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Linde

Von: Chưa được phân loại ( mehr) 13/12/2017
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Geschichte

Die Linde ist ein Volksbaum und hat Dichter und Liedermacher inspiriert. 1000 Jahre alte Linden wie die „Wolframslinde“ in Kotzing, unter der Wolfram von Eschenbach seine Balladen dichtete, zeugen heute noch davon, ebenso Hermann Hesses Geschichte „Die drei Linden“, in der von einem „Lindenurteil“ berichtet wird. „Sieh’ das Lindenblatt, Du wirst es wie ein Herz gestaltet finden. Darum sitzen die Verliebten auch am liebsten unter Linden“, dichtete einst Heinrich Heine. Kein Wunder, dass dieser Baum mit herzförmiger Krone und Blättern als Baum der Liebe gilt und zu Zeiten unserer Vorfahren der Liebesgöttin Freya geweiht war. In Walther von der Vogel- weides schönstem Minnelied, dem Tandaradei-Lied singt man: „Unter der Linden auf der Heide, da unser zweier Bette war, da magt ihr finden schone beide gebrochen bluomen unde gras. Vor dem walde in einem tal, tandaradei, schöne sanc diu nahtegal [Nachtigall]“. Unter dem duftenden Blätterbaldachin der Linde versammelte sich in früheren Zeiten das Volk zu Tanz und Spiel, um Feste zu feiern, Geschichten zu erzählen und Asyl zu gewähren. Die Linde war damals der heilige Schutzbaum der Germanen, unter dem Gerichtsverhandlungen abgehalten wurden, denn „Freyas Baum“ sollte bewirken,dass „die reine Wahrheit ans Licht komme“. Am Tag der Geburt eines Stammhalters wurde von den glücklichen Eltern eine Linde gepflanzt. Bis heute ist es üblich, als Zeichen gegen Gewalt „Friedenslinden“ zu pflanzen.

Aus Antike und Mittelalter sind nur wenig arzneiliche Berichte überliefert. Die Blüten werden erst seit dem 17. Jahrhundert verwendet. Vor dieser Zeit waren eher die Rinde gegen Durchfall und Lindenholzkohle als Wundpuder geläufig. Die Linde hat von allen europäischen Bäumen das leichteste Holz, das zudem nie vom Holzwurm befallen wird. Aus diesem Grund ist es zur Herstellung von Klangböden für Klaviere und Orgeln gefragt. Das Holz ist weich und elastisch und mit seinem seidigen Glanz bestens zum Schnitzen geeignet. Man nahm es als „lignum sanctum“ (lat. = heiliges Holz) vor allem zum Schnitzen heiliger Figuren wie Tilmann Riemenschneiders Madonna im Rosenkranz, und wegen seiner Festigkeit auch für Prothesen. Heute noch werden Fasnachtsmasken aus Lindenholz geschnitzt. Außerdem gilt Lindenholz als das beste Holz zum Herstellen von Zeichenkohle. Die Blätter dienten früher als Färbemittel und zauberten auf Stoffen schöne Beige-, Ocker- und Brauntöne. Die weiche, biegsame Innenrinde junger Äste gab der Pflanze ihren Namen: Indogermanisch „lentos, lint“ (= biegsam, weich). Die Rinde wurde früher als Bast verwendet, aus dem zu Pfahlbauzeiten Matten, Betten, Kleider und Seile gefertigt wurden. Man schälte die Rinde im Mai, trennte die weiche Innenseite ab, ließ den Bast im Wasser lösen und in der Sonne trocknen. Alles fanden die Menschen an der Linde mild, weich und eben „lind“. Der Arzt Lonitzer sagte dazu im 16. Jahrhundert:„Die Linde hat den Namen von der Lindigkeit“. Der botanische Name stammt vom griech. Begriff „tilia“ bzw. „ptilon“ (= Flügel), ein Hinweis auf das Deckblatt der Blüten, und von „platyphyllos“ (= breitblättrig) beziehungsweise bei der Winter-Linde von „cordata“ (lat. = herzförmig).

Botanisches

Die Linde gehört zur Familie der Lindengewächse (Tiliaceae) und ist ein sommergrüner, 25-30 m hoher Baum mit einer schwärzlichgrauen, längsgefurchten Borke. Von den etwa 400 Lindenarten, die hauptsächlich in den Tropen zuhause sind, gedeihen lediglich vier bei uns in Laubmischwäldern. Die Linde wird gerne als Alleebaum gepflanzt.

