativen Eigenschaften die Ablagerung von Cholesterol an die Innenwände der Gefäßzellen gehemmt – das macht ihn wirksam gegen Arteriosklerose. Knoblauch wirkt deshalb dem Alterungsprozess mit seinen typischen Erscheinungen wie Arteriosklerose, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Autoimmun- oder Augenerkrankungen entgegen und entfaltet eine günstige Auswirkung auf die Lebensdauer – also eine richtige „Anti-Aging-Wunderknolle“. Knoblauch besitzt außerdem ausgeprägte entzündungs- und keimhemmende Eigenschaften, er wirkt gegen Bakterien, Viren und Pilze (vor allem gegen den Candda- Pilz). Allizin hemmt noch in einer Verdünnung von 1:125 000 das Wachstum verschiedener krankheitserregender Bakterien, beispielsweise von Staphylokokken und Salmonellen; er hemmt aber auch die Vermehrung von Würmern und Maden. Man vergleicht deshalb die Wirkung von Knob lauch mit der von Penizillin; zwar ist die Wirkung schwächer, aber die Erreger bilden keine Resistenzen. Auch gegen Grippeviren hat sich Knoblauch als hilfreich erwiesen: Er soll mit 99%-iger Sicherheit bestimmte Grippe- und Schnupfenviren abtöten. Zudem stimuliert Knoblauch das Immunsystem und begünstigt die vermehrte Bildung von Abwehrstoffen, auch gegen Tumorzellen. Knoblauch verbessert die Darm Hora, hemmt unnatürliche Gärungsprozesse und wirkt sich bei einer gestörten Darmflora günstig aus: Fremde Keime werden unterdrückt und die physiologischen Colibakterien gestärkt. Außerdem unterstützt er die Entgiftung bei Schwermetallvergiftungen mit Blei, Kadmium oder Quecksilber (mit der täglichen Einnahme von 4 g frischem Knoblauch können Sie einen Entgiftungseffekt erzielen). Aufgrund seines Vitaminreichtums wird Knoblauch auch bei chronischer Nikotinvergiftung und bei Parodontose eingesetzt.

HinweiseFrischer Knoblauch schmeckt milder und wirkt intensiver. Einlegen in Essig steigert die antibakteriellen Wirkung, langes, Kochen verhindert sie. Einlegen in Alkohol verstärkt die Wirkung gegen Thrombose.

Medizinische Anwendung: Allii sativi bulbus

Inhaltsstoffe: Schwefelhaltiges Allizin, Schleimstoffe, Phytohormone, Flavonoide, Kohlenhydrate, Saponine, Vitamine A, B und C, Coenzym Q 10, Adenosin, antibiotisch wirkendes Garlizin, Mineralstoffe (Kalium, Natrium, Magnesium, Eisen, Kalzium), Spurenelemente (Phosphor, Mangan, Jod, Zink, Aluminium, Bor, Kupfer, Molybdän, Lithium, Germanium, Selen) sowie Enzyme. Der Hauptwirkstoff ist das Alliin (Aminosäure) mit 0,1-1,5%, das sich bei der geringsten Verletzung mit dem Enzym Alliinase zu Allizin verbindet, dann erst seinen arteigenen Geruch entfaltet und auch so erst wirksam ist (deshalb lassen sich die wirksamen Schwefelverbindungen durch Zerquetschen besser aufschließen als durch Zerschneiden).

Anwendung, innerlich: Zur begleitenden Behandlung bei Bluthochdruck und erhöhten Blutfettwerten, zur Vorbeugung altersbedingter Gefäßerkrankungen und Herz-Kreislauf-Erkrankungen, arterieller Verschlusskrankheit und altersbedingten Augenerkrankungen. Bei Darmpilzerkrankung, Verdauungsstörungen, Nachbehandlung bei infektiösem Darmkatarrh, Erkältungskrankheiten.

