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Mutterkraut

Von: Ursel Bühring 05/01/2019
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Geschichte

In der Antike wurde das Mutterkraut bei Gebärmutterleiden, Menstruationsbeschwerden und zur Geburtserleichterung verwendet. Darauf weist sein deutscher Name hin und auch das griechische „parthenos“ (= Mädchen, Jungfrau). Im 8. Jahrhundert ordnete Kaiser Karl der Große an, Mutterkraut in den Gärten anzupflanzen. Seit dieser Zeit ist es bekannt als Mittel gegen Kopfschmerzen und Migräne, bei Arthritis und rheumatischen Erkrankungen. Im Jahre 1772 schrieb der englische Apotheker John Hill in seinem Buch „The Family Herbai“: „Beim schlimmsten Kopfschmerz übersteigt dieses Kraut alles was man sonst kennt…“. Die aromatische Pflanze ist als Heilpflanze in Deutschland noch wenig bekannt, in Großbritannien 1 und der Schweiz sehr verbreitet. In letzter Zeit wurde sie bei uns in klinischen Studien untersucht und wird seitdem in der Behandlung der Migräne immer populärer.

Botanisches

Ursprünglich stammt das Mutterkraut aus dem Orient und dem östlichen Mittelmeergebiet, wächst aber inzwischen in ganz Europa. Der bis 60 cm hohe Korbblütler (Asteraceae) strömt einen herbaromatischen Duft aus. Die fiederlappigen Blätter ähneln Astern- oder Rainfamblättern. Von Juni bis August zeigen sich goldgelbe Blütenköpfchen mit zahlreichen Röhrenblüten, umgeben von 12-15 weißen Zungenblüten mit 3 runden Zähnchen an der Spitze.

Anbau und Ernte

Am besten besorgen Sie sich eine Pflanze im Fachhandel – sie wird problemlos gedeihen. Zur medizinischen Verwendung ernten Sie im Juni oder Juli die Blüten mit den Blütentrieben. Sie können sie frisch verwenden oder auch trocknen, entweder rasch im Schatten oder in dünner Schicht auf feinen Tüchern, damit möglichst wenig der ätherischen Öle verloren gehen; anschließend bewahren Sie sie gut verschlossen auf.

Wirkungen

Chrysanthemum parthenium weist als „Bitterpflanze“ krampflösende, verdauungsfördernde und kräftigende (tonisierende) Eigenschaften auf, wirkt entzündungshemmend und menstruationsregulierend und senkt auch Fieber. Das Hauptanwendungsgebiet ist aber die Migräne, vor allem hormonell bedingte Migräne. Mutterkraut hemmt das Zusammenklumpen der Blutplättchen (Thrombozytenaggregation) und verbessert damit die Fließeigenschaften des Blutes. Es hemmt die Produktion von Prostaglandinen, die Entzündungen hervorrufen, und führt zur verminderten Freisetzung der Botenstoffe Serotonin und Histamin. Das wirkt sich ebenfalls entzündungshemmend und krampflindernd aus und vermindert Häufigkeit und Schwere der Migräneanfälle sowie deren Begleiterscheinungen wie Schwindel, Übelkeit oder Erbrechen. Mutterkraut hat sich besonders zur vorbeugenden Einnahme bewährt.

Medizinische Anwendung: Chrysanthemi parthenii herba

Inhaltsstoffe: Ätherische Öle, Sesquiterpenlaktone (Parthenolid, ein Serotoningegenspieler), Bitter- und Gerbstoffe, Flavonoide.

Anwendung, innerlich: Kopfschmerz, Migräne (bei Migräne mindestens 2 Monate lang einnehmen), Verdauungsstörungen, fiebrige und rheumatische Erkrankungen, Gelenkentzündung (Arthritis). In der Volksmedizin bei schmerzhafter Menstruation, Wehenschwäche sowie als Tonikum.

Kommission E: Keine Monographie erstellt.

Tagesdosis: 1 g getrocknetes Kraut (entspricht 3 Tassen Tee).

Nebenwirkungen: Allergien möglich. Gegenanzeigen: Nicht anwenden bei Kontakt- und Korbblütlerallergie, nicht in der Schwangerschaft.

Tee & mehr

Mutterkrauttee
1 TL getrocknetes Kraut mit 1 Tasse heißem Wasser überbrühen und bedeckt 7 Minuten ziehen lassen. Zur Vorbeugung bei Migräne, schmerzhafter Menstruation oder zur Menstruationsregulierung 3-6 Wochen lang 3-mal täglich 1 Tasse trinken. Als Einzelgabe bis zu 3 Tassen bei Beginn einer Migräne oder bei starken Kopfschmerzen. In der Volksmedizin bei schmerzhafter Menstruation täglich 1 Glas Tee nüchtern trinken. Sie können auch das getrocknete Kraut pulverisiert einnehmen: 3-mal täglich 1 Prise auf 1 TL Honig gestreut einnehmen.

Teemischungen
Kopfwehtee (Aufguss)
Je 20 g Mutterkraut, Mädesüßblüten, Zitronen-Melisse- und Pfefferminzblätter und je 10 g Orangenblüten und Waldmeisterkraut. 10 Minuten ziehen lassen. Bei Bedarf 1-3 Tassen täglich trinken.

Weitere Zubereitungen

Frischpflanzentinktur
Die blühenden Triebe klein schneiden und damit ein Glasgefäß locker zu zwei Drittel füllen. Mit Alkohol (45%) auffüllen, täglich schütteln und nach 3 Wochen abgießen. Zur Migränevorbeugung 3-mal täglich 15-25 Tropfen in Wasser oder Tee verdünnt vor der Mahlzeit einnehmen, am besten als Kur wie bei der Frischblattanwendung.

Frischblattanwendung
Zur Migränebehandlung 4 Wochen lang täglich ein 1-Eurogroßes Mutterkrautblatt auf einem kleinen Stück Butterbrot (resorptionsfördernd) essen. Anschließend 4 Wochen Pause einlegen. Diesen Turnus können Sie zweimal wiederholen, so dass innerhalb eines halben Jahres 3 Monate lang täglich je 1 Blatt gegessen wird. Danach ein halbes Jahr Einnahmepause machen und bei Bedarf die Frischblattkur ein weiteres halbes Jahr lang durchführen. Erfahrungsgemäß stellt sich häufig spätestens nach einem Jahr eine deutliche Besserung der Beschwerden ein: Längere Intervalle zwischen den Anfällen und weniger heftige Schmerzen.

Neues Wissen

Neuerdings wird Mutterkraut in klinischen Untersuchungen getestet, um die Wirksamkeit bei Migräne zu belegen. Dabei konnte eindeutig nachgewiesen werden, dass sich nach viermonatiger Behandlung mit Partheniumextrakten in 50% der Fälle Anzahl und Intensität der Migräne signifikant verminderten, genauso wie die damit verbundenen Begleiterscheinungen Schwindel, Übelkeit und Erbrechen (Seite 320).

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