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Melisse (Zitronen – Melisse)

Von: Ursel Bühring 05/01/2019
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Geschichte

Die Melisse ist eine der ältesten und bekanntesten Heilkräuter und in vielen Kloster- und Kräutergärten zu finden. 1611 führten die Karmeliterinnen den „Klosterfrau Melissengeist“ in Paris ein – das erhöhte ihren Bekanntheitsgrad enorm! Volkstümliche Namen wie „Nervenkräutel“, „Frauenwohl“ oder „Herztrost“ verweisen auf ihre weitreichende Verwendung zur Beruhigung und um Krämpfe zu lindern, bei Herzklopfen, Melancholie und Unterleibsschmerzen. Die Melisse, so sagte man, „macht anmutige Träume, deshalb soll man sie bei der Abendtafel genießen“.

Die Melisse wird auch Zitronen-Melisse genannt, weil ihre herzförmigen Blätter beim Zerreiben so fein nach Zitrone duften. In diesen Duftblättern sitzt die Heilkraft, die schon den alten Römern bekannt war. Damals war die Melisse nicht nur als Heilpflanze gegen Herzkrankheiten und Milzleiden geschätzt, sondern auch als Bienenfutter: „Den Bienen sind keine Blüten lieber als die Melisse“, schrieb Plinius vor 2000 Jahren. Der Name der Melisse, im Volksmund „Bienenkraut“, „Immenblum“ oder „Honigblatt“ (griech. „melissophyllon“) genannt, leitet sich ab von griech. „melissa“ (= honigsüß). Bis heute wird die Melisse von Imkern gern in der Nähe des Stocks gepflanzt, um die Bienen damit anzulocken und ihnen Nektar zu bieten. Bienen markieren nämlich ergiebige Futterquellen mit einem Sekret ihrer Drüsen, das dem Geruch und den Inhaltsstoffen der Melisse ähnelt. Neue Bienenstöcke werden deshalb mit Melisse eingerieben, damit das Volk nicht ausschwärmt. Auch soll von Bienenstichen verschont bleiben, wer Melisse in Händen hält.

Im frühen Mittelalter schrieb die Äbtissin Hildegard von Bingen (1098-1179): „Die Melisse ist warm. Ein Mensch, der sie isst, lacht gerne, weil ihre Wärme die Milz berührt und daher das Herz fröhlich macht“. Sie nannte die Pflanze „Herztrost“ oder „Binsuga“ (= Bienenauge). Paracelsus (1493-1541) wandte sie im Sinne der Signaturenlehre aufgrund ihrer herzförmigen Blätter bei Herzkrankheiten an: „Melisse ist von allen Dingen, die die Erde hervorbringt, das beste Kraut für das Herz; innerlich genossen macht sie fröhlich und erheitert das Herz. Sie erneuert alle Kräfte des Körpers“. 2006 wurde sie zur Heilpflanze des Jahres gewählt.

Botanisches

Dieses duftende Kraut aus der Familie der Lippenblütler (Lamiaceae) stammt aus Südeuropa und dem östlichen Mittelmeergebiet und wurde im 11. Jahrhundert von den Arabern nach Spanien gebracht. Seit Jahrhunderten wird es in unseren Gärten kultiviert.

Die ausdauernde, stark verästelte Pflanze liebt sonnige, windgeschützte Plätze. Sie wird 1 m hoch und trägt, wie es sich für Lippenblütler gehört, vierkantige Stängel mit kreuzgegenständig angeordneten Blättern. Sie sind ei- bis herzförmig, grob gekerbt-gesägt und leicht behaart, die unteren Blätter lang gestielt. Ihre unscheinbaren kleinen Blüten, zu Beginn schwachgelb, später weiß bis leicht bläulich, entfalten sich von Juli bis September und sitzen zu mehreren in Scheinquirlen in den Blattachseln der Stängel; daran sind sie von der Pfefferminze gut zu unterscheiden, deren rosaviolette Blütchen meist ährenartig an den verzweigten Stängelenden sitzen.

Anbau und Ernte

Die Melisse ist anspruchslos in Bezug auf Standortansprüche, Pflege und Klima. Sie gedeiht unkompliziert und prächtig. Aus ihrem flachen, weit verzweigten Wurzelstock treibt sie kurze Ausläufer am Boden. Wenn Sie auf einem humusreichen, durchlässigen Boden in sonniger bis halbschattiger, windgeschützter Lage reichlich Kompost zugeben, steht die Melisse jahrelang und bildet dichte, kräftige Büsche. Sie können die Samen aussäen (sie sind Lichtkeimer, deshalb nicht mit Erde bedecken); einfacher jedoch ist die Vermehrung durch Wurzelstockteilung. Um das Blattwachstum anzuregen, schneiden Sie die Triebe kurz vor der Blüte kräftig zurück.

