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Thrombose (Tiefe Venenthrombose, Phlebothrombose)

Von: Christa Pleyer ( mehr) 16/05/2019
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Venen-Muskelpumpe. Aus den Beinen muss das Blut »bergauf« fließen, das gelingt mit Unterstützung der Waden-Muskelpumpe. Vor allem beim Gehen, Fußwippen und Laufen sorgt sie für den Bluttransport entgegen der Schwerkraft.

Bei entspannten Muskeln staut sich das Blut in den Venen. Die geschlossenen Venenklappen verhindern, dass das Blut in Richtung Füße fließt.

Beim Laufen drückt die Wadenmuskulatur die Venen zusammen und presst das Blut nach oben. Das Zurückfließen des Blutes wird von den Venenklappen verhindert, die wie Ventile wirken.

Wenn in den tiefen Beinvenen ein Blutgerinnsel entsteht, wird das durch ein Schwere- und Spannungsgefühl sowie ziehende Schmerzen in der Wade merkbar, ähnlich einem Muskelkater. Auch in der Leiste oder Kniebeuge sind die Schmerzen manchmal zu spüren. Beim Hinlegen oder wenn die Füße hochgelegt werden, bessern sich die Beschwerden etwas; beim Druck auf die Waden und die Fußsohle können sie stärker werden. Das betroffene Bein wird dicker, fühlt sich warm an und verfärbt sich leicht bläulich. Manchmal kann auch etwas Fieber auftreten.

Häufig verursacht eine Beinvenenthrombose aller-dings auch kaum Beschwerden und wird nicht bemerkt. Ausreichend Bewegung kann einer Thrombose Vorbeugen.

Wer ist davon betroffen?

Als Thrombose wird die Bildung eines Blutgerinnsels (Thrombus) innerhalb der Blutgefäße bezeichnet. Meist sind die tiefen Beinvenen infolge einer langen Bettlägerigkeit oder bei längeren Reisen von der Bildung von Blutgerinnseln betroffen.

Das Risiko einer Beinvenenthrombose steigt mit dem Alter steil an. Bei den unter 60-Jährigen erkrankt nur einer von 10.000 pro Jahr; aber einer von hundert Menschen über 60.

Beim tagelangen Liegen im Bett oder stundenlangen Sitzen ohne Betätigung der Muskelpumpe (Abbildung) staut sich das Blut in den Beinvenen und kann gerinnen – eine Thrombose ist die Folge. Folgende Faktoren begünstigen Thrombosen:

•  Eine vorangegangene Thrombose erhöht das Risiko für eine neuerliche Thrombose um das 30fache,

•  Bettlägerigkeit erhöht das Risiko um das 20fache,

•  Operationen, besonders an Becken, Knie und Hüfte,

•  langes Sitzen mit angewinkelten Beinen im Flugzeug, Bus oder Auto (Reisethrombose), Erkrankungen, welche die Cerinnungsneigung des Blutes erhöhen, z. B. Krebserkrankungen, Flüssigkeitsmangel durch zu geringe Trinkmengen,

•  Übergewicht (Adipositas, S. 501),

•  Erkrankungen wie Schlaganfall (S. 883), Herzinfarkt (S. 692) und Herzschwäche (S. 707), Leberzirrhose (S. 755),

•  Krampfadern (S. 748),

•  Einnahme der Antibabypille in Kombination mit Rauchen,

•  Schwangerschaft bis vier Wochen nach der Geburt,

•  vererbte Veranlagung für Thrombosen.

Wenn sich Blutgerinnsel aus den Beinvenen lösen und vom Blutstrom mitgerissen werden, kann eine Lungenembolie die Folge sein. Die tiefe Beinvenenthrombose ist zusammen mit der Lungenembolie die häufigste Todesursache nach Operationen im Krankenhaus.

Darüber hinaus können die Beinvenen geschädigt werden und es kommt zum so genannten postthrombotischen Syndrom (chronischvenöse Insuffizienz). Aufgrund einer Schädigung der Venenklappen staut sich das Blut dabei chronisch im Unterschenkel an. Dadurch werden die Beine dick (Ödeme), es kommt zu Juckreiz und rötlich-bräunlichen Verfärbungen der Haut (Stauungsdermatitis). In schweren Fällen können sich Geschwüre entwickeln, die nur schlecht heilen.

Ist Vorbeugung möglich?

Auf langen Reisen in Flugzeug, Bus, Bahn oder Auto ist es günstig, regelmäßig aufzustehen und sich die Beine zu vertreten. Falls Aufstehen und Gehen nicht möglich sind, können auch gymnastische Fußübungen, etwa Fußwippen, einer Thrombose Vorbeugen. Enge Kleidung, die den Blutabfluss in den Beinen verhindert, wie etwa enge, einschneidende Jeans, sollten vermieden werden.