Kommission E: Begleitmittel bei Erhöhung der Blutfettwerte und zur Vorbeugung altersbedingter Gefäßerkrankungen.

Tagesdosis: 4 g (etwa 1-2 kleine Zehen) frische Knoblauchzwiebel, als Einzelgabe 1 g bzw. 900 mg getrocknetes Knoblauchpulver (eine genügend hohe Dosis ist die Voraussetzung für eine entsprechende Wirkung). Zur Vorbeugung sollten Sie eine Intervallbehandlung von je 3 Monaten Einnahme und 3 Monaten Pause durchführen.

Nebenwirkungen: Selten Magen-Darm-Beschwer den, Blutdrucksenkung, allergische Reaktionen (Kontaktdermitis bzw. allergische Reaktionen der Atemwege). Bei Überdosierung kann Knoblauch die Nieren schädigen oder auch zu Darmblutungen führen.

Gegenanzeigen: Nicht bekannt. In letzter Zeit werden Knoblauchpräparate vorsichtshalber wegen ihren gering blutgerinnungshemmenden Eigenschaften vor chirurgischen Eingriffen und Zahnextraktionen abgesetzt. Bei kleineren Verletzungen hat die geringfügige Verlängerung der Blutungszeit keine Relevanz.

Zubereitungen

Hausrezept gegen Grippe
Ein kleines Stückchen Brot mit Butter und Honig bestreichen, dick Thymian darüber streuen und ½ klein gehackte Knoblauchzehe darauf legen. 3-mal täglich ein Brotstückchen essen.

Hustenmittel
5 zerdrückte Knoblauchzehen mit 5 TL Honig in ¼ 1 lauwarmem Wasser lösen, 10 Minuten ziehen lassen, abgießen. 1-2 Wochen lang 3-mal täglich teelöffelweise einnehmen.

Gemüsesuppe gegen Erkältung und Husten
800 ml Gemüsebrühe, 15 geschälte Knoblauchzehen, etwas Petersilie, Koriander, Minzblätter, Basilikum und Curry in einen Topf ohne Deckel geben, evtl. Karotten zufügen und 30 Minuten köcheln lassen; durchsieben oder pürieren. Vor dem Mittag- und Abendessen je eine Tasse trinken. Die Dämpfe der köchelnden Suppe können Sie schon während der Zubereitung inhalieren.

„Magisches tibetanisches Präparat“
350 g Knoblauch zerstoßen und mit ¼ 1 Branntwein in ein Glas geben.
10 Tage lang im Kühlschrank aufbewahren, dann abfiltern und weitere 2 Tage im Kühlschrank aufbewahren. Danach in ein Pipettenfläschchen füllen (Apotheke). Die fertige Arznei nehmen Sie 3-mal täglich tropfenweise mit etwas Wasser oder Milch ein. Die Tropfenanzahl steigt von der 1. bis zur 18. Einnahme (am 6. Tag) jeweils um einen Tropfen mehr an: 1. Tag: morgens 1, mittags 2, abends 3 Tropfen; 2. Tag: morgens 4, mittags 5 Tropfen usw., bis zum 6. Tag abends mit 18 Tropfen. Danach wird die Tropfenzahl wieder um jeweils 1 Tropfen reduziert (bis zum 10. Tag abends: 1 Tropfen). Ab dem 11.Tag 3-mal täglich 25 Tropfen einnehmen, bis die Flasche leer ist. Das verbessert den Stoffwechsel und beugt der Arteriosklerose und ihren Begleiterscheinungen vor. Sie können die Tinktur auch äußerlich anwenden: auf Hautpilze oder Warzen auftupfen.

Neues Wissen

In Studien zur blutdrucksenkenden Wirkung von Knoblauchpräparaten konnte eine Blutdrucksenkung von bis zu 16% beobachtet werden. Die Therapiedauer in den Studien betrug zwischen 28 und 120 Tagen bei einer täglichen Einnahme von 600-900 mg Knoblauchpulver.

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