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Pfefferminze, Echte

Von: Ursel Bühring 06/01/2019
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Geschichte

Die Minze ist Götterwerk, wenn man der griechischen Mythologie glauben darf. Als Pluto, der Herrscher der Unterwelt, die hübsche Nymphe Minthe liebte und seine Frau Persephone diese heimliche Liebe entdeckte und auf Rache sann, rettete Pluto die Nymphe, indem er sie in ein aromatisches Kraut verwandelte. Persephone aber zerriss es in wahnsinniger Eifersucht in 1000 Stücke, und so entstanden die verschiedenen Minzen – Botaniker zählen mehr als 2000 Arten in dieser duftenden Pflanzenfamilie! Der Mönch Walahfried Strabo nimmt im 9. Jahrhundert in seinem berühmten „Hortulus“ darauf Bezug: „Nimmer fehle mir auch ein Vorrat gewöhnlicher Minze, so verschieden nach Sorten und Arten, nach Farben und Kräften … Wenn aber Einer die Kräfte und Arten und Namen der Minze samt und sonders zu nennen vermöchte, so müßte er gleich auch wissen, wie viele Fische im roten Meere wohl schwimmen …”

Die Minze war schon immer ein hochgeschätztes Kraut: Sie galt in biblischen Zeiten als Zahlungsmittel. Orientalische Herrscher legten sie als Zeichen der Freundschaft in ihre Schriftrollen und Ägypterinnen brachten auf einem Lager aus heilsamer Minze ihre Kinder zur Welt. In der Antike rieb man die Tische mit frischen Minzblättern ein, um die Fleischeslust anzuregen und die Liehe zu entfachen – laut Dioskurides wurde die Minze „Krone der Aphrodite“ genannt, denn Minzen wie M. wtundifolia und M. silvestris nahm man früher zum Bekränzen von Braut und Bräutigam. Der mittelalterliche Kräuterbuchautor Mattioli versicherte, dass die Minze den männlichen Samen stärke. Bis heute gilt Pfefferminze als ein anregendes Mittel gegen mangelndes Lustempfinden. Maurice Messegue, ein französischer Pflanzentherapeut des 20. Jahrhunderts, verordnete zur Herstellung „erotischer Harmonie“ einen Tee aus Minze und Bohnenkraut, der Wunder wirken sollte.

In den alten und berühmten Kräuterbüchern von Leonhart Fuchs (1501-1566), Adam Lonitzer (1528-1586) oder in dem 1613 erschienenen botanischen Werk Hortus Eystettensis („Der Garten von Eichstätt“) ist die Pfefferminze nicht zu finden, denn es gab sie damals noch gar nicht. Wahrscheinlich entstand sie erst im 17. Jahrhundert als eine spontane Kreuzung aus drei verschiedenen Minzearten. Diesen „natürlichen Dreifach-Bastard“ entdeckte der Biologe John Ray 1696 in einem englischen Garten und nannte ihn wegen seines scharfen Geschmacks „Peppermint“ (= Pfefferminze). 2004 wurde die Pfefferminze zur Arzneipflanze des Jahres gewählt.

Botanisches

Die Pfefferminze gehört zur Familie der Lippenblütler (Larüiaceae). Es gibt mehr als 25 verschiedene Minzearten und vermutlich um die 600 Sorten, und jede Pflanze bietet eine andere Variante des pfeffrig-fruchtigen Duftes. Die Echte Pfefferminze (Mentha x piperita) entstand vor mehr als 300 Jahren als eine spontane Kreuzung aus der Wasser-Minze (Mentha aquaticd) und der Ähren-Minze (Mentha spicata subsp. spicatd). Die Echte Pfefferminze vermehrt sich vorwiegend durch unterirdisch kriechende Ausläufer und wird bis zu 90 cm hoch. Der meist kahle, vierkantige Stängel ist im oberen Teil verzweigt und trägt die beliebten tiefgrünen, kreuzgegenständigen Blätter, lanzettlich spitz mit einem scharf gesägten Rand, die beim Zerreiben so charakteristisch nach Menthol duften. An den meist rötlich überlaufenen Sprossen sitzen die kleinen lilarosafarbenen Blüten in dichten, länglichen, endständigen Scheinähren und verströmen ihren erfrischenden Minzeduft.

Anbau und Ernte

Die Pfefferminze liebt es warm und sonnig bis halbschattig. Der Boden darf nicht trocken sein, ansonsten gedeiht sie ohne Zutun. Sie wuchert und breitet sich in alle Richtungen aus, deshalb sollten Sie sie in einem großen Behälter ins Beet pflanzen.