Flugzeugluft ist sehr trocken und über das Atmen geht viel Flüssigkeit verloren. Dadurch dickt das Blut ein und die Bildung von Blutgerinnseln wird erleichtert. Pro Stunde ein Glas Wasser trinken beugt vor. Alkohol ist wegen seiner entwässernden Wirkung nicht geeignet.

Personen mit einem erhöhten Risiko für Thrombosen sollten bei Fernreisen Kompressionsstrümpfe tragen. Eine sichere Vorbeugung ist bei einer besonders hohen Thrombosegefährdung das vorbeugende Spritzen von Heparin . Nach der Injektion des Medikaments in das Unterhautfettgewebe an Bauch oder Schenkel ist die Gerinnungsfähigkeit des Bluts herabgesetzt, Thrombosen sind dann sehr unwahrscheinlich. Für die Rückreise kann eine Spritze mitgenommen und die Injektion selbst verabreicht werden. Die Heparinspritzen sind als Fertigspritzen erhältlich.

Patienten im Krankenhaus sollten nach Operationen so rasch wie möglich wieder aufstehen und ein paar Schritte gehen. Wenn längere Bettruhe notwendig ist, werden vorbeugend Heparin-Injektionen verabreicht.

Raucherinnen sollten eine andere Methode zur Empfängnisverhütung (S. 254) wählen als die Antibabypille.

Übergewichtige Menschen können ihr Thromboserisiko durch Abnehmen deutlich senken.

Als pflanzliches Heilmittel zur Verbesserung der Venendurchblutung wird häufig Rosskastaniensamenextrakt empfohlen. Eine Bestätigung der Wirksamkeit durch wissenschaftliche Studien steht jedoch noch aus.

Was Betroffene selbst tun können

Nach der Behandlung der Thrombose im Krankenhaus ist es günstig, die Beinmuskulatur zu stärken und viel zu laufen. Langes Stehen und Sitzen sollte vermieden werden.

Vielen Betroffenen hilft es, bei Nacht und im Liegen die Beine auf ein Kissen zu legen. Ideal ist eine Lagerung des Beins 20 bis 30 Zentimeter über der Herzhöhe.

Oberschenkellange Kompressionsstrümpfe verbessern ebenfalls den Rückstrom des Blutes aus dem Bein und sollten so oft wie möglich getragen werden. Die Strümpfe sind rezeptfrei in der Apotheke erhältlich.

Kalte Wechselduschen oder kaltes Abwaschen der Beine (Kneipp-Kuren) sind hilfreich.

Entscheidungen mit Arzt oder Ärztin

Patienten mit Beinvenenthrombosen erhalten zu-nächst einen engen Kompressionsverband. Dieser erleichtert den Rückfluss von Blut aus dem Bein; später wird der Verband gegen Kompressionsstrümpfe ausgetauscht. Die Strümpfe (oberschenkellang, Kompressionsklasse II), helfen dabei, Komplikationen zu verhindern, und machen ein Wiederauftreten der Thrombose weniger wahrscheinlich.

Bei einer Thrombose der Unterschenkel ist Bettruhe nicht erforderlich und Betroffene sollten sofort wieder gehen. Stellt sich bei Ultraschallungersuchungen der Venen jedoch heraus, dass das Gerinnsel bis in die Leistenregion reicht, sollte für eine Woche Bettruhe gehalten werden. In der Zwischenzeit hat sich der Blutpfropf meist so weit gefestigt, dass er keine Lungenembolie mehr verursachen kann.

Medikamente zur Hemmung der Blutgerinnung (Antithrombotika) werden zunächst als Spritze (Heparin) verabreicht, um eine weitere Thrombenbildung zu verhindern. Später sind blutgerinnungshemmende Tabletten (Kumarine) sinnvoll. Die Medikamente müssen dann meist für längere Zeit (sechs Monate oder mehr) eingenommen werden. Bei der Behandlung mit Gerinnungshemmern sind regelmäßige Blutuntersuchungen beim Arzt notwendig, um die richtige Dosis der Medikamente anzupassen. Eine Unterdosierung würde nicht den nötigen vorbeugenden Effekt haben, eine zu hohe Dosierung könnte zu teils schwerwiegenden Blutungen führen.

Mit Medikamenten, die das Blutgerinnsel auflösen, kann die verschlossene Vene wieder durchgängig gemacht werden. Allerdings können durch die Gabe dieser Medikamente auch Blutungen ausgelöst werden, weshalb ihre Anwendung bei einer Reihe von Gegenanzeigen (z. B. starkem Bluthochdruck, Alter über 75 Jahre, Schwangerschaft im ersten Drittel, vorangehende Operationen und andere) nicht möglich ist.

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