Die große, herzförmig geschlossene Baumkrone ähnelt der Form des Lindenblattes. Die Blätter sind schief herzförmig zugespitzt, gestielt und am Rande gesägt, ober- seits grün, unterseits graugrün. In den Blattnervenwinkeln der Winter-Linde befinden sich rotbraune Haarbüschel, die Sommer-Linde ist „weißbärtig“. Die betörend duftenden, gelbweißen Blüten mit zahlreichen Staubblättern stehen in Trugdolden und sind am Stiel mit einem zungenförmigen hellgrüngelblichen Hochblatt verwachsen. Erst im Alter von 20 Jahren blüht die Linde zum ersten Mal, dann aber entfalten sich jedes Jahr aufs Neue etwa 60 000 Blüten, die Menschen und Bienen gleichermaßen anziehen: Die Linde ist eine wichtige Bienenweide und damit eine der wenigen Bäume, die von Insekten bestäubt werden. Die Frucht ist eine kugelige, schwach behaarte, dünnschalige einsamige Nuss.Ein Bastard ist die Holländische Linde (Tilia europaed), die aber medizinisch nicht verwendet wird, sondern eher als Alleebaum gepflanzt wird; sie wird größer und hat eine schönere Krone als die beiden anderen Lindenarten. Ebensowenig ist die medizinische Wirksamkeit der Silber-Linde (T. argentea) belegt, die an den unter seits weißfilzigen Blättern und ihrem eher unangenehmen Blütengeruch leicht zu erkennen ist. Als Geschmacksdroge darf T. argentea jedoch verwendet werden.

Anbau und Ernte

Eine Linde pflanzt man in tiefgründigen, lockeren Boden. Geerntet werden die Lindenblüten mit Hochblatt 1-3 Tage nach dem Aufblühen (Sommer-Linde Juni, Winter-Linde Juni/Juli), vormittags an sonnigen Tagen, dann ist der Wirkstoffgehalt am höchsten. Auf einem Leinentuch ausbreiten, rasch trocknen, dabei mehrmals wenden. Dunkel und luftdicht aufbewahren. Vorsicht, manchmal finden sich ganze Kolonien des Rußpilzes auf Blättern und Blüten, diese Ernte müssen Sie aussortieren.

Wirkungen

Heutzutage ist Lindenblütentee als wichtigstes schweißtreibendes Mittel (Diaphoretikum) bei Erkältungskrankheiten geläufig: Durch Lindenblüten sensibilisierte Schweißdrüsen sprechen schon auf ganz geringe Wärmereize an und bringen den Körper zum Schwitzen. Diese einfache Maßnahme, den Körper zum Schwitzen zu bringen, senkt auf physiologische Weise die Körpertemperatur. Dass Lindenblütentee die körpereigene Abwehrkraft stärkt, ist wissenschaftlich erwiesen. Man soll den Tee bei den ersten Erkältungsanzeichen immer möglichst heiß trinken oder zu Beginn einer Erkältung Fußbäder mit Lindenblütentee durchführen, daraufhin bricht die Erkrankung häufig erst gar nicht richtig aus, denn der Körper „schwitzt sie aus“. Nach dem Fußbad mit noch feuchten Füßen in angewärmte Wollsocken schlüpfen und im Bett „die Krankheit ausschlafen“.

Aufgrund ihres Schleimgehaltes wirken Lindenblüten auch reizmildernd, vor allem bei trockenem Reizhusten. Darüber hinaus wirken sie schmerzlindernd, wärmend und mild abführend. Als Geheimtipp in der Volksheilkunde gilt, dass Lindenblüten beruhigen und beim Einschlafen helfen; das lohnt sich auszuprobieren. Man setzt sie auch als mild harntreibendes, krampflinderndes und magenwirksames Mittel ein.

Äußerlich nimmt man Lindenblütentee vor allem als Badezusatz zum Schwitzen und auch zur Beruhigung, das hat sich besonders bei unruhigen Säuglingen und erschöpften älteren Menschen bewährt; in Frankreich nehmen auch Migränepatienten ein Lindenblütenbad. Lindenblüten lindern den Juckreiz bei Hauterkrankungen, die Blüten sollen eine Umstimmung der Hautftmktion einleiten.

Medizinische Anwendung: Tiliaeflos

Inhaltsstoffe: Schleim (Arabino-galaktane), Flavonoide, Gerbstoffe, ätherisches Öl (mit Linalool, 1,8-Cineol und dem angenehm duftenden Farnesol), Kaffeesäurederivate, Sexual- und Wuchshormone, Vitamin C und Tocopherol (Vitamin E).

Anwendung, innerlich: Fieberhafte Erkältungen, als schweißtreibendes Mittel, zur Steigerung der Abwehrkräfte, Linderung des Hustenreizes und bei trockenem Husten. Bei Nervosität und Schlafstörungen, zur Beruhigung besonders bei Säuglingen und älteren Menschen. Äußerlich: Teekompressen zur Haut- und Gesichtspflege, lindernde Auflagen bei Brandwunden, Abszessen, Furunkeln oder Entzündungen; Augenkompresse bei entzündeten, müden Augen. Mundspülung bei Paradontose.

