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Königskerze

Von: Ursel Bühring 31/12/2017
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Geschichte

Das samtig schillernde Blütengelb der Königskerzen in Händen zu halten ist wie „Sonne sammeln“ – ein warmes Wohlgefühl, erhellend für die Seele. Hildegard von Bingen empfahl die sonneiigleichen Blüten gegen Schwermütigkeit: „Wer ein schwaches und trauriges Herz hat, sollte sie essen, dann wird sein Herz gekräftigt und freudig werden, und wer in der Kehle heiser ist und Schmerzen in der Brust hat, koche Königskerze und Fenchel in gutem Wein und trinke es oft, er wird die Stimme wieder erlangen und heilt die Brust“. Es ist immer wieder beeindruckend, wie sich die Erfahrungen unserer Vorfahren im Nachhinein mit den heutigen wissenschaftlichen Erkenntnissen decken. Bereits in der griechischen Antike wurden die Blüten der Königskerze gegen chronischen Husten verwendet; Dioskurides nahm auch die Wurzeln und Blätter zur Behandlung von Durchfällen, Augenentzündungen und bei Wunden.

Im Mittelalter tauchte man den stattlichen Fruchtstand der Königskerze in Pech oder Teer und verwendete ihn als Fackel, daher der Name „Königskerze“. Man nannte Verbascum auch „herba lucernaria“ (= Lampenkraut), Himmelbrand, Fackelkraut oder Wollblume. Auch „Phlomos“ (griech. = Flamme) wurde sie genannt, weil man damals aus den getrockneten wolligen Blättern schmale Streifen schnitt und sie zu Lampendochten drehte; der Flaum der feinen Härchen brannte zudem als leichtentzündlicher Zunder. In der Tierheilkunde verfütterten die Bauern „Wollblumenblätter“, wenn das Vieh an „Lungenhusten“ erkrankt war. Darum nennt man die Pflanze in England noch heute mancherorts „Bullen-Lungenkraut“.

Botanisches

Die Königskerze wird ihrem Namen gerecht: Königlich erhaben steht sie an sonnigen Böschungen, Bahndämmen und auf Schuttplätzen. Sie liebt basische, steinige Böden und ist als typischer Kulturbegleiter in Bauern- und Klostergärten zu bewundern. Beheimatet ist sie in Mittel-, Ost- und Südeuropa, in Kleinasien, Nordafrika und Äthiopien.

Verbascum gehört zur Familie der Braunwurzgewächse (Scrophulariaceae) und ist eine zweijährige Pflanze.
Aus ihrer spindelförmigen Wurzel entwickelt sich im ersten Jahr eine grundständige Blattrosette mit bis zu 50 cm großen, weißfilzig behaarten Blättern. „Wollkraut“ oder „Wollblume“ wird die Königskerze aufgrund ihres dichten „Wollpullovers“ genannt, den sie über ihre großen, schleim-haltigen Blätter gestreift hat – so schützt sie sich vor Schneckenbefall und vor zu starker Verdunstung an heißen, trockenen Standorten. Im zweiten Jahr schiebt sich aus der Blattrosette der bis 2 m hohe Blütenstängel kerzengerade himmelwärts.

Von Juli bis Anfang September erfreuen die Blüten das Auge der Bewunderer mit sonnigem Gelb.
Sie duften zart, wie gelbe Rosen an einem warmen Sommermorgen, und blühen über einen Zeitraum von 3-8 Wochen. Aber nicht alle Blüten blühen gleichzeitig: Tag für Tag öffnen sich gegen 9 Uhr ein paar der verwachsenen Kronblüten, zunächst die unteren, dann wandert das Gelb hinauf bis zur obersten Kerzenspitze. Bald nach der Bestäubung, spätestens am Nachmittag, fallen diese Blüten dann ab. In den Blüten leuchten die Staubgefäße mit orangefarbenem Nektar und locken Bienen an. Genaue Beobachter können bei drei der fünf Staubgefäße einen wollenen Pelz erkennen, einem Bärtchen gleich, auf das sich der Gattungsname der Pflanze bezieht: Verbascum ist abgeleitet vom Lateinischen „barbascum“ bzw. „barba“ (= Bart). Der Artname thapsiforme verweist auf Pflanzen, die die Griechen zum Gelbfärben benutzten. Wird die Königskerze nach Ende der Blühphase zurück geschnitten, treiben aus den Blattachseln noch einmal neue Blütentriebe, die eine zweite Ernte zulassen. Die Frucht ist eine zweilappige, bis 1 cm lange Kapsel.

