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Mariendistel (Frauendistel)

Von: Ursel Bühring 04/01/2019
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Geschichte

Der Legende nach stillte einst die Jungfrau Maria auf der Flucht vor dem König Herodes das Jesuskind. Dabei fielen ein paar Tropfen der kostbaren Muttermilch auf eine ganz gewöhnliche Distel und benetzten ihre grünen Blätter. Die Distel, bisher unbeachtet, fühlte sich geehrt und wollte die Zeichen der heiligen Muttermilch auf ewig bewahren. Seither sind die Blätter von Silybum marianum weißgrün marmoriert. Die Pflanze wurde Maria gewidmet, das bezeugen Namen wie „Mariendistel“ oder „Ladyß Milk“.

Schon im 1. Jahrhundert n. Chr. verordnete Dioskurides die Mariendistel bei Vergiftungen; im Jahr 1626 verschrieb der Arzt Matthiolus Mariendistelwurzeln gegen Gelbsucht, Nierensteine und eine „verstopfte Leber“. Inzwischen gehört sie zu den am besten wissenschaftlich untersuchten Heilpflanzen und gilt als unübertroffen für die Behandlung bei Lebererkrankungen.

Botanisches

Die wunderschöne, bis 150 cm hohe, stattliche Korbblütlerin (Unterfamilie Carduoideae) wächst wild in Südeuropa, Westasien und Nordafrika. Ihre großen, auffällig weiß marmorierten, dornig gezackten Blätter bilden im ersten Jahr eine grundständige Rosette und sind unverwechselbar. Die kugeligen, purpurroten Blütenköpfe erinnern an eine Quaste (lat. „silibon“); aus ihnen entwickeln sich die schwarzbraunen, großen Samen mit ihrem seidigen, weißglänzenden Flughaaren (Pappus), der sie Löwenzahnsamen gleich durch die Lüfte segeln lässt.

Anbau und Ernte

Wenn Sie zwischen März und April die Samen der „Frauendistel“ in Ihrem Kräutergarten ausbringen, muss der Boden tief bearbeitet sein; ansonsten benötigt die Mariendistel außer Schneckenschutz wenig Pflege. Wenn die Hüllblätter der Blüten trocknen und die ersten Köpfe ihre weißen Flughaare zeigen, beginnen Sie mit der Ernte der Früchte, sonst fallen sie aus. Zum Nachtrocknen breiten Sie sie auf einem Tuch flach aus und bewahren sie anschließend gut trocken auf.

Wirkungen

Silybum marianum ist die wichtigste Heilpflanze bei Lebererkrankungen und die einzige, die die Leberzellregeneration anregen kann: Die Membranen der Leberzellen werden durch den Wirkstoffkomplex Silymarin stabilisiert, so dass das Eindringen von Giften (Alkohol, Medikamente, Nahrungs- und Umweltgifte) erschwert wird und sogar vorgeschädigte Leberzellen wieder ausheilen können. Sie regt sogar die Neubildung von Leberzellen an, deshalb wird Mariendistel erfolgreich bei toxischen Leberschäden angewendet, und therapiebegleitend bei entzündlichen Lebererkrankungen wie Virus-Hepatiden und bei Schrumpfleber (Leberzirrhose). Sogar bei einer Knollenblätterpilzvergiftung kann der Tod durch den Wirkstoff Silymarin verhindert werden, wenn man diesen nicht später als 24 Stunden nach der Gifteinnahme als Infusion verabreicht! Mariendistel wirkt antioxidativ und verhütet Zellschäden, regt die Gallentätigkeit an und lindert Verdauungsbe-schwerden mit Blähungen oder Völlegefühl. Wer unter Juckreiz leidet, oft müde oder depressiv ist und nachts zwischen 1 und 3 Uhr aufwacht (der „Leberfunktionszeit“), könnte von der leberwirksamen Mariendistel profitieren.

Medizinische Anwendung: Cardui mariani fructus

Inhaltsstoffe: Flavonoide (Silymarin), fettes Öl, Eiweiß und Schleime.

Anwendung, innerlich: Die Samen zur Vorbeugung bei Verdauungsbeschwerden und begleitend bei Gallensteinen, Unterschenkelgeschwüren, Krampfadern, Kopfschmerz und Migräne. Bei Lebererkrankungen nur Fertigpräparate zur Therapie: Toxische (durch Gifte bedingte) Leberschäden, Fettleber. Als Begleittherapie bei Schrumpfleber (Leberzirrhose) und chronisch-entzündlichen Lebererkrankungen.

Kommission E, Samen: Verdauungsbeschwerden. Zubereitungen (Fertigpräparate): Zur unterstützenden Behandlung bei chronisch-entzündlichen Lebererkrankungen und Leberzirrhose (Schrumpfleber).

Tagesdosis: 12-15 g Früchte. Zubereitungen entsprechend 200-400 mg Silymarin. Mariendistel kann und soll über längere Zeit (3-6 Monate) eingenommen werden.

Nebenwirkungen: Selten Stuhlverflüssigung. Gegenanzeigen: Nicht bekannt.

Tee & mehr

Mariendisteltee
4 g (2 TL) Früchte mörsem und mit 1 Tasse kochendem Wasser überbrühen. 15 Minuten ziehen lassen, abgießen. Bei Verdauungsbeschwerden oder leichten Leber-Gallen-Beschwerden morgens und abends ½ Stunde vor den Mahlzeiten trinken, 10 Wochen lang.

Teemischungen

Lebertee (Aufguss)
Je 20 g Artischockenblätter, Mariendistelsamen, Schafgarbenkraut, Fenchelfrüchte, Süßholzwurzel und Pfefferminzblätter; vor der Zubereitung mörsem. 10 Minuten ziehen lassen. 6-8 Wochen lang 3-mal täglich 1 Tasse trinken.

Weitere Zubereitungen Mariendisteltinkur
Die Samen mörsem, in ein Glasge-fäß füllen und im Verhältnis 1:10 mit Alkohol (40%) bedecken. 3 Wochen stehen lassen, regelmäßig schütteln, abfiltem und in Tropffläschchen füllen. Bei Verdauungsbeschwerden, Migräne oder Krampfadern 3-mal täglich 15-25 Tropfen.

Bei schweren Leberstörungen wird die für eine leberentgiftende Wirkung nötige Dosis nicht erreicht. In diesem Fall sollten Sie auf Fertigpräparate zurückgreifen!

Achtung! Tinkturen sind alkoholhaltig – daher nicht bei Leberzirrhose einnehmen (Fertigpräparat wählen)!

Neues Wissen

Eine Langzeitstudie konnte aufzeigen, dass die Überlebenszeit von Patienten mit Leberzirrhose durch Mariendistel tatsächlich verlängert werden konnte, und dass schon nach zwei Therapiewochen eine Besserung des Allgemeinbefindens eintrat: Der Appetit der Patienten steigerte sich, Müdigkeit, Übelkeit, Fettintoleranz und der quälende Blähbauch nahmen ab, die körperliche Leistungsfähigkeit zu.

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