Kommission E: Erkältungskrankheiten und trockener Reizhusten.

Tagesdosis: 2-4 g Lindenblüten mit Hochblättern.

Nebenwirkungen/Gegenanzeigen: Nicht bekannt.

Tee & mehr

Lindenblütentee

1 EL Lindenblüten mit ¼ 1 heißem, nicht mehr kochendem Wasser übergießen und 5 Minuten ziehen lassen. So heiß wie möglich trinken, bis 5-mal täglich 1 Tasse, am besten gleich im Bett, denn während der Schwitzkur wird der Kreislauf belastet und braucht deshalb dringend Ruhe. Der Tee lindert Hustenreiz; Sie können ihn auch zur Inhalation verwenden.

Tee zur äußeren Anwendung

Erkältungsfußbad

11 doppelt konzentrierten Lindenblütentee in eine Schüssel mit heißem Wasser geben. Morgens und abends 10 Minuten lang die Füße darin baden, anschließend dicke Wollsocken anziehen und Bettruhe einhalten. Fußbäder wirken reflektorisch auf den gesamten Organismus, sie fördern die Durchblutung und stabilisieren den Kreislauf. Übrigens, ein Fußbad genießen auch kleine Kinder!

Beruhigungsbad

Für Säuglinge 2 Handvoll Lindenblüten mit 11 heißem Wasser überbrühen, 10 Minuten ziehen lassen, abfiltrieren und dem eingelaufenen Badewasser zugeben. Ältere oder erschöpfte Menschen nehmen 250 g Lindenblüten (4 Handvoll) in 5 1 Wasser. Bereiten Sie das Bett schon vor, um nach dem Bad gleichhineinhuschen zu können (Bade-dauer 15 Minuten). Gut bei Kopfschmerzen, beruhigt Erwachsene und Kinder.

Teemischungen

Erkältungstee (Aufguss)

Je 20 g Linden-, Holunder-, Mädesüß- und Kamillenblüten und Thymiankraut. 7 Minuten ziehen lassen. 3-mal täglich 1 Tasse trinken. Bei Bedarf mit Honig süßen, so heiß wie möglich trinken und im Bett gut ausschwitzen. Der Tee senkt das Fieber und wirkt unterstützend auf den Kreislauf.

Grippetee (Aufguss)

30 g Holunderblüten, je 20 g Lindenblüten und Weißdornblätter und -bluten, 15 g Melissenblätter und 5 g Orangenblüten. 7 Minuten ziehen lassen. 6-8 Wochen lang 3-mal täglich 1 Tasse trinken. Diese Mischung bringt den Körper zum Schwitzen, unterstützt das Herz und leitet den Heilschlaf ein.

Weitere Zubereitungen Lindenlikör

40 g getrocknete Lindenblüten,10 g Rosenblüten, 2 g Iriswurzel,2 g echte Vanille, 1 g Muskatnuss und 10 g frische Quittenschalen in ½ 1 Gin geben. Diesen Ansatz 10 Tage ziehen lassen, abfiltern und einige Monate nachreifen lassen. Mit dieser edlen, alten englischen Rezeptur haben Sie einen magenfreundlichen, vollmundigen Likör zubereitet.

Lindenspeisen

Solange die jungen herzförmigen Blätter oberseits noch matten Glanz besitzen, schmecken sie mild und delikat: Auf gebutterten Toast-scheiben, mit Zitrone und Worcestersoße gewürzt. Natürlich können Sie mit den jungen Blättern auch kochen: Sie verfeinern eine Gemüsebrühe, bereichern einen Salat oder können wie Spinat mitgekocht werden.

Tipp! Kalter Lindenblütentee, mit Zitrone und Lindenblütenhonig verfeinert, ist an heißen Sommertagen eine köstliche, gesunde Erfrischung.

Altes und neues Wissen

Hildegard von Bingen empfahl: „Im Sommer soll man sich wenn man schlafen geht, mit frischen Lindenblättern die Augen und das ganze Gesicht bedecken. Das machen die Augen rein und klar“. Die häufig geäußerte Behauptung, man schwitze gleich stark mit heißem Wasser, ob mit oder ohne Zusätze, konnte in einer Studie widerlegt werden: Nach Einnahme von Lindenblütentee schwitzten die Probanden doppelt so viel wie nach Einnahme von heißem Wasser. Die Inhaltsstoffe wirken sensibilisierend auf die Schweißdrüsen, die danach schon auf ganz geringe Wärmereize ansprechen und die Schwitzkur einleiten. Auch konnten beruhigende und entzündungshemmende Eigenschaften der Lindenblüten beobachtet werden.

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