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Löwenzahn

Von: Ursel Bühring 02/01/2018
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Geschichte

Löwenzahn gilt als „Ginseng des Westens“. Er ist ein Meister im Heilen: Der Leber hilft er besser zu arbeiten, die Galle lässt er regelmäßig fließen, er regt die Verdauung und den gesamten Organismus, vor allem jedoch die Nieren an. Und er ist das ersehnte Frühlingskraut für die Frühjahrskur, das rheumatische Schmerzen und Hautleiden lindern kann. Einfacher, günstiger und gesünder geht es nicht – der Löwenzahn hilft, nach trüben Wintertagen frische Gesundheit zu tanken.

Die Chinesen waren die ersten, die „Pu gong ying“, den Löwenzahn, als Heilpflanze in ihren Kräuterbüchern registrierten. Bei uns taucht er erst in den Kräuterbüchern des 16. Jahrhunderts auf. Den botanischen Namen Taraxacum kann man entweder aus dem Griechischen oder aus dem Arabischen ableiten: Griech. „taraxo“ (= die Störung) und „akos“ (= das Heilmittel), beziehungsweise „taraxacis“ (= Entzündung) und „akeo mai“ (= ich heile). Oder arabisch „tarak“ und „sahha“ (= Wasser lassen) beziehungsweise „talkh chakok“ (= bittere Wurzel); alle diese Namen haben ihre Berechtigung.

Botanisches

Der Löwenzahn gehört zu den Korbblütlern (Asteraceae) und bildet mit etwa 150 Unterarten eine sehr formenreiche Artengruppe, deren einzelne Arten wirklich nur Spezialisten unterscheiden können.

Löwenzahn ist eine Allerweltspflanze; er ist auf allen Kontinenten in der gemäßigten Klimazone beheimatet und – zumindest in unseren Breiten – jedem Kind bekannt. Seitdem auf den Feldern vermehrt Jauche ausgebracht wurde, begann der stickstoffliebende Löwenzahn, sich flächig auszubreiten. Die anpassungsfähige Pflanze hat eine kräftige Pfahlwurzel und vermag mit ihrer enormen Wuchskraft sogar Asphalt zu sprengen. Die „gezähnten“ Blätter sind rosettenartig angeordnet und, je nach Standort, kleiner und stark gezähnt (sonnig) oder größer und nahezu ganzrandig (schattig). Daraus wächst der milchsafthaltige hohle Stängel und präsentiert die Blütenkörbchen der Sonne. Die ganze Pflanze ist milchsafthaltig, bis auf die Blütenblätter, und die Wurzel enthält einen geringen Anteil an Kautschuk. Im April werden dann satte Wiesen mit warmem Gelb überstreut und bieten Nektar und Pollen in verschwenderischer Fülle, an denen sich Wildbienen erfreuen. Genau hinschauen lohnt sich: Wer weiß schon, dass die zwittrige, gelbe Blütenpracht 200-300 fünfzipfelige Zungenblütchen mit je einer Röhre aus fünf Staubgefäßen birgt, dass der Griffel mit den zwei Narbenästen erst später erscheint, dass jede Pflanze 3000 Samen im Jahr durch die Welt schickt und dass die Blüte betörend nach Honig duftet?

Erstaunlich: Für 1 kg Honig muss eine Biene 125 000 Löwenzahnblüten besuchen!

Anbau und Ernte

Löwenzahn können Sie ernten ohne zu säen! Für die kulinarische Verwendung im Salat oder als Tee nehmen Sie die jungen Blätter im Frühjahr; als Salatgewürz die Blätter das ganze Jahr über. Die Wurzel enthält im Frühjahr mehr Bitterstoffe, deshalb ernten Sie sie in dieser Zeit für Heiltee oder Kräutersalz. Im Herbst dagegen enthält die Wurzel mehr Inulin, dann ist sie als Diabetikergemüse geeignet. Aus den Knospen können Sie ein köstliches Gemüse zubereiten; sie schmecken ein bisschen nach Rosenkohl und Spargel. Die essbaren Blüten streuen Sie zur Dekoration über Salate oder kochen daraus Sirup.

Für die medizinische Verwendung trocknen Sie die Blätter flach ausgebreitet. Die Löwenzahnwurzeln holen Sie mit einem Wurzelstecher aus dem Boden, halbieren sie der Länge nach und vierteln oder achteln sie so, dass sie nicht dicker als 3 mm sind, da sie sonst nicht gut durchtrocknen und sich eventuell Keime festsetzen könnten. Noch frisch mit einer Stopfnadel am oberen Ende durchstoßen und zum Trocknen auffädeln. Sie können auch die Wurzel mit den Blättern zusammen ernten, der Länge nach teilen und „kopfüber“ zum Trocknen aufhängen.

