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Nachtkerze, Gewöhnliche

Von: Ursel Bühring 06/01/2019
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Geschichte

Die Nachtkerze stammt ursprünglich aus Nordamerika. Erst zu Beginn des 17. Jahrhunderts kam sie als „blinder Passagier“ an Bord eines Woll-Frachtschiffes auf europäischen Boden. Die Wolle war mit Erde bedeckt worden, damit der Seewind sie nicht wegblasen konnte, und darin befanden sich Unmengen an Samen von Oenothera. Bald darauf wuchsen unzählige Nachtkerzen in der Umgebung englischer Hafenstädte, und auch der Eisenbahnbau trug zu ihrer Verbreitung bei, denn Bahndämme, aus Sand und Schotter aufgeschüttet, bilden einen idealen Standort für die Pflanze.

1612 wurde sie erstmals im berühmten Botanischen Garten zu Padua angepflanzt und erfreute dort staunende Besucher mit ihrer nächtlichen Blütenpracht. Zunächst fand sie als Zierpflanze, erst später als Küchengewächs große Verbreitung.

Die Indianer Nordamerikas verwenden die Nachtkerze schon seit langem als Heilpflanze. Bei den Algonkin-Indianern finden sich erste Hinweise auf die heilenden Eigenschaften des Nachtkerzenöls: Sie zerstampften die ölhaltigen Samen zu einem Pflanzenbrei und nutzten ihn für Hautausschläge oder um eine jugendlich straffe Haut zu erhalten. Auch heute noch verkochen die Indianer das Kraut mit Honig zu einem Hustenelbder oder lassen die ganze Pflanze in Wasser aufquellen und bereiten daraus Breiumschläge, die sie auf Wunden, Quetschungen und Prellungen legen. Blühende Sprossspitzen setzen sie als entzündungshemmenden und krampflösenden Aufguss bei Magen-, Darm- und Bronchialkrämpfen ein. Gegen Fettsucht brauen sie einen Tee, bei Hämorrhoidalleiden applizieren sie heißen Wurzelbrei. Von den nahrhaften Nachtkerzensamen legen sie Jahr für Jahr einen großen Vorrat an und streuen sie über die tägliche Nahrung.

1649 berichtete der britische Arzt und Botaniker Nicholas Culpeper von der Anwendung der Nachtkerze bei Frauenleiden und in der Wundheilung; in England nannte man daraufhin Oenothera aufgrund ihrer vielfältigen Anwendungsmöglichkeiten „Allheilmittel des Königs“. Aber erst die moderne Forschung entdeckte die Heilkräfte des Samenöls als Lieferant der äußerst wertvollen, lebensnotwendigen Y-Linolensäure vor allem bei Hauterkrankungen.

Botanisches

Die Nachtkerze gehört zur Familie der Nachtkerzengewächse (Onagraceae), die mehr als 20 Gattungen umfasst. Als Verwandte dieser Familie kennen Sie vielleicht das Weidenröschen (Epilobium), die Fuchsie (Fuchsia) oder das Hexenkraut (Circaea). Die Heimat der Nachtkerze ist Nordamerika, Kanada und Mexiko. Inzwischen aber ist die genügsame Pflanze über ganz Europa bis weit nach Asien verbreitet; sie wächst bevorzugt an trockenen steinigen Wegböschungen, Steinbrüchen und an Bahndämmen, und neuerdings auch in vielen Gärten.

Oenothera ist zweijährig und entwickelt im ersten Jahr aus einer essbaren, fleischigen Pfahlwurzel eine dichte Blattrosette mit länglichen, verkehrt eiförmigen bis lanzetüich zugespitzten Blättern, die eine auffällige, hellrosa glänzende Mittelrippe tragen. Erst im zweiten Jahr bildet sich ein kräftiger, bis 150 cm hoher Blütenstängel, der an der Spitze eine reichblütige Traube mit vielen, bis zu 5 cm großen Blutenknospen entwickelt.

Tagsüber wirkt die Pflanze eher unscheinbar; kurz vor der Dämmerung jedoch beginnt das einzigartige Erlebnis: Die Blüten öffnen sich innerhalb weniger Minuten, und Sie können dabei Zusehen. Zuerst stellen sich die 4 Blütenblätter wie Windmühlenflügel auf und breiten sich anschließend in einer weichen Gebärde zu einer offenen Schale aus. Die Blüten leuchten die ganze Nacht hindurch strahlend gelb, fast fluoreszierend, und locken mit ihrem vanilleartig wohlriechenden Duft heimische Nachtfalter an, die sich am Nektar laben und die Blüte bestäuben.