Die Echte Pfefferminze ist als „Bastard“ nicht samenecht; Nachkommen, die aus solchen Samen entstanden sind, können ganz unterschiedlich ausfallen. Vermehrt wird deshalb durch Ausläufer mit 3-4 „Augen“, dann gedeiht sie gut. Für die medizinische Verwendung warten Sie mit der ersten Ernte, bis die Stängel 15 cm hoch sind und sich die ersten Blutenknospen zeigen. Dann schneiden Sie das Kraut handbreit über dem Boden ab, und zwar zur Mittagszeit bei Sonnenschein, da ist der Anteil an ätherischen Ölen in den Blättern am höchsten. Die Blätter zupfen Sie vom Stängel ab, trocknen sie rasch und schattig und bewahren sie aromageschützt als ganze Blätter auf, so bleiben die kostbaren ätherischen Öle optimal erhalten.
Für die Küche können Sie junge Blätter und Triebspitzen laufend ernten.

Wirkungen

Schon lange ist die gallenfördemde und krampflösende Wirkung der Minze bekannt. Nichts ist einfacher, als nach einem üppigen Essen frische Minzeblätter zum Tee aufzubrühen, den erfrischenden Duft einzuatmen und ein Tässchen zu genießen. Pfefferminzblätter enthalten neben ihren ätherischen Ölen mit dem Hauptbestandteil Menthol auch Flavonoide, Bitter- und Gerbstoffe. Mit dieser Wirkstoffkombination lösen sie Krämpfe an der glatten Muskulatur des Verdauungstraktes und lindern Blähungen. Menthol blockiert die Schmerzrezeptoren der Magenschleimhaut, deshalb wirkt Pfefferminze schmerzlösend bei krampfartigen Magen-Gallen-Beschwerden. Außerdem fördert sie die Sekretion der Verdauungssäfte und bewirkt eine Erhöhung der Gallenproduktion. Sie ist also ein wichtiges Mittel für die Verdauung, vor allem weil sie auch gärungshemmend und antiseptisch wirkt (Menthol ist keimhemmend) – das geniale Mittel also bei „verdorbenem Magen“, oder wenn einem etwas „wie ein Stein im Magen liegt“. Wenn Übelkeit und Erbrechen dazu kommen, wirkt Pfefferminze leicht betäubend auf die Magenschleimhäute und lindert den Brechreiz, auch bei Reiseübelkeit und Schwangerschaftserbrechen. Bei Schluckauf und bei Kopfschmerzen hat sich ein doppelt starker Pfefferminztee bewährt. Aber so gern Pfefferminztee getrunken wird, er sollte kein Dauerteegetränk sein! Menthol stimuliert die Bildung von Magensäure und kann auf Dauer zu Magenschmerzen führen. Als Ersatz kann die Krause Minze (M. spicata var. crispd) getrunken werden, eine Kulturform der Pfefferminze, die weniger scharf ist und anstelle von Menthol Carvon enthält.

Das ätherische Pfefferminzöl wird in Form dünndarmlöslicher Kapseln auch zur Behandlung des Reizdarms eingesetzt, der vermutlich auf eine gestörte Empfindlichkeit und Beweglichkeit des Darmtraktes zurückzuführen ist. Äußerlich werden Zubereitungen mit Pfefferminzöl für Inhalationen und Einreibungen verwendet bei Katarrhen der Atemwege und Schleimhautentzündungen im Mund-Rachen-Bereich. Bei der äußerlichen Anwendung von Pfefferminzöl, bei Muskel- und Nervenschmerzen sowie bei Kopfschmerzen übt Menthol auf die Haut einen Kältereiz aus und wirkt dadurch schmerzlindernd.

Medizinische Anwendung: Menthae piperitae folium/ aethereoleum

Inhaltsstoffe: Bis 4% ätherisches Öl (davon 35-50% Menthol), Flavonoide, Bitter- und Gerbstoffe.

Anwendung, innerlich: Krampfartige Magenbeschwerden und Gallenleiden, verdorbener Magen, Übelkeit, Erbrechen, Schluckauf, nervöse Magen-Darm-Krämpfe, Kopfschmerzen. „Trockene Inhalation“ (siehe Seite 203) bei Schnupfen.

Kommission E: Krampfartige Beschwerden im Magen-Darm-Bereich und im Bereich der Gallenblase und der Gallenwege.

Tagesdosis: 3-6 g Blätter.

Nebenwirkungen: Bei zu langer Anwendung kann es zu einer Magenreizung kommen. Gegenanzeigen, Blätter: Bei Gallensteinleiden bitte nur nach ärztlicher Rücksprache anwenden.

Öl: Nicht anwenden bei Verschluss der Gallenwege, Gallenblasenentzündung oder schweren Leberschäden.

Tee & mehr

Pfefferminztee

1-2 TL (1-2 g) getrocknete Blätter mit 1 Tasse heißem, nicht mehr kochendem Wasser übergießen und 10 Minuten bedeckt ziehen lassen. 3- bis 4-mal täglich 1 Tasse trinken, 2 bis maximal 6 Wochen lang.

Diesen Tee können Sie auch inhalieren (bei Schnupfen).

Tee zur äußeren Anwendung

In der Klinik hat es sich bewährt, bei fiebrigen Erkrankungen den heißen Körper mit Pfefferminztee abzuwaschen: Das kühlt, erfrischtund senkt die Körpertemperatur um etwa 1°C.

