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Tollkirsche (Atropa Belladonna)

Von: Richard Willfort 09/04/2019
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Volksnamen

Bennedonne – Boll- oder Bullwurz – Giftkriesi – Irrbeere – Judenkerschen – Falsche Kersch – Krotenbeere – Krötenstrauch – Rasewurz – Rattenbeere – Römerin – Säukraut – Sautod – Schlafkirschen – Schlafkraut – Schlangenbeere – Schlangenkraut – Schwindelbeere – Taumelstrauch – Teufelsbeere – Teufelskirschen – Tintenbeeren – Tollbeere, -kraut, -wurz – Walkerbaum – Windbeere – Wolfsaugen, -beeren, -kirschen

Botanik

Der Wurzelstock ist ausdauernd, weißlich und rübenförmig. Aus ihm entwickelt sich ein kräftiges, bis zu 1,50 m hohes Kraut mit einem Stengel, der sich in meist 3 abstehende Äste gabelt. Die eiförmigen Blätter sind drüsig und stehen immer paarweise. Von je einem Paar Blätter ist immer ein Blatt halb so groß, als das andere Blatt. Die Blüten stehen einzeln in den Blattachseln, sind glockig, von schmutzig-brauner Farbe und sind fünfzähnig. Die Frucht ist eine glänzend-schwarze Beere von der Größe einer Kirsche, welche aber immer in einem grünen ausgebreiteten Kelche sitzt.

Blütezeit: Juni bis August. Beerenreife: Von Ende Juli an und bleiben diese bis Oktober, bis zu den ersten Nachtfrösten, an der Pflanze.

Standort: Die Tollkirsche bevorzugt lichte Waldstellen und Schlagränder in bergigen Gegenden.

Unterschied zwischen Kirsche und Tollkirsche

Jedes Jahr bringen die Zeitungen Berichte von Tollkirschenvergiftungen. Besonders die Kinder sind eingehendst aufzuklären, diese so verlockenden „Kirschen” unberührt zu lassen.

Die Aufklärung hat sich auf 3 Merkmale zu beschränken, die sich die Kinder leicht merken:

1. Kirschen kommen nie auf Sträuchern vor, sondern nur auf Bäumen. Die Tollkirschen sind nur auf einem Strauch!

2. Die Kirsche hängt immer frei an einem langen Stiel. Die Tollkirsche dagegen ist immer von kleinen grünen Kelchblättern am Grunde umgeben!

3. Die Tollkirschen beginnen erst frühestens Ende Juli zu reifen und verbleiben am Strauche bis gegen Oktober. Dagegen ist Ende Juli die Kirschenreife schon zu Ende!

Diese 3 Grundregeln sind den Kindern alljährlich einzuprägen. Wenn schon die Eltern die Kinder nicht aufklären, da sie selbst diese 3 so augenscheinlichen Unterschiede nicht kennen, sollte doch in der Schule die Aufklärung beginnen!

Heilkräftige Pflanzenteile: Gesammelt werden die Blätter und Wipfelteile vom blühenden Kraut sowie die Beeren, wenn sie völlig ausgereift sind.

Beeren und Blätter sind fast geruchlos; die Beeren schmecken verlockend süßlich, die Blätter dagegen bitterlich und in der Folge widerlich.

Die ganze Pflanze, besonders aber die Blätter ab Blütezeit und die unreifen sowie die reifen Beeren sind sehr giftig.

Heil- und Wirkstoffe: Die wichtigsten Heil- und Wirkstoffe in der ganzen Pflanze sind die sehr giftigen Alkaloide, das Hyoscyamin und das Atropin. Neben den weiteren giftigen Alkaloiden Methylpyrolin, Methylpyrolidin, Pyridin und Diamin enthält die Pflanze noch Leucatropasäure, Chrysatropasäure, Cholin, Phytosterin, Asparagin und Labenzym. Der Alkaloidgehalt der Wurzel ist nachts geringer als am Tage. Das bekannte Atropin wird aus den Blättern und Beeren gewonnen. Es ist eines der gefährlichsten Pflanzengifte, doch neben der Giftwirkung birgt das Atropin, richtig eingenommen, eine unglaublich vielseitige Heilwirkung. Nur die Vögel sind unempfindlich für dieses Gift.

Heilwirkung

Als Volksheilmittel wurde die Tollkirsche bisher wenig verwendet, es sei denn als Rauchpulver gegen Asthma.

Der lateinische Name Belladonna (= schöne Frau) zeigt an, daß der Saft der „Kirsche” seit altersher als Kosmetikum benutzt wurde, um durch den Atropingehalt eine Pupillenerweiterung zu erzielen. Das Frauenauge soll dadurch auf Männer besonders anziehend wirken. Die vielen medizinischen Präparate werden in der Apotheke nur gegen ärztliches Rezept verabreicht.

Anwendung in der Homöopathie

Die Essenz und ihre Verdünnungen werden empfohlen bei Folgen von Erkältungen, Folgen von Schreck und Ärger, bei Infektionsfieber, besonders bei Angina oder Scharlach, bei Epilepsie, bei bestimmten Geisteskrankheiten, Geistesstörungen, Erregungszuständen, bei Krämpfen, Lähmungen, Nervenschmerzen und Keuchhusten. Ferner bei Gallenstein- und Nierenkoliken, heftigsten Kopfschmerzen, Regelbeschwerden, bei Magenkrämpfen blutarmer Mädchen, Steifhals, Bettnässen, Zellgewebsentzündungen, akuten Entzündungen an Augen, Ohren und Luftwegen, sind homöopathische Kuren erfolgversprechend.

Anwendung in der Tiermedizin

Bei bestimmten Erkrankungen der Schweine wird Belladonna vom Tierarzt mit Erfolg verordnet.

Vergiftungserscheinungen

Quälender Durst, Heiserkeit, Schlingbeschwerden, Pulsverlangsamung, dann Beschleunigung, Herzklopfen, Kopfweh, Schwindel, Zittern, schwankender Gang, Delirien, Sinnestäuschungen, Krämpfe, plötzlich ausbrechender Wahnsinn, Lähmung, Auf hören der Atmung, Blaufärbung des Gesichtes, Herzzusammenbruch, Tod.

Gegenmittel

Durch Brechweinstein (Nr. 131/11) Erbrechen hervorrufen, Schlund mit Feder kitzeln, damit Erbrechen beschleunigt wird, ein Gemisch bereiten von Eibischtee (Nr. 23), Essig (Nr. 131/10) und Honig (Anh. B) und dieses nicht nur reichlich trinken lassen, sondern auch als Klistier einführen, um eine rasche Entleerung der genossenen Beeren zu erreichen.

Anmerkung

Die Gefahr der Vergiftung mit dem landwirtschaftlichen Schädlingsbekämpfundgsmittel „E 605″ durch unsachgemäße Handhabung des Präparates besteht trotz aller Aufklärung und Warnungen noch immer. Nun wurde im Atropin der Tollkirsche ein sehr wirkungsvolles Gegenmittel gefunden. Wird nämlich durch den Arzt dem „E-605″-Vergifteten Atropin eingegeben, lassen die typischen Krämpfe, die zur Atemlähmung und zum Tode geführt hätten, wieder nach. Hier haben wir ein Beispiel, wie pflanzliche Gifte als Gegengifte heilend wirken können!

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