Am nächsten Tag fällt die Blüte ab, aber unzählige Knospen werden den ganzen Sommer hindurch neu gebildet, die Abend für Abend weitere Blüten zur Entfaltung bringen.

Der Eigenschaft, ihre Blüten erst bei Beginn der Dämmerung zu öffnen, verdankt die Nachtkerze ihren deutschen Namen. Der eigentliche Schatz der Pflanze aber verbirgt sich in den vierkantigen Fruchtkapseln: Sie enthalten je etwa 200 schwarzbraune Samenkörnchen, 1-2 mm groß, aus denen das hochwertige Samenöl mit der wertvollen y-Linolensäure gewonnen wird. Nachtkerzenöl ist eine große Kostbarkeit, denn es sind ungefähr 20000 Samen nötig, um ein einziges Gramm y-Linolensäure daraus zu gewinnen!

Anbau und Ernte

Wollen Sie die Nachtkerze als Wurzelgemüse anbauen, sollten Sie tiefgründige, lockere Böden bevorzugen. Dort kann sie bis zu 30 cm lange, gerade Wurzeln ausbilden. Schon allein ihres Duffes und des abendlichen Schauspiels wegen sollte sie in Hausnähe stehen.

Für heilkundliche Zwecke wird die Nachtkerze auf trockenen, sandigen Böden kultiviert. Ein Hektar Anbaufläche bringt eine Ernte von etwa 1 600 kg Samen. Durch kaltes Auspressen der reifen Samen wird das fette Öl gewonnen. In einem neuen Verfahren wird das Öl unter hohem Druck mit Hilfe natürlicher Kohlensäure gewonnen, wobei die Qualität des Öles am ehesten erhalten bleibt.

Die Sammelzeit der arzneilich verwendeten Samen ist September und Oktober; nach beendeter Blüte, wenn die Samen vollreif, schwarz und hart sind. Für die Hausapotheke können Sie es den Indianern nachmachen – einen Vorrat an Samen anlegen und sie jeweils frisch gemörsert über die Nahrung streuen. Zur Therapie aber sollten Sie zu Fertigpräparaten greifen.

Wirkungen

Nachtkerzensamen enthalten ein fettes Öl mit bis zu 70% an Linolsäure und 10-25% y-Linolensäure, die vor allem entzündungshemmend wirkt und das Immunsystem unterstützt. Diese langkettigen essenziellen Fettsäuren sind für den menschlichen Organismus unentbehrlich. Weil Nachtkerzenöl einen so hohen Gehalt an biologisch gut verwertbarer Linolensäure enthält, unterstützt es die Therapie von Erkrankungen, die mit einem erhöhten Bedarf bzw. einem Mangel an diesen Fettsäuren verbunden sind. Besonders gute Wirksamkeit konnte bei Neurodermitis und bei empfindlicher, trockener und alternder Haut erzielt werden. Auch allergisches Asthma, das häufig einhergeht mit Neurodermitis und anderen Allergien, wird positiv beeinflusst, ebenso rheumatische Arthritis, Herz-Kreislauf-Störungen, Hyperaktivität bei Kindern und in manchen Fällen auch Multiple Sklerose.

Vielen dieser Krankheiten liegt eine Störung der Prostaglandinbildung zugrunde, die durch einen Mangel y-Linolensäure ausgelöst wird. Daher sprechen auch so viele unterschiedliche Erkrankungen positiv auf die Behandlug mit Nachtkerze an. Eine der Hauptaufgaben der y-Linolensäure besteht darin, Prostaglandine zu bilden, das sind hormonähnliche, physiologisch hochwirksame Substanzen, die an der Steuerung fast aller Organ- und Lebensfunktionen beteiligt sind. Prostaglandin ist notwendig für die Regulierung von Herz-Kreislauf – System, Blutdruck, Cholesterinspiegel, Immunsystem und die Wirksamkeit des Insulins. Auch an der Zellentstehung, am Zellwachstum und an der Erhaltung gesunder Haut ist Prostaglandin beteiligt; zudem übt es eine regulierende Wirkung auf die weiblichen Sexualhormone aus. Mangelerscheinungen mit Infektanfälligkeit, Entzündungs- und Allergiebereitschaft können auftreten, wenn die Bildung von y-Linolensäure im Körper gehemmt wird, zum Beispiel durch ungesunde Ernährung, durch Nikotin- oder Alkoholmissbrauch, Stress, Alterungsprozesse, Bewegungsarmut oder Virusinfektionen, oder auch durch das Fehlen des zur Bildung von y-Linolensäure nötigen Enzyms. Dieser Mangel kann gezielt durch Nahrungsergänzung mit y-Linolensäure ausgeglichen werden, beispielsweise aus dem Samenöl von Nachtkerze, Borretsch oder Schwarzer Johannisbeere. y-Linolensäure kommt in großen Mengen ansonsten nur in der Muttermilch vor.

