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Lein (Saat – Lein, Flachs)

Von: Ursel Bühring 02/01/2018
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Geschichte

Lein, auch Flachs genannt, zählt zu den ältesten Kulturpflanzen der Welt. Im alten Ägypten wurden die zähen Fasern der Pflanze zur Herstellung von Stoffen verwendet, lange bevor die Samen als Heil- und Genussmittel bekannt waren. Lein kam in der jüngeren Steinzeit (3000 v. Chr.) in das südliche Mitteleuropa, wo man ihn seit langer Zeit als Heilmittel verwendet.

In seinem 1539 veröffenüichten „New Kreutterbuch“ schrieb Hieronymus Bock „Leinsamen zerstossen und gepulvert… miltert den husten / und bringet lust zu den natürlichen wercken. Der Leinsamen erweicht und lindert alle hitzige geschwulst…” – Empfehlungen unserer Vorfahren, die bis heute gültig sind!

Botanisches

Lein gehört zu den Leingewächsen (Linaceae). Sie gedeihen weltweit bis weit über den Polarkreis hinaus, mit Ausnahme der äquatorialen Länder. Lein ist eine einjährige, 20-70 cm hohe Pflanze mit langer, dünner, weißer Pfahlwurzel und langen, aufrechten Stängeln mit wechselständigen, schmalen Blättern. Am Ende der sich im oberen Teil in Seitenäste verzweigenden Stängel thronen die bezaubernd schönen himmelblauen Blüten. Sie blühen im Juni und Juli, sind 5-zählig und enthalten 10 Staubblätter mit blau gefärbten Staubbeuteln, die ganz zart bewimpert sind. Die Früchte sind hellbraune, erbsengroße, kugelige Kapseln, die bis zu 10 Samen enthalten.

Anbau und Ernte

Lein wird heutzutage weltweit angebaut. Streuen Sie einfach die Samen über ein Stückchen freie Erde, halten Sie sie gut feucht, und in zwei Monaten blüht es schon himmelblau! Einen Monat später hat sich die ganze Pflanze bräunlich verfärbt, und aus den blauen Blüten sind goldene Kügelchen geworden, gefüllt mit kostbaren Leinsamen.

Die Gewinnung der reifen Samen erfolgt im August durch Ausklopfen (Dreschen) der Kapseln. Legen Sie die Samen in eine flache Schale zum Durchtrocknen und bewahren Sie sie gut gegen Feuchtigkeit geschützt auf. Sobald Leinsamen Feuchtigkeit ziehen, umgeben sie sich mit einer gallertartigen Schleimhülle und beginnen zu keimen – oder zu schimmeln.

Die Samen und das aus ihnen gewonnene Leinöl werden für Nahrungs- und Heilzwecke verwendet, das Samenöl auch für Lacke, Farben und Linoleum, die Stängel-fasern als Rohstoff für die Textilindustrie und die Pressrückstände als Viehfutter.

Wirkungen

Leinsamen sind vielseitig einsetzbar. Der stuhlregulierende Effekt bei Verstopfung ist seit langem bekannt. Wenn Leinsamen pur mit genügend Wasser zusammen eingenommen werden, gelangen sie ungehindert in den Dickdarm und binden dort das Wasser. Der Samen quillt um ein Vielfaches seiner ursprünglichen Größe und vergrößert dadurch den Darminhalt. Diese Volumenzunahme führt zu einem erhöhten Füllungsdruck, der einen Dehnungsreiz auf die Darmwand und damit den Reflex zur Darmentleerung auslöst. Leinsamen verkürzen somit die Durchgangszeit des Stuhls durch den Darm. Bei der Anwendung von zerkleinertem Samen werden Fette freigesetzt, die zusätzlich als Gleitmittel dienen.

Bei Durchfall binden Leinsamen – in diesem Fall ohne zusätzliche Flüssigkeit eingenommen! – überschüssiges Wasser und Bakterientoxine und führen dadurch zu einer Konsistenzsteigerung des Stuhles, zum Rückgang der Stuhlfrequenz und zur Verlangsamung der Darmpassage.

Leinsamen enthalten viele Schleimstoffe. Wenn man sie als „Tee“ zubereitet (Kaltauszug, siehe unten), sind Leinsamen ein ideales Mittel bei allen Beschwerden und Erkrankungen von (Schleim-)Häuten, weil sich die Pflanzenschleime wie ein schützender Film über die trockene, gereizte, wunde und entzündete (Schleim-)Haut legen, schmerzlindernd, reizmildemd und säurepuffemd wirken und den Heilungsprozess beschleunigen, zum Beispiel bei Magenschleimhautentzündung (Gastritis) und Sodbrennen.