Der Gehalt der für die Heilkraft verantwortlichen ätherischen Öle ist so gering und die Öle selbst so leichtflüchtig, dass man etwa 7000 kg Pflanzenmaterial für 1 Liter Öl benötigt. Wer Melisse ernten möchte, sollte daher Folgendes beachten. Ernten Sie nur an trockenen Tagen, wenn es die Tage davor sonnig war! Ernten Sie die Melisse, kurz bevor sie zu blühen beginnt, und zwar bei Sonnenschein vormittags zwischen 10 und 11 Uhr, und bei Bewölkung zwischen 12 und 14 Uhr – zu dieser Zeit ist der Gehalt an ätherischen Ölen am höchsten. Schneiden Sie die Stängel handbreit über dem Boden ab und streifen Sie die Blätter direkt nach der Ernte behutsam vom Stängel, ohne sie zu zerdrücken. Nach dem Abstreifen breiten Sie sie auf einem flachen Tuch zum Trocknen aus und bewahren Sie sie, sobald, sie ganz trocken sind, als ganze Blätter gut verschlossen in einem braunen Glasgefäß auf, denn das Aroma verfliegt schnell.

Meistens wird Melisse als Strauß getrocknet, das heißt die Blätter bleiben am Stängel und werden erst nach dem Trocknen abgestreift. Dann aber duften sie kaum noch und riechen allenfalls nach Heu, da sich die wertvollen und extrem leicht flüchtigen Inhaltsstoffe der Melissenblätter während des Trocknungsvorgangs in den Stängel zurückgezogen haben.

Wirkungen

Melisse ist die richtige Heilpflanze für die heutige Zeit. Sie wirkt entspannend und gut gegen Stress und hat sich bestens bewährt als sanfte Medizin für Körper und Seele.

Im Vordergrund stehen die entspannenden und krampfstillenden ätherischen Öle; sie schirmen von allzu starken Außenreizen ab, schenken Entspannung und angenehmen Schlaf, lösen Krämpfe, beruhigen den nervösen Magen, lindern nervöse und psychisch bedingte Herzbeschwerden und stärken das nervöse Herz. Die Bitterstoffe regen die Magen- und Gallensaftproduktion an, fördern die Verdauung und lindern Blähungen. Die nervenberuhigende, krampflösende und aufheiternde Wirkung der Melisse und die Linderung bei Menstmationsbeschwerden, Kopfschmerzen, Depressionen und Erkältung führt man auf die Komposition der Inhaltsstoffe zurück. Neuere Studien zeigen auch, dass Melisse das Gedächtnis unterstützt. Melisse wirkt, äußerlich angewendet, antibakteriell und virenhemmend, kann Hautunreinheiten beseitigen und ist als Dampfbad wirksam gegen fettige Haut. In den letzten Jahrzehnten erst wurde die spezifische Hemmwirkung der Melissenblätter gegen das Herpessimplex-Virus entdeckt, den Auslöser des Lippenherpes (Herpes labialis) : Melisse verhindert das Andocken der Viren an die Zellen, ohne die Zelle zu zerstören, wie es die gängigen Virustatika gegen Lippenherpes tun! Die sehr guten Ergebnisse bei der Abheilungsquote und die gute Verträglichkeit führten zur Entwicklung eines wirksamen Melissenspezialextrakts. Man kann aber auch den Pflanzenfrischsaft direkt auf die betroffene Stelle auftragen.

Medizinische Anwendung: Melissaefolium

Inhaltsstoffe: 0,02-0,2% ätherische Öle (mit Citral, Citronellal und Caryophyllen), Flavonoide, Bitterstoffe und Phenolsäuren CRosmarinsäure).

Anwendung, innerlich: Mildes Beruhigungsmittel (Phytotranquilizer) bei nervösen Herzbeschwerden, Reizüberflutung und Einschlafstörungen. Bei nervösen Magen- und Darmstörungen und leichten Darmkatarrhen, Blähungskoliken, Brechreiz, sehr gut in Kombination mit Pfefferminze. Bei Einschlafstörungen sind Kombinationen mit anderen beruhigenden Pflanzen empfehlenswert (z. B. Hopfen und Baldrian). Äußerlich: Einreibungen mit „Melissengeist“ bei Rheuma, Nerven- und Kopfschmerzen oder Migräne; abends an den Schläfen aufgetragen zur Entspannung und bei Schlafstörungen. Salbe mit Melissenextrakt gegen Lippenbläschen (Herpes labialis). Entspannendes Vollbad.

Tagesdosis: 1,5-4,5 g Blätter als Aufguss.

Kommission E: Nervös bedingte Einschlafstörungen, funktionelle Magen-Darm-Beschwerden.

Nebenwirkungen/Gegenanzeigen: Nicht bekannt.

