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Vogelknöterich (Polygonum Aviculare)

Von: Richard Willfort 19/02/2018
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Volksnamen

Ackerminskraut – Angerkraut – Blutgarbe – Ferkelkraut – Hansl in der Gassen – eiserner Heinrich – Hühnergras – St.-Innozenzkraut – Jungferntritt – Knotengras – Reißkraut – Saugras – Saukraut – Schweinegras – Soachkräutel – Tausendknoten – Unvertritt – Vogelscherm – Wegkrattler – Weglauf – Wegspreite – Wegtretter – Wegtritt – Zehrgras – Zerrgras

Botanik

Die einjährige Pflanze ist ein lästiges Unkraut. Der Stengel ist meist liegend, mit rötlichbraunen Knoten versehen, bis an die Spitze beblättert und verzweigt. Die Blätter sind klein, elliptisch bis lineallanzettlich, am Rande rauh und ungestielt. Die in den Blattachseln stehenden kleinen Blüten sind weiß oder blaßrötlich.

Geruch und Geschmack: Die ganze Pflanze hat einen kaum merkbaren Geruch; der Geschmack ist zusammenziehend, herb.

Blütezeit: Ende Juni bis September.

Standort: Der Knöterich ist eine der wenigen Pflanzen, die auf allen Kontinenten der Erde anzutreffen sind. Wir finden ihn bei uns auf Wegen, Äckern, im Gemüsegarten, auf Brachland und auf Schuttplätzen.

Heilkräftige Pflanzenteile

Gesammelt wird das blühende Kraut ohne Wurzel (Herba Polygoni) im August und September. Beim Trocknungsvorgang im Schatten soll die Pflanze möglichst wenig berührt werden, am besten mit Beinlöffel wenden.

Heil- und Wirkstoffe: Vor allem Kieselsäure, davon beachtlich lösliche Kieselsäure. Ferner Gerbstoff, ätherisches Öl, Gerbsäure, Schleim. Im ätherischen Öl ist eine kampferähnliche Substanz Persicariol enthalten.

Heilwirkung

Der Landwirt sieht im Vogelknöterich nur ein lästiges Unkraut und wie so oft ist diese verachtete Pflanze ein wertvolles Heilkraut. Der Vogelknöterich war schon unter Kaiser Shin-nong, 3700 vor Christi, in China eine sehr geschätzte Heilpflanze und hieß Pienhsü. Man erkannte schon damals die vielen Heilwirkungen dieser Pflanze, besonders die harnreinigende Kraft, wie auch die schmerzstillende Wirkung bei Bauchschmerzen. Sehr wirksam wird der Vogelknöterich bei Gelbsucht geschildert, wie auch besonders heilsam bei selbst schweren Lungenleiden. Alles Heilanzeigen, die von der modernen Heilpflanzenkunde nur bestätigt werden können. Interessant ist die Tatsache, daß man getrocknete Pflanzenteile und Samen in Europa in den Steinzeitsiedlungen (etwa 4. Jahrtausend v. Chr.) vorfand.

Nicht umsonst bezeichnete schon Hieronymus Bock die Pflanze als „das nützlichste unter allen gemein Kreuttern”. Wenn eine Zeitlang der Vogelknöterich in Mißkredit kam, so geschah dies nur durch die marktschreierische Reklame gewinnsüchtiger Schwindler, die den Vogelknöterich als Universalmittel gegen die Schwindsucht und alle Erkrankungen der Atmungsorgane hinstellten, Riesenumsätze erzielten und das Einschreiten der Behörden notwendig machten. Die Autorität eines Pfarrers Kneipp hat jedoch den guten Ruf dieser Heilpflanze wieder hergestellt und sie wieder zur Behandlung von Lungenleiden, Nieren- und Steinbeschwerden, Gicht, Rheumatismus, ferner Durchfall, Darmblutungen, Gelbsucht sowie zur Wundbehandlung herangezogen.

Der Vogelknöterich wirkt blutverbessernd und daher auch besonders anregend auf die Bildung von Bindegeweben. Nicht minder gut ist seine blutstillende Eigenschaft, so daß der Vogelknöterich sich bei den verschiedenartigsten Blutungen, wie bei Gebärmutter-, Magen-, Darm- und Lungenblutungen, sehr gut bewährt.

Vogelknöterich wird erfolgreich angewendet zur Heilbehandlung von Magengeschwüren (Ulcus ventriculi) und von Brechdurchfall der Säuglinge (Cholera infantum).

Eine Reihe von Autoren bestätigen die erfolgreiche Behandlung von Lungenerkrankungen, wie Lungenkatarrhen, ja sogar bei Lungentuberkulose hat Vogelknöterich eine fühlbare Besserung ausgelöst und schließlich das Leiden zum Ausheilen gebracht.

Für Lungenleiden wird ein Mischtee empfohlen und zwar von gleichen Teilen Vogelknöterich, Hohlzahn (Nr. 51), Zinnkraut (Nr. 138) und Schlüsselblumen (Nr. 113). Man trinke 2-3 Tassen am Tage, indem man zuerst den Vogelknöterich und das Zinnkraut leicht aufkocht, den Hohlzahn und die Schlüsselblumen im Absud ziehen läßt und nach 5 Minuten abseiht. Dem Tee füge man bei Trinkreife pro Tasse je 1 Teelöffel Honig bei und trinke diesen Heiltrank schluckweise.

Bei Husten und Verschleimung bewährte sich nachstehende Mischung: 3 Teile Vogelknöterich, 2 Teile Huflattich (Nr. 54) und 2 Teile Spitzwegerich (Nr. 119).

Teebereitung: 1 Teelöffel der Kräutermischung für 1 Tasse im Aufguß, 2-3 Tassen am Tage, mit Honig süßen und schluckweise getrunken.

Vogelknöterich wirkt zusammenziehend auf die Schleimhäute des Darmes und der Blase; auch die Absonderungen der Drüsensekrete werden eingeschränkt.

Anwendung in der Homöopathie

Die homöopathische Essenz aus dem frischen Kraut dient zur Behandlung von Katarrhen der Atmungsorgane.

Anwendungen in der Volksheilkunde

Der frisch gepflückte Vogelknöterich, zerquetscht und auf Wunden gelegt, stillt das Bluten.

Vogelknöterichsaft, zu Branntwein gebrannt und diesen stamperlweise getrunken, vertreibt die Würmer aus dem Leib.

Das Kraut, in saurem Rotwein gesotten und getrunken, stillt den Durchfall, die Bauchruhr, nimmt das Aufstoßen, löscht die Hitze des Magens und Unterleibs und tut schließlich den Frauen gut, wenn die Regel sich nicht beruhigt.

Der Saft des Vogelknöterichs ist gut wider das schmerzhafte Harnen, er fördert den Grieß- und Steinabgang.

Bei Weißfluß nehme man Scheidespülungen vor mit einem Mischtee von Vogelknöterich, Eichenrinde (Nr. 24), Brennesselblättern (Nr. 16) und Kamillenblüten (Nr. 60) zu gleichen Teilen.

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