Nachtkerzenöl kommt als diätetisches Lebensmittel zur Anwendung und kann bei einem entsprechenden Krankheitsbild von der Krankenkasse erstattet werden.

Medizinische Anwendung: Oleum oenotherae semen

Inhaltsstoffe: Fettes Öl mit bis zu 80% mehrfach ungesättigten Fettsäuren: 71,5% Linolsäure, 9% y-Linolensäure, Ölsäure, 6,5% Palmitinsäure, Stearinsäure, Myristinsäure, Arachinsäure, Palmitoleinsäure. Anwendung, innerlich und äußerlich: Neurodermitis, prämenstruelles Syndrom. Als Begleittherapie bei allergischem Asthma, entzündlich-rheumatischer Arthritis, Herz-Kreislauf-Störungen, bei Hyperaktivität der Kinder und zur Pflege und Behandlung empfindlicher, trockener und alternder Haut.

Kommission E: Wurde von der Kommission E nicht abschließend beurteilt. Wegen der großen Bedeutung wurde aber ein Pflanzenprofil erstellt.

Tagesdosis: Ein spürbarer und sichtbarer therapeutischer Effekt zeigt sich erst ab 240-320 mg y-Linolensäure pro Tag nach längerer Einnahme (4-12 Wochen).

Nebenwirkungen: Überdosierungen sind nicht bekannt. Nachtkerzenöl kann auch in der Schwangerschaft und Stillzeit eingenommen werden. Bei innerer Anwendung ganz selten Übelkeit, Verdauungsstörungen, Hautausschläge, Kopfschmerzen.

Achtung! Wechselwirkungen von Nachtkerzenöl mit anderen Mitteln wurden bei Epileptikern bei Einnahme von Phenothiayinen bekannt. Epileptikern ist daher von der Anwendung abzuraten.

Gegenanzeigen: Bei Säuglingen und Kleinkindern unter 1 Jahr nicht innerlich anwenden!

Von der Nachtkerze wird medizinisch nur das Samenöl verwendet, in Form von Kapseln oder im Fläschchen (Apotheke). Es ist auch als Mischung erhältlich, zum Beispiel mit Cistrose gegen Milchschorf der Babys (Seite 336). Teezubereitungen sind nicht üblich.

Zubereitungen

Nachtkerzenöl
Nachtkerzenöl wird sowohl innerlich als auch äußerlich – zum Einreiben betroffener Stellenangewendet. Zur Pflege der Haut das Öl auf die noch feuchte Haut auftragen und leicht einmassieren.

Nachtker zenölbad
Ein Ölbad mit Nachtkerzenöl zur unterstützenden Therapie bei trockenen Hauterkrankungen bereiten Sie ohne emulgierende Zusätze zu: Geben Sie den Inhalt von 1-2 Kapseln ins eingelaufene Badewasser; dabei schwimmt das Öl als Fettschicht auf der Oberfläche und legt sich beim Aussteigen aus der Badewanne als ein schützender Film über die ganze Haut. Jetzt aber bitte nicht abtrocknen und damit das kostbare, schützende Öl abreiben, sondern nackt „trockenlaufen“ – so wird die Nachtruhe ungestörter.

Nachtkerze für die Küche
Die im ersten Jahr entwickelte Wurzel ist fleischig, zart und äußerst schmackhaft, sie wird zubereitet und schmeckt auch wie Schwarzwurzeln: Bürsten Sie sie sauber und kochen Sie sie 20 Minuten in Gemüsebrühe. Frisch geerntet können Sie sie wie Möhren roh raspeln. Aus den jungen Blättern können Sie ein zartes, wohlschmeckendes Gemüse zubereiten, dem Blattspinat ähnlich, oder Sie geben die Blätter Salaten bei. Die duftenden Blüten eignen sich als essbare Dekoration für eine Abendeinladung: Verzieren Sie Salate, pikante Häppchen oder Desserts damit. Frisch oder getrocknet nutzt man in der Volksheilkunde die Blüten für einen fein duftenden Tee, der sich mit Minzen- oder Melissenblättern gut kombinieren lässt. Die Samen galten in Kriegszeiten als eine Art Kaffeeersatz, heutzutage nutzt man das kaum mehr.

Neues Wissen

Nachtkerzenöl hat sich bestens bewährt zur Linderung der typischen Symptome bei Neurodermitis. In vielen Fällen kommt es zu einer beträchtlichen Besserung der quälenden Hautsymptomatik und Allergien, oder sogar zum Stillstand des Krankheitsverlaufes.

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