Wirkungen

Die Hauptwirkung des bitteren Löwenzahns liegt im Leber-Gallen-Bereich – er gilt als ein wichtiges Ausleitungsmittel zur Entgiftung über die Leber. Die Bitterstoffe regen die Gallenproduktion in der Leber an und fördern den Gallenabfluss. Das ist besonders spürbar bei Fettunverträglichkeit, Verdauungsstörungen mit Verstopfung und Blähungen, aber auch bei Müdigkeit, die durch eine ungenügende Leberfunktion bedingt ist.

Bitterstoffe fördern nicht nur die die gesamte Verdauung, sie helfen auch, Nährstoffe besser ins Blut aufzunehmen, unter anderem Vitamin B12 und Eisen. Dadurch wird die Blutbüdung angeregt – ein geniales Mittel daher für Menschen, die stets müde und antriebslos sind.

Löwenzahn aktiviert den Wärmehaushalt und unterstützt die Therapie bei Infektionserkrankungen. Bei alten, schwachen und erschöpften Menschen tragen die Bitterstoffe zum Ausgleich der körperlichen und seelischen Stimmungslage bei. Bitterstoffe stärken auch die Herztätigkeit, kräftigen den gesamten Organismus und hellen die Stimmung auf.

Neben den Bitterstoffen regt das enthaltene Cholin die Gallen- und Darmtätigkeit an, deshalb ist Taraxacum leicht abführend; laut neueren Forschungsergebnissen kann mit einer sechswöchigen Löwenzahnkur die Gallensteinbildung beeinflusst werden, so dass es weniger zur Neubildung von Steinen kommt.

Löwenzahn gilt in der Naturheilkunde neben Artischocke und Mariendistel als wichtige Pflanze zur Anregung der Leberfunktion, gegen das chronische Müdigkeitssyndrom und gegen Gelenkverschleiß (Arthrose). Er begleitet erfolgreich die Therapie beim generalisierten Schmerzsyndrom (Fibromyalgie), das mit Schmerzen an Muskeln und Sehnen einhergeht, außerdem fördert er die Bildung eines Antitumorsstoffes. Taraxacum sollte bei keiner Frühjahrskur fehlen, denn er wirkt stoffwechselfördernd, lindert stoffwechselbedingte Hauterkrankungen und Schmerzen bei chronischen, rheumatischen Erkrankungen, Gicht und Arthrose. Alle Rheumatiker sollten am Ende des Winters eine Löwenzahnkur machen, weil Löwenzahn das Fortschreiten der Erkrankung verzögert und zusätzlich den Abtransport von Stoffwechselend Produkten durch die nierendurchspülende Wirkung erhöht. Bei längerer Anwendung verbessert er die gesamte Stoffwechsellage und greift bei chronischen, mit Verschleiß einhergehenden Gelenkerkrankungen (Arthrosen) vorbeugend in die arthrotischen Prozesse ein. Wer einmal die erstaunlichen Besserungen der Beschwerden miterlebt hat, wie die zunehmende Beweglichkeit der Gelenke oder das Nachlassen der Steifigkeit, wird immer wieder zu Löwenzahn greifen.

Löwenzahn enthält in seinen Blättern sehr viel Kalium, wirkt deshalb harntreibend und wird mit Erfolg bei Entzündungen der Harnwege und bei Nierengrieß eingesetzt. Kleine Nierensteine können durch eine „Wasserstoßtherapie“ ausgetrieben werden (siehe unten).

Medizinische Anwendung: Taraxaci radix cum herba

Inhaltsstoffe: Bitterstoffe (Wurzel im Frühjahr bitterstoffreich, im Herbst bitterstoffarm, dafür bis 40% Inulin), Triterpene, Phytosterole, Flavonoide, Karotinoide, Vitamine, Mineralien (Kalium bis 5%!), Cholin und Inulin, Schleimstoffe, Phenylcarbonsäuren, Lactucerol (Alkaloid).

Anwendung, innerlich: Appetitlosigkeit, Störungen des Gallenflusses, Verdauungsbeschwerden mit Völlegefühl und Blähungen. Unterstützung des Stoffwechselgeschehens bei chronisch-rheumatischen Erkrankungen und Hautleiden. Durchspülung der Harnwege, Nierengrieß. Frühjahrskur, zur Unterstützung bei Anämie und zur Resistenz- und Antriebssteigerung.

Kommission E: Appetitlosigkeit und dyspeptische Beschwerden (Verdauungsbeschwerden) wie Völlegefühl und Blähungen. Störungen des Gallenflusses. Anregung der Diurese (Harnausscheidung).

Tagesdosis: 10-15 g Blätter mit Wurzel; 3 Tassen Tee.