Tee & mehr

Melissentee
1-2 TL getrocknete Melissenblätter mit 1 Tasse heißem, nicht mehr kochendem Wasser übergießen, bei geschlossenem Deckel 7 Minuten ziehen lassen (damit die heilkräftigen, aber sehr leicht-flüchtigen ätherischen Öle nicht mit dem Wasserdampf verloren gehen) und abgießen. Die Kondenstropfen am Deckel, die stark mit ätherischen Ölen angereichert sind, in den Tee abstreifen. Nach dem Abendessen und vor dem Schlafengehen je 1 Tasse trinken, bei Bedarf mit Honig gesüßt. Frischer Sommermelissentee ist ein wohlschmeckender Durstlöscher und wird aus frischen Blättern zubereitet (2-3 TL auf 1 Tasse Wasser), mit Honig und Zitrone verfeinert und kalt getrunken.

Teemischungen

Einschlaftee (Aufguss)
40 g Melissenblätter mit je 20 g Hopfenzapfen und Rosenblüten und je 10 g Lavendelblüten und Honigkleekraut. 7 Minuten ziehen lassen. 4-6 Wochen lang 3-mal täglich 1 Tasse trinken.

Nervöse Magenbeschwerden (Aufguss)
Je 25 g Melissen- und Pfefferminzblätter, Fenchelsamen und Gänse-Fingerkraut. 7 Minuten ziehen lassen. Nach Bedarf 3-mal täglich 1 Tasse trinken.

Nervöse Herzbeschwerden (Aufguss)
Je 30 g Melissen- und Weißdornblätter und Herzgespannkraut sowie 10 g Rosenblütenblätter. 7 Minuten ziehen lassen. 8 Wochen lang 3-mal täglich 1 Tasse trinken.

Weitere Zubereitungen

Melissenvollbad
60-100 g Melissenblätter (eventuell mit Lavendelblüten gemischt) mit 11 heißem Wasser übergießen, 10 Minuten ziehen lassen und abgießen. Den Aufguss ins 38 °C warme Badewasser geben und 10-15 Minuten genüsslich baden. Das Bad wirkt entspannend; danach sollten Sie eine Ruhepause einlegen.

Frischpflanzenauszug
50 g frische, klein gezupfte Melissenblätter in ein gut verschließbares Glas geben und mit 200 ml Wodka (45%) übergießen. Das Glas verschlossen 3 Wochen lang stehen lassen, täglich schütteln und danach in Tropffläschchen abfiltem. 3-mal täglich 15-20 Tropfen einnehmen, oder einmalig 30 Tropfen abends vor dem Schlafen.

Mit einem Frischpflanzenauszug erhalten Sie den Duft und das volle Aroma der Pflanze. Weil ätherische Öle in Alkohol besser als in Wasser gelöst werden, hat er eine stärkere Wirkung als der Tee.

Melissengeist
Je 10 g Melissen- und Pfefferminz-blätter, Anissamen, Bitterorangen-schalen, Alant-, Engelwurz-, Galgant- und Ingwerwurzeln, 5 Gewürznelken, 5 Kardamomkapseln, 2 Muskatblüten (Macis), 1 Zimtstange und die Schale von 2 unbehandelten Zitronen. Alles zusam-men gut zerkleinert in 500 ml Wodka oder Gin (45%) 8 Wochen ziehen lassen, danach abgießen.

Melisse bei Lippenherpes
Für die grüne Gartenapotheke zerreiben Sie die frischen Melisse-blätter zwischen den Fingern und tupfen den austretenden Melissenfrischsaft 10- bis 30-mal täglich vorsichtig direkt auf die beginnenden Herpesbläschen auf. Nicht einreiben, nur vorsichtig auftupfen, und anschließend die Hände waschen! Wenn Sie bei den ersten Beschwerdeanzeichen mit der Behandlung beginnen, verkürzt das den Krankheitsverlauf.

Melisse als gesunde Delikatesse
Die duftenden Melissenblätter aromatisieren Speisen aufs Köstlichste. Mit Melissenblättern marinierter Zitronensaft eignet sich zum Würzen von Desserts wie Obstsalaten oder um Sorbets herzustellen, um Marmeladen einen zitronenartigen Geschmack zu verleihen oder um Kräuterliköre wie Chartreuse oder Benedictine herzustellen. Aromatisieren Sie Getränke, indem Sie einfach einen frischen Strauß Melisse 2-3 Stunden in Apfelsaft, Orangensaft, Weiß- oder Rotwein hängen. Salute!

Neues Wissen

Im 16. Jahrhundert nannte man die Melisse „Geistesbeschleuniger“. Kürzlich konnten Forscher nachweisen, dass Zitronen-Melisse tatsächlich die Denkleistung erhöht und erwägen ihren Einsatz für Patienten, die an Demenz leiden. In Laborversuchen stellten die Forscher fest, dass die Pflanze die Freisetzung von Azetylcholin fördert, das bei Alzheimer-Patienten nur in geringen Mengen vorhanden ist. In den Versuchen, bei denen Probanden Kapseln mit getrocknetem Pflanzenextrakt verabreicht wurde, konnte nachgewiesen werden dass sich die Gehirnleistung eindeutig verbesserte. Melisse ist also eine Pflanze mit Zukunft!

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