11 Pfefferminztee zubereiten und lauwarm anwenden: Den Körper mit einem nassen Waschlappen rasch, aber behutsam von außen (Hände, Füße) nach innen (Richtung Herz) waschen. Den Patienten anschließend nicht abtrocknen, sondern mit einer leichten Decke bedecken. Diese „Waschrichtung“ unterstützt den Kreislauf, das erfrischende Menthol und die Verdunstungskälte kühlen den Körper.

Hinweis: Der Fiebernde muss sich vor der Anwendung warm oder heiß anfühlen, sonst dürfen Sie diese Waschung nicht durchführen. Nicht anwenden bei Allergikern und bei Kindern unter 3 Jahren.

Teemischungen

Tee gegen Reiseübelkeit (Aufguss)

Je 1 TL Pfefferminze, Ingwerwurzeln, Rosmarin- und Melissenblätter mit 11 heißem Wasser übergießen, 7 Minuten ziehen lassen, abgießen und in eine Thermosflasche füllen. Vor Fahrtantritt 1-2 Tassen trinken, den Rest während der Fahrt.

Tee gegen Reizdarm (Aufguss)

40 g Pfefferminzblätter mit je 10 g Kamillenblüten, Melissenblättern, Fenchelsamen, Erdrauch- und Schafgarbenkraut sowie Süßholzwurzel mischen. 1 TL der Mischung pro Tasse frisch mörsern und mit Zimt und Ingwer aromatisieren. 7 Minuten ziehen lassen.4 Wochen lang 3-mal täglich 1 Tasse trinken.

Tee „Erotische Harmonie“

2 TL Minze und 1 TL Bohnenkraut mit VA 1 heißem Wasser übergießen, bedeckt 7 Minuten ziehen lassen und mit etwas Honig, Zimt und Ingwer aromatisieren. Anschließend zu zweit genießen (nach Maurice Mességué).

Weitere Zubereitungen

Fitnessdrink

6 Stängel frisches Bohnenkraut und je 1 Zweig Pfefferminze, Basilikum und Rosmarin 2 Stunden lang in 11 (Bio-)Apfelsaft hineinhängen und in die Sonne stellen. Ab und zu umrühren. Der erfrischende Drink wirkt konzentrationsfördernd und gibt spontane Energie.

Diese Rezeptur hat schon der Pflanzentherapeut Maurice Messegue Mitte des 20. Jahrhunderts den Fahrern der Tour de France verordnet, zusammen mit einer Prise Salz gegen den Mineralienverlust und etwas Traubenzucker als schnell verfügbare Kraftreserve – natürlich haben sie gewonnen!

Minzelikör

3-4 EL frische oder 2-3 EL getrocknete Pfefferminz- und Melissenblätter, V2 Zimtstange, 1 TL zerdrückte Fenchelsamen, 1 EL Schafgarbenblüten und 80 g Kandiszucker mit % 1 Korn (32%) übergießen und 2 Monate ziehen lassen. Danach abgießen und teelöffelweise genießen – als wohlschmeckenden, verdauungsfördernden Magenschmeichler.

Minzesirup

Wenn die Minze wächst und wächst, konservieren Sie die köstliche Frische einfach über das ganze Jahr, indem Sie Sirup daraus zubereiten: Je 2 Tassen Zucker, Wasser und klein geschnittene Minzblätter 5 Minuten bedeckt kochen und danach 15 Minuten abkühlen lassen. Anschließend in kleine dunkle Flaschen abgießen und beschriften. Dieser Sirup hält mehrere Jahre. Sie können ihn zum Würzen von Süßspeisen, Fruchtbowlen, Speisen und Getränken verwenden oder zu Eis, Sorbet oder Gelee weiter verarbeiten. Mit gekühltem Mineralwasser verquirlt liefert Minzensirup ein besonders erfrischendes Getränk.

Pfefferminzöl

Äußerlich kann ätherisches Pfefferminzöl bei Muskel- und Nervenschmerzen sowie bei Kopfschmerzen angewendet werden. Tragen Sie dazu das Minzöl vorsichtig äußerlich auf Schläfe, Stirn oder Nacken auf (nicht in die Augen bringen!). Für eine so genannte „trockene Inhalation“ bei Schnupfen 1-2 Tropfen ätherisches Minzöl auf ein Taschentuch geben und einatmen.

Altes und neues Wissen

Plinius der Ältere empfahl schon im 1. Jahrhundert n. Chr. bei Kopfschmerzen das Auflegen von Minzblättern auf die Schläfen. Auch neuere Untersuchungen bestätigen hervorragende Erfolge in der Akutwirkung von Pfefferminzöl gegen Kopfschmerzen: In einer Studie der Kieler Universitätsklinik für Neurologie konnte in einem direkten Vergleich zwischen 10%-igem Minzöl und Paracetamol (Wirkstoff in vielen Schmerzmitteln) belegt werden, dass beide gleich wirksam sind – der Schmerz der Probanden begann nach 15 Minuten nachzulassen! Aber: Bei dem auf Stirn und Schläfen aufgetragenen Minzöl sind keine Nebenwirkungen zu erwarten.

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