Äußerlich angewendet dienen Leinsamen zur Herstellung von Breiauflagen, die bei entzündlichen Hautleiden wie eitrigen Abszessen, Furunkeln und Geschwüren angewendet werden, oder zur Sekretlösung bei Nasennebenhöhlenentzündung (Sinusitis). Kalt ausgezogener „Leinsamentee“, als Umschlag auf die Haut gebracht, lindert trockene, entzündliche oder juckende Hautstellen.

Leinöl enthält eine ideale Kombination aus ungesättigten Fettsäuren, die für den Stoffwechsel lebensnotwendig sind weil der Körper sie nicht selbst herstellen kann. Das fette, pflegende Öl der Leinsamen lindert in der äußerlichen Anwendung Ekzeme, Milchschorf oder Verbrennungen.

Eine besondere Rolle spielt die Omega-3-Fettsäure, die nur in wenigen Lebensmitteln enthalten ist. Sie fördert die frühkindliche Entwicklung von Nerven- und Gehirnzellen, verbessert die Fließfähigkeit des Blutes und lindert entzündliche Prozesse.

Hinweis: In Leinsamen kann sich das giftige Schwermetall Kadmium anreichern. Drogen in arzneibuchgeprüfter Qualität enthalten nur unbedenkliche Mengen. Wenn Sie sicher gehen möchten, verlangen Sie in der Apotheke kadmiumfreien Leinsamen.

Übrigens: Ganzer oder aufgebrochener Leinsamen wird im Darm nicht oder nur teilweise verdaut, so dass er (mitsamt seinen wertvollen Inhaltsstoffen) wieder ausgeschieden wird. Das bedeutet, dass bei dieser Art der Anwendung keinerlei Kalorien aufgenommen werden!

HinweisBevorzugen Sie ganze oder frisch gemörserte oder aufgebrochene Samen aus dem Reformhaus oder der Apotheke, da geschrotete Samen innerhalb von einer bis sechs Wochen ranzig werden! Manche Firmen haben ein schonendes Spezialverfahren entwickelt, bei denen die Samenschalen lediglich aufgebrochen, die Öldrüsen der Leinsamen aber nicht beschädigt werden. Sie sind wesentlich haltbarer als geschrotete Leinsamen.

Medizinische Anwendung: Lini semen

Inhalts Stoffe: Bis 19% Schleim (in der Epidermis der Samenschale) und 25% Ballaststoffe, 30-45% fettes Öl mit Linol- und oc-Linolensäure, Omega-3-Fettsäuren, 25% Eiweiß. 5% Mineralstoffe, Vitamine und geringe Mengen an Flavonoiden. Lignane (Phytoöstrogene, die den Hormonhaushalt positiv beeinflussen können, z. B. bei Beschwerden in den Wechseljahren), Blausäureglykoside (durch Blausäure verursachte Vergiftungen wurden nach Einnahme von Leinsamen bisher noch nie beobachtet!). Anwendung, innerlich: Verstopfung, Darmausstülpungen (Divertikulose), Reizdarm. Durchfall. Als Schleimhautschutz bei Sodbrennen, Magen-Darm-Geschwüren oder -Entzündungen; als Gurgelmittel bei trockenem, kratzendem Hals und Reizhusten. Äußerlich: Breiauflage bei Entzündungen.

Kommission E, innerlich: Habituelle Obstipation (häufige Verstopfung), durch Abführmittel geschädigter Dickdarm (Kolon), Colon irritabile (Reizdarm), Divertikulose (Darmausstülpungen), Gastritis (Magenschleimhautentzündung) und Enteritis (Darmentzündung) als Schleimzubereitung. Äußerlich: Kataplasma (Breiauf-lage) bei lokalen Entzündungen.

Tagesdosis: 45 g Droge. Als Abführmittel 2- bis 3-mal täglich 1-2 EL (10-20 g) Leinsamen mit je 200 ml Flüssigkeit, Kinder zwischen 6 und 12 Jahren nur jeweils 5 g. Äußerlich: 30-50 g Leinsamen als feuchtheiße Breiauflage zubereitet.

Nebenwirkungen: Bei korrekter Dosierung und Flüssigkeitszufuhr nicht bekannt. Wenn Leinsamen gegen Verstopfung allerdings nicht mit genügend Flüssigkeit eingenommen werden, kann es zur vorzeitigen Quellung und damit zur Verstopfung oder einer Einengung der Verdauungswege kommen. Wechselwirkungen: Die Resorption von Arzneimitteln kann (wie bei allen Pflanzenschleimen) verzögert werden, daher andere Medikamente erst 30-60 Minuten später einnehmen. Leinsamen nicht zusammen mit Milch einnehmen, weil Milch nicht in die Schleimstoffe eingelagert wird und es dadurch zu keiner Quellung kommt. Bei insulinpflichtigen Diabetikern kann eine Reduzierung der Dosis nötig sein.
Gegenanzeigen: Nicht anwenden bei Darmtumoren, Darmverschluss oder Darmverengungen (Strikturen); nicht bei Kindern unter 6 Jahren.

