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Koronare Herzkrankheit: Definition, Ursachen und Diagnostik

Von: Dr., Professorin Maria Mischo-Kelling ( mehr) 29/12/2017
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Definition

Als koronare Herzkrankheit (KHK) bezeichnet man das klinische Bild einer Koronarinsuffizienz mit ihren Folgen für das Herz, d. h. ein Mißverhältnis zwischen Durchblutung und Blutbedarf (Sauerstoffbedarf) des Herzmuskels, das im schlimmsten Fall zum Herzinfarkt führt.

Epidemiologie

Die KHK ist die häufigste zum Tode führende Erkrankung in der westlichen Welt. Männer zwischen 45 und 50 Jahren erkranken wesentlich häufiger als gleichaltrige Frauen. Es konnte festgestellt werden, daß bei Patienten mit KHK bestimmte Erkrankungen bzw. Risikofaktoren gehäuft vorliegen:

=> Fettstoffwechselstörungen, insbesondere ein hoher Cholesterinspiegel (z.T. als Folge von Fehlernährung), Übergewicht

=> Nikotinabusus

=> Bluthochdruck

=> Diabetes mellitus

=> Bewegungsmangel

=> Psychische Faktoren (Persönlichkeitsstruktur, Streß)

=> Alter

=> männliches Geschlecht

=> erbliche Belastung

Ursachen und Pathogenese

Ursache der koronaren Herzkrankheit ist eine Verminderung der Blutzufuhr an den Herzmuskel, überwiegend durch arteriosklerotisch veränderte Herzkranzgefäße. Außerdem können Koronarspasmen und entzündlich veränderte Koronargefäße zu einer Minderdurchblutung führen.

Abb. 2-11. Schematische Darstellung einer gesunden und einer arteriosklerotisch veränderten Arterie.

Die Arteriosklerose (Sklerose = Verhärtung) steht ursächlich an erster Stelle; die Risikofaktoren, die zu ihrer Entstehung führen, sind mit denen der KHK identisch. Ablagerungen von Blutfetten oder ihren Abbauprodukten in der Gefäßinnenwand der Arterien führen zur Lichtungsem- engung und erschweren den freien Blutfluß. Hierdurch wird eine Reihe von Folgereaktionen ausgelöst:

=> zunehmende Lichtungseinengung bis zum Verschluß

=> momentane Verkrampfungen des befallenen Segments (Spasmen)

=> akuter Aufbruch der unter Spannung stehenden Gefäßintima (Fissuren)

=> Auflagerung von thrombotischem Material (Blutplättchen oder Fibrin)

All dies führt zum Gefäßverschluß, der jederzeit die akute Gefahr in sich birgt, daß wichtige Versorgungsbereiche von der direkten 02-Zufuhr abgeschnitten sind.

Dieser Vorgang kann sich in allen Gefäßabschnitten abspielen. Er ist ein im frühen Erwachsenenalter, manchmal sogar schon im Kindesalter beginnender Prozeß, der lange Zeit ohne Beschwerden verlaufen kann, dann jedoch relativ plötzlich zu ernsten, zum Teil tödlichen Folgeerkrankungen führt. Diese äußern sich je nach dem vorwiegend betroffenen Organ unterschiedlich:

=> beim Gehirn als Apoplex

=> beim Herzen als KHK bis hin zum Herzinfarkt

=> bei der Niere als Hochdruckkrankheit

=> an den Extremitäten als periphere arterielle Verschlußkrankheit

Da die Folgeerkrankungen der Arteriosklerose durch Beeinflussung dieser Risikofaktoren zu vermeiden sind, nimmt die Präventiv-(Vorbeuge-) Medizin dabei einen vorrangigen Platz ein. Sie steht in der Bundesrepublik zur Zeit erst in den Anfängen.

Man muß jedem im Gesundheitsbereich Tätigen, also gerade den Pflegepersonen, die Aufgabe stellen, durch informierende und vorbildhafte Beratung im Rahmen dieser Präventionsmedizin einen Beitrag zu leisten. Dies setzt die notwendigen Kenntnisse und die Bereitschaft, Vorbild zu sein, voraus.

 

Symptome und klinischer Verlauf

Man unterscheidet folgende Verlaufsformen der durch Arteriosklerose bedingten KHK:

=> Diffuse Koronarsklerose: Befall sämdicher Aste des Koronarsystems ohne sichtbare Bevorzugung spezieller Abschnitte; sie tritt besonders bei Diabetikern oder Patienten mit Bluthochdruck auf.

=> Einzelgefäßerkrankung: Bevorzugung einzelner Gefäßabschnitte oder eines einzelnen Gefäßes, bei jugendlichen Patienten häufiger.

Klinisch zeigt sich die KHK in Form folgender Erkrankungen:

=> akute, belastungsabhängige Koronarinsuffizienz (typische Angina pectoris)

=> akuter Herzinfarkt

=> Herzmuskelinsuffizienz

=> Herzrhythmusstörungen

=> plötzlicher Herztod

Der klinische Verlauf der koronaren Herzerkrankung ist schleichend und heimtückisch. Die Erkrankung verursacht jahrelang keine Symptome, so daß das Auftreten von Krankheitszeichen bereits oft mit einem fortgeschrittenen Stadium der Erkrankung gleichzusetzen ist. Die dann geäußerten Beschwerden sind allerdings typisch (Angina pectoris) und lassen oft die Anhiebsdiagnose einer koronaren Herzerkrankung zu.

Da die koronare Herzerkrankung meist ein fortgeschrittenes Stadium erreicht hat, wenn sie klinisch in Erscheinung tritt, kann sie in ihrem Fortschreiten günstigstenfalls zum Stillstand gebracht, aber nicht geheilt werden. Allerdings sprechen neuere Untersuchungen auch für eine in bestimmten Fällen (jüngere Patienten) eintretende Rückbildungsfähigkeit der Koronarsklerose.

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