Nebenwirkungen: Harntreibend, daher nicht abends einnehmen. Aufgrund der Bitterstoffe Magenbeschwerden möglich. In seltenen Fällen Kontaktallergie durch Milchsaft oder Erbrechen/Durchfall nach Auslutschen der milchsafthaltigen Stängel.

Gegenanzeigen: Nicht anwenden bei Verschluss oder Entzündungen der Gallenwege und bei Darmverschluss. Bei Gallensteinleiden nur nach ärztlicher Rücksprache anwenden.

Tee & mehr

Löwenzahntee
1-2 TL (1,5-3 g) Blätter mit Wurzel mit 1 Tasse kaltem Wasser kurz aufkochen, nach 10 Minuten abgießen. Für eine Kur 4-6 Wochen lang 3 Tassen täglich trinken.

Wasserstoßtherapie bei Nierengrieß

2 EL Löwenzahnblätter mit ½ l kaltem Wasser übergießen, aufkochen und 20 Minuten ziehen lassen, danach mit 1 ½ l Wasser verdünnen. Die gesamte Flüssigkeitsmenge innerhalb von 20 Minuten austrinken. Bald darauf folgt eine starke Wasserausscheidung, wobei kleinere Steine abgehen können.

Teemischungen

Leber-Gallen-Tee (Aufguss)
Je 20 g Benediktenkraut (Cnicus benedictus), Wermutblätter, Pfefferminzblätter, Mariendistelsamen und Blätter und Wurzeln von Löwenzahn. 7 Minuten ziehen lassen. 5 Wochen lang 3-mal täglich 1 Tasse trinken.

Hämorrhoidentee (Aufguss)
Je 20 g Löwenzahnblätter, Kamillenblüten, Schafgarben- und Hirtentäschelkraut, Fenchelsamen und 5 g Faulbaumrinde. 7 Minuten ziehen lassen. 6 Wochen lang 3-mal täglich 1 Tasse trinken.

Weitere Zubereitungen

Kur mit Löwenzahnfrischpflanzensaft
Die Kur dauert insgesamt 9 Tage: Am 1. Tag nehmen Sie 1 EL Frischpflanzensaft ein (Reformhaus, Apotheke), verdünnt mit 5 EL Buttermilch oder Wasser. Am 2. Tag verdoppeln Sie die Dosis und nehmen 2 EL auf 10 EL, am 3. Tag 3 EL auf 15 EL usw., bis zum 5. Tag; anschließend verringern Sie die Dosis wieder entsprechend bis zum 9. Tag. Etwas aufwändiger, aber nicht unmöglich ist es, den Frischpflanzensaft selbst herzustellen: Am 1. Tag 1 Handvoll Löwenzahnkraut zusammen mit 5 EL Wasser oder Buttermilch mit dem Stabmixer pürieren und anschließend durch ein Tuch auspressen; am 2. Tag 2 Handvoll Kraut mit 10 EL Buttermilch oder Wasser usw.

Löwenzahnsalat
Löwenzahnblätter kann man als Gemüse oder Salat genießen, und die Knospen als blitzschnelle Gemüsebeilage. Verwenden Sie Löwenzahnblüten zur Dekoration von Salaten, entfernen Sie vorher die bitteren, dunkelgrünen Kelchblätter von der Blüte. Ist der Löwenzahnsalat zu bitter geraten? Wässern Sie nicht, sonst werden heilsame Inhaltsstoffe weggespült. Bereichern Sie den Salat mit milden oder fruchtigsüßen Beilagen (Äpfel, Bananen, Mais, Champignons, Käse, Kartoffeln oder Nüssen), das schmeckt gut und alle gesunden Inhaltsstoffe bleiben enthalten.

Altes Wissen

Vom römischen Kaiser Augustus wird berichtet, dass seine Umgebung bei Hofe ihn wegen seiner schlechten Laune, Verdrießlichkeit und cholerischen Ausbrüche fürchtete („chol“ = Galle). Von Gallenbeschwerden geplagt, war er sich und anderen eine Last, bis ihm sein Leibarzt Löwenzahn in den Salat gab. Das erleichterte seinen Zustand, heilte ihn von Gallenstauungen und machte aus ihm einen ausgeglicheneren Mann.

Kraft aus der Wurzel
Löwenzahnwurzel ist in jeder Zubereitung wirkungsvoll: Frisch oder getrocknet als Heiltee, frisch geraffelt in den Salat, gekocht wie Schwarzwurzeln als Gemüse oder getrocknet, fein gemahlen und unter Meersalz gemischt als Wurzelsalz. Oder als „Muckefuck“, dem „Kaffee“ aus Kriegszeiten: In kleinen Stückchen getrocknet, 20 Minuten bei 180°C geröstet und gemahlen. Für den Kaffee stechen Sie große Wurzeln bevorzugt im Herbst aus (40% Inulin).

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