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Meerrettich

Von: Ursel Bühring 04/01/2019
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Geschichte

Meerrettich wird seit dem 12. Jahrhundert in den Klöstern Mitteleuropas angebaut und eroberte von dort aus die Bauerngärten. Der Name weist übrigens nicht auf einen Rettich vom Meeresstrand hin, sondern kommt aus dem Althochdeutschen „mer“ (= größer) und bedeutet „Großer Rettich“. „Kren“, wie die Pflanze in Bayern und Österreich auch genannt wird, ist slawischen Ursprungs und verweist auf seine südosteuropäische Heimat. Übrigens gilt Meerrettich im Volksglauben als Glücksbringer: Ein Stückchen getrocknete Wurzel im Geldbeutel getragen soll bewirken, dass dieser das ganze Jahr über nicht leer wird – einfach mal ausprobieren!

Botanisches

Meerrettich ist eine mehrjährige, ausdauernde Pflanze aus der Familie der Kreuzblütler (Brassicaceae) und heute auf allen Kontinenten heimisch. Aus der walzenförmigen, langen Wurzel mit ihren „Fechser“ genannten Seitenwurzeln entwickeln sich Knospen, aus denen neue Laubtriebe zur Vermehrung sprießen. Die stattliche Pflanze trägt bis 1,5 m lang gestielte, dunkelgrün glänzende, wellige Blätter und einen aufrechten Blutenstand. Im Juli entfaltet sich die reich blühende Blütentraube mit kleinen weißen, essbaren Blütchen, denen die Angehörigkeit zur Familie der Kreuzblütler anzusehen ist: Vier weiße Blütenblättchen sind in der Form eines Kreuzes angeordnet.
Die Frucht ist ein ovales Schötchen.

Anbau und Ernte

Die Meerrettichwurzel gedeiht gut auf mittelschwerem, humosen, tiefgründigen, feucht-sandigen Lehm. Aber Achtung, die Pflanze neigt zum verwildern, und wer sie einmal im Garten hat, wird sie so schnell nicht wieder los! Am besten Sie sperren die Wurzeln in einen großen durchlöcherten Bottich und vergraben diesen im Boden. Oder Sie legen die Fechser schräg in eine 10 cm tiefe Rinne und häufeln diese mit Erde auf, oder auf Baumscheiben unter Steinobst, da halten sie Pilze wie Monilia fern. Beginnen Sie mit der Ernte der kräftigen Hautpwurzel im Herbst, sobald sich das Laub einzieht, dann ist der Gehalt an Senfölen und Vitamin C am höchsten. Ernten können Sie bis Februar. Bewahren Sie die Wurzeln im frostfreien, dunklen Keller in Sand oder Erde eingeschlagen auf, oder frieren Sie sie sauber gewaschen in 5 cm langen Stücken ein. Meerrettich kann in gefrorenem Zustand gut geraspelt werden. Vorsicht beim Reiben der frischen Wurzel: Meerrettich wirkt haut- und schleimhautreizend!

Wirkungen

Die Wurzel enthält viel Vitamin C und Kalium, vor allem aber antibiotisch wirkende Senföle, die über die Niere und Atemwege ausgeschieden werden. Das „Penicillin aus der Küche“ wirkt antimikrobiell gegen verschiedene Bakterien und Pilze, die Infektionen der Harn- und Atemwege hervorrufen.In den Atemwegen lösen die Senföle den Schleim und erleichtern das Abhusten, in der Niere wirken sie harntreibend. Die Senföle regen auch die Bildung von Magensaft an, wirken appetitanregend und fördern eine gute Verdauung. Als pflanzliches Antibiotikum ist Meerrettich mit Kapuzinerkresse zusammen in der Apotheke erhältlich. Äußerlich eingesetzt wirkt die geriebene Wurzel hautreizend, erwärmend und durchblutungsfördernd und dadurch auch krampflindernd.

Medizinische Anwendung: Armoraciae rusticanae radix

Inhaltsstoffe: Schwefelhaltige ätherische Senföle, Rhodanverbindungen, Kalium, Kalzium und reichlich Vitamin C.

Anwendung, innerlich: Erkältungskrankheiten und Infektionen der ableitenden Hamwege. Zur Unterstützung der Verdauung.

Äußerlich: Durchblutungsfördemde Behandlung bei Muskelschmerzen und Neuralgien. Frisch gequetschte Blätter lindern den Schmerz bei Bienenstichen.

Kommission E, innerlich und äußerlich: Katarrhe der Luftwege. Innerlich: Adjuvant (begleitend) bei Infektionen der ableitenden Hamwege. Äußerlich: Hyperämisierende (durchblutungsfördemde) Behandlung bei leichten Muskelschmerzen.

Tagesdosis: 20 g frische Wurzel; Zubereitungen entsprechend.

Nebenwirkungen: Magen-Beschwerden, Schleimhautreizung oder Senfölallergie möglich. Gegenanzeigen: Nicht anwenden bei Magen- und Darmgeschwüren, Nierenentzündung. Nicht bei Kindern unter 4 Jahren.

Zubereitungen

Meerrettichtinktur
Ein 2 cm langes Stück klein geschnittene Wurzel 3 Wochen lang in 50 ml Brandy ziehen lassen, abgießen. Äußerlich anwenden als erwärmendes, leicht hautreizendes Einreibemittel bei Gicht und Rheuma.

Meerrettich-Hustensaft
Ein Stückchen Wurzel grob raspeln, die doppelte Menge Honig zugeben, über Nacht ziehen lassen und durch ein feines Tuch gießen. 3-mal täglich 1/2 -1 TL bei Husten einnehmen, maximal 7 Tage lang.

Meerrettich-Nackenkompresse
1 TL frisch geriebene Meerrettichwurzel in ein Taschentuch einwickeln, so dass auf einer Seite der Meerrettich nur von einer Stofflage bedeckt ist. Mit dieser Seite die Kompresse 2-5 Minuten lang auf den Nacken legen, zwischen den 3. und 6. Halswirbel (Reflexzone für Nasennebenhöhlen). Sobald die Stelle intensives Brennen hervorruft (beim ersten Mal spätestens nach 5 Minuten), die Kompresse entfernen und die gerötete Haut mit einem Pflegeöl einölen. Die Auflage täglich wiederholen, maximal 2-3 Wochen lang, und auch bei guter Verträglichkeit bis höchstens 15 Minuten auf dem Nacken belassen!

Eine Nackenauflage aus Meerettichwurzel hilft bei Nasennebenhöhlenentzündung, Kopfschmerzen oder Migräne, bei Neuralgien, Arthrose, Zahnschmerzen oder Furunkeln.

Achtung! Nicht in die Augen oder auf Schleimhäute bringen.

Altes Wissen

Mitte des 15. Jahrhunderts wurden Meerrettichpflanzen auf dem Schloss Scharfeneck zu Baiersdorf (Bayern) kultiviert. Bald darauf zogen die Bauern durch ganz Bayern, um die als „bayerische Zitrone“ begehrten Wurzeln zu verkaufen. Mancherorts findet man heute noch „Krenweiber“, die von Haus zu Haus ziehen und die Wurzel feilbieten.

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