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Spitzwegerich (Plantago Lanceolata)

Von: Richard Willfort 09/02/2019
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Volksnamen

Heufressa – Hundsrippen – Lämmerzunge – Lungenblattl – Rippenkraut – Roßrippen – Schafzunge – Schlangenzunge – Siebenrippen – Spießkraut – Spitzfederich – Spitz-Wegeblatt

Botanik

Der ausdauernde Wurzelstock treibt grundständige, lanzettliche Blätter von schmalem, spitzem und zähem Aussehen hervor. Sie sind fünfnervig. Der Blütenstengel ist blattlos, kantig, mit einer bräunlich blühenden Ähre. Die Früchtchen sind zweisamige Kapseln.

Geruch und Geschmack: Die Blätter und Wurzeln sind fast geruchlos, schwach grasig und haben einen salzigen, zusammenziehenden Geschmack.

Blütezeit: Von Mai bis Anfangs September.

Standort: Der Spitzwegerich ist eine sehr häufige Wiesenpflanze und ist auf allen Wiesen und Rainen, sehr gerne an Wegrändern anzutreffen, er gedeiht auch in Gräben und feuchtem Ödland. In ganz Europa, in Nord-, Mittel- und Ostasien, praktisch auf der ganzen Welt vorkommend, von der Ebene bis in die Almregionen.

Heilkräftige Pflanzenteile

Gesammelt werden die Blätter (Herba oder Folia Plantaginis) von Anfang Mai bis Ende August solange die Pflanze blüht, jedoch der Samen nicht gereift ist. Die Blätter müssen unmittelbar nach dem Ernten in ganz dünnen Schichten auf zugigen Orten (Dachböden) getrocknet werden. Durch oftmaliges Berühren oder Ümwenden werden die Blätter sehr leicht schwarz; es können aber nur grün gebliebene, ganz trockene Blätter für die Teezubereitung verwendet werden. Die Wurzeln (Radix Plantaginis) werden ab Mitte August bis gegen Ende Oktober gegraben. Nach erfolgter rascher Reinigung werden sie am besten auf einem starken weißen Zwirnfaden aufgefädelt und an einer zugigen Stelle zum Trocknen aufgehängt.

Heil- und Wirkstoffe: Neben Glykosiden, Saponinen und Bitterstoffen enthält die Pflanze tanninähnliche Substanzen, Zucker, ätherisches Öl, eine sehr wertvolle Chlorophyllart, in großer Menge Schleimstoffe (Xylin), die Vitamine A, C und K, Eisen, Kalk, Phosphorsäure und ein Lab-Enzym, das sich auch im Magensaft der Säugetiere und des Menschen befindet. Dieses Lab-Enzym bringt, zusammen mit Säuren, die Milch im Darm zum Gerinnen. Auf den sogenannten Galmeiböden vermag der Spitzwegerich ein Zinkkarbonat aufzunehmen. Je nach Standort enthält der Spitzwegerich geringe oder beachtliche Mengen Kaliumsalze und Kieselsäure.

Heilwirkung

Die Spitzwegerichblätter sind offizinell, nicht dagegen die Wurzeln, die jedoch nicht minder heilwirkend sind.

Der Spitzwegerich ist eine uralte Heilpflanze und erfreute sich seit jeher höchsten Ansehens.

Die vielen Inhaltsstoffe befähigen den Spitzwegerich in erster Linie zu einer Heilpflanze gegen alle Erkrankungen der Atmungsorgane, besonders bei mehr oder minder starker Verschleimung. Bei Husten, Keuchhusten, Lungenasthma, Lungenspitzenkatarrh, ja selbst bei Lungentuberkulose ist der Spitzwegerich ein ganz vorzügliches Naturheilmittel. Sehr zu empfehlen ist nachstehender MISCHTEE FÜR LUNGENKRANKE :

200 g Spitzwegerichblätter,
100 g Brennesselblätter (Nr. 16),
100 g Lungenkraut (Nr. 84),
50 g Huflattichblätter und Blüten (Nr. 54) und 50 g Schafgarbe (Nr. 110).

Von dieser Mischung nehme man 2 gestrichene Teelöffel für 1 Tasse im Aufguß und füge nach entsprechender Abkühlung 1 Teelöffel Honig hinzu. Davon trinke man 2 bis 3 Tassen am Tage schluckweise.

Sehr beliebt ist die Anwendung des frisch ausgepreßten Saftes aus der blühenden Pflanze einschließlich Wurzel zur Behandlung chronischer Katarrhe sowie von Darmkatarrhen, Verdauungsstörungen, Magenleiden, Wurmkrankheiten und Blutungen. Der Preßsaft wird mehrmals am Tage eingenommen, und zwar 1 Eßlöffel voll Saft mit ½ Eßlöffel angewärmtem Wasser verrührt und sogleich getrunken.
Kneipp empfiehlt ferner den Spitzwegerich zur Blutreinigung, besonders bei chronischen Hauterkrankungen.

Spitzwegerich wirkt zusammenziehend und wird mit Erfolg als Wundkraut angewendet. Man legt die frischgepflückten Blätter etwas zerquetscht auf die Wunde. Spitzwegerichblätter stillen das Bluten der Wunden und heilen auch Brandwunden, wenn man die Blätter zerdrückt, mit Eiweiß bestreicht und auflegt.