Die Großblütige Königskerze (Verbascum densiflorum) mit wohlriechenden, bis 5 cm großen Blüten und wenig behaarten Blättern wird bis zu 2 m hoch, die Kleinblütige Königskerze (V. thapsus) mit dichten, behaarten 1-2 cm großen Blüten erreicht dagegen „nur“ eine Höhe von etwa 130 cm. Die Windblumen-Königskerze (V. phlomoides) wird ebenso medizinisch verwendet, nicht aber die Schwarze Königskerze (V. nignini) mit ihren 1,5 cm kleinen Blüten und den mit violett gefärbten Haarbüschelchen überzogenen Staubgefäßen. Auch die attraktive, weißlich blühende Lichtnelken-Königskerze (V. lynchitis) mit weißwolligen Staubgefäßen verwendet man nicht zu medizinischen Zwecken.

Anbau und Ernte

Die Vermehrung der Königskerze geschieht durch Aussaat. Beachten Sie, dass Verbascum ein Lichtkeimer ist, die Pflanze volle Sonne liebt und keine Staunässe verträgt. Die Ernte der Blüten muss sehr sorgsam erfolgen, denn sie sind äußerst druckempfindlich und neigen dazu, Wasser an sich zu binden. Man zupft sie täglich an trockenen Vormittagen behutsam aus dem Kelch heraus und breitet sie gleich nach der Ernte an einem luftigen, schattigen Ort einzeln und locker auf einem Leinentuch aus. Wenden Sie die Blüten öfter ganz vorsichtig, ohne sie zu zerdrücken, sonst werden sie unansehnlich braun und unbrauchbar. Sind sie gut durchgetrocknet, bewahren Sie sie in fest verschließbaren dunklen Gläsern auf, damit sie nicht schimmeln. Eine gute Qualität und Wirkkraft erkennt man daran, dass die Blüten ihr leuchtendes Gelb behalten haben. Achten Sie auch beim Kauf auf solch gute Ware, Sie finden sie oft in gut geführten Kräuterläden oder Drogerien eher als in Apotheken.

Wirkungen

Die reizmildernden Eigenschaften der Pflanzenschleime aus der Königskerze lindern quälenden Hustenreiz und Heiserkeit und ergänzen sich hervorragend mit der auswurffördernden und sekretlösenden Wirkung der Saponine. Saponine verflüssigen den zähen Bronchialschleim und erleichtern dadurch das Abhusten. Königskerzenblütentee bewahrt die Atemwege vor dem Austrocknen, die Pflanzenschleime legen sich dabei wie ein Schutzfilm über die Schleimhäute und wehren dadurch eindringende Bakterien ab. Wenn trockene, staubige Luft, Autoabgase, Zigarettenrauch oder Ozonsmog Atembeschwerden hervorrufen, lindert der Tee das unangenehme Kratzen, das Trockenheits- und Wundgefühl im Hals. Wird eine Tinktur aus frischen Blüten angesetzt, so bleibt die keimhemmende Wirkung des Aucubins erhalten, das Bakterien wie Streptokokken und Staphylokokken am Wachstum hindert und zugleich mild fiebersenkend und beruhigend wirkt. Äußerlich werden die Blüten nur noch in der Volksmedizin eingesetzt: Als Badedroge bei Hauterkrankungen, Hämorrhoiden und Afterjucken; frisch zerrieben, um Insektenstiche zu lindern oder eingedickt mit der doppelten Menge Sonnenblumenöl als eine Art Salbe gegen Hämorrhoiden und Frostbeulen. Bekannt ist ein Ölauszug zum Einsatz bei Wunden oder Ohrenschmerzen.

Medizinische Anwendung: Verbasci flos

Inhaltsstoffe: Saponine, Schleime, Flavonoide, Iridoide (Aukubin), wenig ätherische Öle.

Anwendung, innerlich: Trockener Husten, Reizhusten (Ozonbelastung), Heiserkeit bis zum Stimmverlust, Kehlkopfkatarrh und Räuspern. Zur Förderung des Auswurfs bei chronischer Bronchitis. Aufgrund der milden Wirkung und des angenehmen Geschmacks besonders geeignet in der Kinderheilkunde.

Kommission E: Katarrhe der Luftwege.

Tagesdosis: 3-4 g getrocknete Blüten.

Nebenwirkungen/Gegenanzeigen: Nicht bekannt. Bei empfindlichen Personen Kontaktdermatitis möglich.

