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Urostoma

Von: Christa Pleyer 02/01/2018
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Ein Urostoma ist eine künstliche Öffnung zur Ableitung des Urins (=> Abb. 7.3).
Es gibt verschiedene Möglichkeiten der Anlage eines Urostomas. Die häufigste ist das Ileumconduit. Dabei werden beide Harnleiter in ein ausgeschaltetes Dünndarmsegment implantiert. Das distale Ende des nun mit der Niere verbundenen Darmstücks wird als Stoma 1-1,5 cm über das Hautniveau gelegt, das proximale Ende blind verschlossen. Das Conduit sieht somit zwar aus wie ein Ileostoma, befördert jedoch Urin. Es liegt meist im rechten Unterbauch.

Indikation

Indikation für die Anlage eines Urostomas ist in erster Linie die Entfernung der Blase aufgrund eines Blasenkarzinoms.

Pflegerische Maßnahmen

Urin ist steril – auch wenn er über ein Urostoma abgeleitet wird. Entsprechend sind im Gegensatz z. B. zum Kolostoma Strenge Hygienerichtlinien einzuhalten: über das Urostoma können Keime in die Niere aufsteigen.

Die für eine Klinik maßgeblichen Richtlinien können bei der zuständigen Stomatherapeutin oder Hygienefachkraft erfragt werden.

Einige wichtige Aspekte:

– Bei der Reinigung und Pflege der Haut gilt das Hygieneprinzip von rein nach unrein, also in diesem Fall von innen nach außen. Die umgebende Haut sollte gut beobachtet und sorgfältig hautschonend gereinigt werden.

– Das aufgeklebte Ableitungssystem muss individuell und genau angepasst werden. Nach fachgerechter Beratung, Schulung und Anleitung sind Betroffene meist in der Lage, ihr Urostoma selbstständig zu versorgen.

– Der Ablaufbeutel sollte eine integrierte Rückflusssperre haben, sodass kein Urin zurücklaufen kann. Tagsüber kann ein Beinbeutel, nachts sollte ein größerer Auffangbeutel angelegt werden

Mögliche Komplikationen

– Peristomale Ulzerierung (Wundwerden): Wenn das Versorgungssystem nicht passgenau ist, kann saurer Urin die Haut angreifen.

– Parastomale Hernie als Folge einer Überbeanspruchung der Bauchdecke, z. B. durch schweres Heben.

– Retraktion (Rückzug) des Stomas, z. B. durch Gewichtsabnahme.

– Stomastenose; Spätfolge von Haut- oder Schleimhautproblemen.

– Follikulitis (Haarbalgentzündung) der Behaarung auf der Bauchdecke.
Die Therapie richtet sich nach der Ursache und wird vom Arzt entschieden.

Auswirkungen auf Leben und Alltag des Patienten

– Körperbild: Das Körperbild und damit die Selbstwahrnehmung des Patienten verändern sich. Die Urinausscheidung erfolgt unkontrolliert. Das kann zu einer psychischen Belastung, Ängsten, einem sozialen Rückzug oder zu depressiven Gefühlen führen. Ziel ist es, so viel Normalität wie möglich wiederzuerlangen.

– Beruf: Alle Tätigkeiten dürfen ausgeführt werden, bei denen die Bauchmuskeln nicht besonders beansprucht werden; man sollte nicht mehr als 5-10 kg heben.

– Freizeit: Kraftsport, Kampfsport, Geräteturnen sind zu vermeiden, Schwimmen, Laufen, Gymnastik, Radfahren dagegen zu empfehlen.

– Schwangerschaft: Hier gibt es kein Hindernis, auch eine Geburt ist auf natürlichem Weg möglich.

– Ernährung: Es ist keine spezielle Diät nötig, ausreichend zu trinken ist wichtig.

– Harnkontrolle: Der pH-Wert sollte im sauren Bereich liegen, um eine Harnkristallbildung zu vermeiden (eine Kristallisierung um das Stoma kann mit 5-prozentiger Essiglösung aufgelöst werden). Der Urin sollte mit bestimmten Nahrungsmitteln angesäuert werden, z. B. Blasen- und Nierentee, tierischen Nahrungsmitteln oder Kaffee.

– Hilfe für die Betroffenen geben auch Selbsthilfegruppen, z. B. Deutsche ILCO e. V. (Deutsche Ileostomie- Colostomie-Urostomie-Vereinigung, www.ilco.de).

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