Tee & mehr

Leinsamentee
2-3 EL Leinsamen mit 100 ml kaltem Wasser übergießen, 1 Stunde ziehen lassen, ab und zu umrühren und dann abgießen. Um seine reizmildernden Schleimstoffe an das Wasser abzugeben, soll Leinsamen in der Tasse quellen.

Bei Reizhusten, trockenem Hals oder Mundschleimhautentzündung mit dem Tee spülen oder gurgeln, bei Sodbrennen oder Entzündung der Magen-Darm-Schleimhaut langsam und schluckweise trinken. Dieser „schleimige“ Tee kann auch äußerlich als reizlindernde Auflage angewendet werden. Nach maximal 5 Stunden sollte man ihn aber verwerfen, denn die Pflanzenschleime neigen dazu, krankheitserregende Keime an sich zu binden.

Weitere Zubereitungen Breiauflagen mit Leinsamen
Bei verstopfter Nase, festsitzendem Schnupfen und Nasennebenhöhlenentzündung durchbluten heiße Leinsamenauflagen die entzündete Region, fördern den Abfluss des Nasensekrets und mindern den typischen Druckschmerz.

Kochen Sie 1 1/2 Tassen Leinsamen (ganz oder frisch geschrotet) mit 2 Tassen Wasser zusammen so lange unter Rühren, bis sich der Brei zäh vom Löffel löst. Dann füllen Sie je 1 EL Brei in einen Teefilterbeutel oder in ein Papiertaschentuch (Vorsicht: der Leinsamenbrei darf nicht zu feucht sein, sonst platzen die Päckchen!). Am besten bereiten Sie gleich mehrere solcher Auflagen zu und halten sie zwischen zwei Wärmflaschen warm, so können Sie das ganze Paket mit ans Bett nehmen. Legen Sie jeweils 2 Päckchen auf die Stirn und/oder die Kiefernhöhlen, bis sie abgekühlt sind, danach legen Sie weitere Packungen auf. Nachdem Sie das letzte Päckchen entfernt haben, sollten Sie so lange nachruhen, und sich keinesfalls Zugluft aussetzen, bis die Gesichtshaut wieder ihre nor-male Temperatur angenommen hat.

Diese Leinsamenauflagen können Sie auch bei verschleimtem Husten, bei Halsschmerzen und trockenem Hustenreiz als feuchtheiße Kompresse mehrmals täglich auf die Brust legen, das erweitert und entkrampft die Atemwege. Bei Lymphknotenschwellungen, zur Unterstützung der Milchbildung, bei Entzündung oder Schwellung der Ohrspeicheldrüse (Glandula parotis, z. B. bei Mumps) unters Ohr oder auf die Wange legen. Bei Milchstau legen Sie unmittelbar vor dem Stillen warme Leinsamenauflagen auf die harte Stelle der Brust. Zur Reizlinderung bei trockenenAugen legen Sie Leinsamenauflagen warm temperiert 5-10 Minuten lang behutsam auf die Augen.

Kü-Ka-Lei-Wa
Der basenreiche Gemüsetrank „Kü-Ka-Lei-Wa“ (Kümmel-Kartoffel-Leinsamen-Wasser-Trunk) wird gegen „Übersäuerung“ des Körpers eingesetzt: 500 g rohe, geschälte Kartoffeln mit je 1-2 EL Kümmel- oder Fenchelsamen und Leinsamen in 11 Wasser oder dünner Gemüsebrühe 20 Minuten kochen, dann absieben. Über den Tag verteilt warm trinken; als erstes Getränk morgens, eine viertel bis halbe Stunde vor dem Frühstück, und als letztes Getränk abends, den Rest über den Tag verteilt. Bewahren Sie den Trank im Kühlschrank auf und wärmen Sie jeweils die entsprechende Menge vor dem Trinken an. Nehmen Sie „Kü-Ka-Lei-Wa“ 4-6 lang Wochen konsequent ein, anschließend können Sie ihn bei Bedarf als Morgengetränk beibehalten.

Um Abszesse und Furunkel zum Erweichen und Reifen zu bringen, bereiten Sie die Leinsamenauflagen statt mit Wasser mit Kamillentee zu. Legen Sie die Päckchen auf die betroffene Stelle, hüllen Sie sie warm in ein Wolltuch ein und tauschen Sie sie alle halbe Stunde aus.

Neues Wissen

Es existieren Belege dafür, dass eine mehrwöchige Leinsamendiät die Entstehung von Tumorerkrankungen verzögern kann, vor allem (Dick-)Darm- und Brustkrebs. Als wirksame Substanz gelten hierbei die Lignane, die einen zellschützenden, krebshemmenden und antioxidativen Effekt besitzen.

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