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Stechapfel (Datura Stramonium)

Von: Richard Willfort 09/04/2019
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Volksnamen

Asthmakraut – Donnerkugel – Dornäpfel – Dornkraut – Hexenkraut – Igelkolben – Kreuzkümmel – Maulwurfskraut – Rauchapfelkraut – Saunuß – Schlaf kraut – Schrockdistel – Schweinekraut – Teufelsapfel – Tobkraut – Tollkraut – Tollkörner – Zigeunerapfel – Zigeunerkraut – Zigeunerschlafkraut

Botanik

Die einjährige Pflanze wird 1 bis 1,30 m hoch. Die Wurzel ist weiß und spindelförmig, zumeist verästelt. Der Stengel ist stielrund, glatt, kahl, gabelspaltig. Die Blattstiele sind flaumig. Die Blätter eiförmig, ungleich buchtig und gezähnt. Die Blüten sind kurz gestielt, einzelstehend, endständig, der Kelch fünfkantig und fünfzähnig, die Krone weiß, selten violett, trichterförmig mit einem gezähnten Saum. Die Kapsel trägt spitze Dornen und enthält zahlreiche linsenförmige, schwarzbraune Samen.

Blütezeit: Juli bis September.

Standort: Die Pflanze soll aus Indien stammen und möglicherweise durch die Zigeuner nach Europa eingeschleppt worden sein. Sie wächst einzeln auf Schutthaufen, Ablagerungsstätten, Ödland, vereinzelt auch in Gärten. Der Stechapfel bevorzugt stickstoffreiche Böden.

Heilkräftige Pflanzenteile

Gesammelt werden die Blätter im Juni vor der Blüte und müssen sehr vorsichtig getrocknet werden. Im zweiten Jahre sind sie vollkommen wirkungslos. Die Blüte ist wohlriechend, die Blätter geruchlos, ihr Geschmack dagegen ist widerlich, bitter, salzig. Das ganze Kraut, besonders die Früchte und Blätter sind sehr giftig!

Heil- und Wirkstoffe: Sowohl die Blätter als auch die reifen Samen enthalten die drei sehr giftigen Alkaloide Hyoscyamin, Atropin und Scopolamin. Interessant ist, daß der Gehalt dieser Alkaloide unter bestimmten Standortsverhältnissen steigt oder fällt. Der Alkaloidgehalt erhöht sich merklich, wenn die Pflanze mit menschlichen Fäkalien gedüngt wird, sinkt dagegen, wenn mit Rinder- oder Pferdedünger der Boden durchsetzt wird.

Auch die Nachbarpflanzen haben einen Einfluß: Lupine als Nachbarpflanze löst ein Steigen, dagegen Pfefferminze ein Sinken des Alkaloidgehaltes aus.

Die öligen Samen enthalten außerdem noch Daturin, Stramonin, Öl, Eiweiß, Gummi, Pflanzenschleim und Salze u. a.

Heilwirkung

Die Stechapfelblätter sind offizinell (Folia Stramonii). Sie haben narkotische Eigenschaften, der Tollkirsche (Nr. 169) ähnlich. Die gepulverten Blätter wirken krampfstillend bei Asthma u. a. Wegen der hohen Giftigkeit sind alle Arten von Bereitungen streng rezeptpflichtig!

Anwendung in der Homöopathie

Bei Erregungszuständen höchsten Grades, bei akustischen oder optischen Sinnestäuschungen (Halluzinationen), Blasenkrampf, Geistes- und Gemütskrankheiten, bei Geistesstörungen während des Wochenbettes, Geistes- und Sinnesstörungen besonders bei Alkoholikern, Epilepsie, nervösem Asthma, Stottern, Gehirnhautreizung, bei Störungen nach schweren Infektionskrankheiten, sexuellen Erregungszuständen, Tobsucht mit Visionen, Migräne, nächtlichen Angstgefühlen, Paralyse u. a. sind homöopathische Kuren unter ärztlicher Kontrolle von Erfolg.

Vergiftungserscheinungen

Die ganze Pflanze ist für Mensch und Tier sehr giftig, ausgenommen für das Kaninchen. Die stark narkotischen Eigenschaften der Pflanze wurden früher vielfach zu verbrecherischen Zwecken mißbraucht. Besonders Zigeunern sagt man dies nach. Die Blätter werden manchmal auch mißbräuchlich dazu verwendet, um in das Bier gegeben, einen heftigen Rausch auszulösen. Auch wurden schon Frauen damit betäubt, um dann mißbraucht zu werden. Die wichtigsten Vergiftungserscheinungen sind Übelkeit, kaum zu bändigende Schlafsucht, Sinnesverwirrung, Erbrechen, dann starker „Katzenjammer”, Zittern in den Gliedern, Schwäche, schwere asthmatische Anfälle und schließlich Herzstillstand.

Gegenmittel

Starken schwarzen Kaffee (Mokka), starken Absud von Eichenrinde (Nr. 24) oder Essig bzw. viel Zitronensaft, möglichst unverdünnt einnehmen. Der Arzt ist sofort zu verständigen!

Der kräuterkundige Johann Joachim Becher schrieb 1662 in seinem „Medizinalischen Parnass” poetisch:

„Stechöpffel seynd sehr kalt
Man nimmt sie nicht in Leib
Wer nicht gerne sterbe will
von diesen öpffeln bleib.”

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