Tee & mehr

Königskerzentee
1 TL (0,5 g) Königskerzenblüten mit 150 ml siedendem Wasser übergießen und nach 10 bis 15 Minuten durch ein feines Teesieb oder Papierfilter abgießen, damit die feinen Härchen nicht die vorgeschädigte Rachenschleimhaut reizen. Dieser Tee bringt die auswurffördernden Eigenschaften bei verschleimtem Husten zur Wirkung. Wollen Sie die reizmildernden Pflanzenschleime der Blüten nutzen, übergießen Sie die Blüten mit kaltem Wasser, lassen Sie sie 1 1/2 Stunden ziehen und gießen Sie sie anschließend durch ein feines Teesieb ab. 1 Woche lang 2-3 Tassen pro Tag schluckweise warm trinken.

Teemischungen
Reizlindemder Hustentee (Kaltauszug)
Je 20 g Königskerzenblüten, Huflattichblätter, Malvenblüten, Spitz-Wegerichblätter und Fenchel-samen mischen. Pro Tasse 1 TL der Mischung jeweils vor der Zubereitung zerstoßen, 1 1/2 Stunde ziehen lassen, abgießen. 1 Woche lang 3-mal täglich 1 Tasse trinken.

Auswurffördemder Hustentee für Kinder (Aufguss)
Je 20 g Königskerzenblüten, Schlüsselblumenblüten mit Kelch, Gänseblümchenblüten, Thymiankraut und Anissamen mischen und vor der Zubereitung zerstoßen.
10 Minuten ziehen lassen. 3 Wochen lang 3-mal täglich 1 Tasse.

Weitere Zubereitungen Königskerzenöl
1 Handvoll frische Königskerzenblüten in ein helles Schraubglas füllen, mit 100 ml kalt gepresstem Olivenöl übergießen und gut verschlossen 3 Wochen zur Besonnung ins Freie stellen. Täglich gut durchschütteln. Anschließend durch einen feinen Filter abgießen, in eine dunkle Flasche füllen und kühl aufbewahren. Das Öl können Sie äußerlich als Umschlag bei Wunden, Ausschlägen, Neuralgien und Rheuma verwenden. In der Volksheilkunde wurden früher wenige Tropfen davon bei Ohrenschmerzen behutsam in die Ohren geträufelt. In der Kosmetik massiert man mit dem „Königsöl“ die Kopfhaut – das soll die Haare geschmeidig und kräftig machen.

Königskerzentinktur
Je 10 g Königskerzenblüten und Huflattichblätter, je 30 g Eibischwurzel und Fenchelsamen und 20 g Bibernellwurzel klein schneiden und mit 11 Korn (32%) übergießen. 3 Wochen stehen lassen, regelmäßig schütteln, danach abgießen. Bei Heiserkeit oder Kehlkopfentzündung 3-mal täglich 15 Tropfen unter der Zunge zergehen lassen.

Königliches Sorbet für heiße Sommertage
1 Handvoll Königskerzenblüten mit 160 g Zucker, 250 ml Wasser und der Schale einer unbehandelten Zitrone aufkochen, vom Herd nehmen. abkühlen lassen und dann abgießen. Den Saft einer Zitrone, 150 ml Orangensaft und 200 ml Weißwein unterrühren und ein halbfest geschlagenes Eiweiß unterheben. Im Gefrierschrank anfrieren lassen und umrühren. In Gläser füllen und mit Blüten dekorieren.

Königsbutter
1 Handvoll frische Königskerzenblüten mit 100 g weicher Butter vermengen, bis sich eine homogene Masse ergibt. Im Kühlschrank aufbewahren und bei Hustenerkrankungen unter Suppen oder Gemüse rühren. Oder auf ein Brot streichen, dieses mit Thymian überstreuen und mit Honig beträufelt genießen – ein traditioneller Hustenvertreiber, der zudem köstlich schmeckt.

Altes Wissen

Eine besondere Zierde war der Blutenstand der Königskerze im Kräuterbüschel, das damals wie heute an Maria Himmelfahrt, dem 15. August, gesammelt und geweiht wurde. Außer der medizinischen sollte er auch eine magische Bedeutung haben. Der geweihte Strauß wurde an einen besonderen Platz im Haus oder in den Stall gehängt und sollte vor bösen Mächten schützen. Bei Krankheiten, beim Herannahen eines Gewitters oder am Dreikönigstag wurde ein Teil des Straußes ins Herdfeuer geworfen, oder man räucherte damit Haus und Hof aus.

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