Über die Wundbehandlung schrieb Pfarrer Kneipp aus seiner Erfahrung: „. . . schnell wird die Wunde ausgewaschen, einige Spitzwegerichblätter etwas geknetet und der Saft in die Wunde gepreßt. Die Wunde wird dann gut zugepreßt, Spitzwegerichblätter aufgelegt und so heilt sie rasch zusammen. Mit Goldfäden näht der Spitzwegerichsaft den klaffenden Riß zu und wie am Gold sich nie Rost ansetzt, so flieht den Wegerich jede Fäulnis und faules Fleisch.”

Aus alten Kräuterbüchern und aus der Volksheilkunde

Der frisch ausgepreßte Saft mit seiner trocknenden und zusammenziehenden sowie blutreinigenden Kraft heilt alle unreinen, fließenden, um sich fressenden Geschwüre und alten Wunden, Tierbisse, Brandwunden, auch Drüsenschwellungen und Hämorrhoiden.

Umschläge mit Spitzwegerichsaft heilen die immer wiederkehrenden Kopfschmerzen.

Der Saft der Blätter in die Ohren geträufelt, nimmt das Ohrenweh. Der verdünnte Saft in die Augen getropft, wirkt kühlend und nimmt die Entzündung. Der frisch ausgepreßte Saft zu einem „Geist” gebrannt, ist eine schmerzstillende Einreibung bei Podagra.

Spitzwegerich ist allen Lungenkranken, Schwindsüchtigen, Engbrüstigen, ständig Brustverschleimten, Keuchenden und Hüstelnden u. a. als Sirup bestens zu empfehlen.

Nachstehend ein alterprobtes Hausrezept zur Herstellung von SPITZWEGERICHSIRUP :

Man nimmt ein 5-Liter-Gurkenglas mit breiter Öffnung und bedeckt den Boden etwa 2 bis 3 cm, dicht zusammengepreßt, mit frisch gepflückten Spitzwegerichblättern. Darauf streue man etwa 1 cm Kristallzucker und lege darüber wieder eine gut zusammengepreßte Schicht Blätter. So folgt immer abwechselnd eine Lage Zucker und eine Schicht Blätter, bis das Glas gefüllt ist. Man läßt das Glas über Nacht zugedeckt stehen und füllt in gleicher Weise am anderen Tag nach, da über Nacht die Blätter zusammensitzen. Dies wiederholt man solange, bis tatsächlich nach vorsichtigem Nachdrücken mit der geballten Hand nichts mehr in das Glas hineingeht. Nun gräbt man im Garten an einer geschützten Stelle ein Loch, stellt das Glas hinein, beschwert dieses, nachdem man es mit einer dreifachen Lage Pergamentpapier gut verschlossen hat, mit einem Brettchen, auf welches man noch einen Stein oder Ziegel legt. In der oberen Höhe des Steines oder Ziegels wird die Grube etwas ausgeweitet, damit ein stärkeres Brett darauf zu liegen kommt. Abschließend schüttet man das Loch, das noch verbleibt, mit Erde zu und steckt vorsorglich ein beschriftetes Holzschildchen daneben in den Boden. Das Glas verbleibt nun 3 Monate so in der Erde; es vergärt nun in der gleichmäßigen Erdwärme der durch den Zucker aus den Blättern ausgelaugte Saft zu einem Sirup. Nach Ablauf dieser Zeit wird das Glas vorsichtig aus der Erde herausgenommen. Man preßt den ganzen Inhalt mit einer Fruchtpresse sehr gut aus und kocht den so gewonnenen Spitzwegerich-Sirup einmal auf. Das Auspressen durch ein Tuch, wie dies öfters geschieht, ist nicht ratsam, da durch diese unvollkommene Auspressung zu viel unausgewertete Rückstände Zurückbleiben. Dieser Sirup wird in Flaschen gefüllt und gut verkorkt. Er ist eines der besten Hausmittel gegen alle Lungenerkrankungen. Wer keinen Garten sein eigen nennt und diese Art der Gärung durch die gleichmäßige Erdwärme nicht durchführen kann, stelle das Glas an einem gleichmäßig warmen Ort, am besten in Herdnähe, auf. Je gleichmäßiger die Wärme, desto nachhaltiger die Vergärung. Abkühlungen unterbrechen den Vergärungsprozeß und dann entsteht ein minderwertiger, wenn nicht gar verdorbener Sirup. Im Bedarfsfälle nehmen Kinder diesen Sirup mehrmals am Tage teelöffelweise, Erwachsene eßlöffelweise ein.

Anwendung in der Homöopathie

In der Homöopathie wird aus der ganzen frischen Pflanze eine homöopathische Essenz hergestellt, mit der neuralgische Beschwerden, besonders neuralgische Ohren- und Zahnschmerzen, ferner Skrofulöse, Keuchhusten, Erkrankungen der Atmungsorgane und Bettnässen der Kinder, erfolgreich behandelt werden. Diese Essenz, regelmäßig genommen, ruft auch einen Widerwillen gegen das Rauchen hervor.

Zur Lösung von verhärtetem „Ohrenschmalz” bzw. bei Ohrenstechen, bereite man Ohrentropfen aus einer Mischung von Glycerin mit der homöopathischen Essenz (oder Tinktur) zu gleichen Teilen. Diese Ohrentropfen werden vor dem Einträufeln ins Ohr leicht angewärmt.

Anmerkung

Ein Verwandter ist der Breitwegerich, Plantago major L.

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