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Wacholder (Juniperus Communis)

Von: Richard Willfort 20/02/2018
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Volksnamen

Feuerbaum – Jachelbeerstrauch – Kaddig – Knirk – Knirkbusch – Krametbaum – Kranawetsbaum – Kranawitten – Qeckholder – Reckholder (Reck = Rauch) – Wachandel – Weckhalter – Wachulder – Wachtelbeerstrauch – Weihrauchbaum. Das Harz wird Deutscher Weihrauch genannt.

Botanik

Bezüglich des Wuchses, der Gestalt und der Größe sowie der Nadelform ist diese Pflanze sehr veränderungsfähig. Sie kommt je nach Standort als Zwergstrauch bis kaum ½ m Höhe, als Strauch oder Busch bis zu 4 m und als Baum bis zu 7 m Höhe vor. Die Blätter sind nadelförmig, anfangs hellgrün, später nachdunkelnd, auf der Oberseite eine bläulichweiße Mittellinie aufweisend. Sie werden 8 bis 10 mm lang, nach oben zugespitzt und stechend. Sie stehen in dreizähligen Quirlen. Die Blüten sind zweihäusig. Die männlichen Blüten sind aus zahlreichen Staubgefäßen zusammengesetzt und stehen in Quirlen, die weiblichen Blüten bestehen aus 3 nebeneinander stehenden, aufrechten Samenknospen, die von unten her durch 3 Tragschuppen und Deckschuppen gestützt sind. Der obere Teil dieses kleinen Zapfens wird fleischig und verwandelt sich in eine kugelige Beere, die im 1. Jahr grün und eiförmig, im 2. Jahr dunkelschwarzbraun, kugelig und blau bereift wird. Auch ein dreijähriger Entwicklungsgang von der Blüte bis zur Fruchtreife ist möglich.

Geruch und Geschmack: Von allen Teilen dieser Pflanze geht ein eigentümlicher, feinaromatischer Geruch aus. Das Holz ist wohlriechend. Holz und Nadeln entwickeln beim Verbrennen einen balsamischen Duft. Die Beeren haben einen harzigen und gewürzhaften Geruch und schmecken bitterlich süß, würzig und harzig zugleich. Der Geschmack der Nadeln ist harzig, etwas bitterlich, jedoch gewürzhaft.

Blütezeit: April-Mai. – Beerenreife: im Herbst (Oktober) des zweiten Jahres.

Standort: Der Wacholder bevorzugt keinen besonderen Boden und kommt sowohl in Gebirgslagen als auch in der Heide vor. Berühmt ist sein Massenvorkommen in der Lüneburger Heide.

Vor etwa 50 Jahren stand in unseren Gegenden fast vor jedem Bauernhause noch ein Wacholderbaum, zumindest bildete den Abschluß des Bauerngartens ein Wacholderstrauch. Er gilt als eine Art Hausapotheke des Bauernhofes. Der Wacholder wurde unnütz, da man am Bauernhöfe anfing, alles mit chemischen Tabletten und Pulvern zu kurieren.

Der Wacholder hatte seinen ursprünglichen Lebensraum nicht in den Ländern der klassischen Antike (Mittelmeer, Vorderasien), sondern in den Gebieten der Alpen und nördlich der Alpen bis Nordeuropa. Es wird zwar in der Bibelübersetzung von Martin Luther im Alten Testament gesagt, daß der Prophet Elias bei seiner Wüstenwanderung im Schatten eines Wacholders ruhte, doch handelte es sich, wie Botaniker und Sprachforscher feststellten, um eine genisterartige Pflanze. Der Wacholder der antiken Ärzte stammte aus einer der südeuropäischen Wacholderarten, war aber nicht unser Wacholder Mittel- und Nordeuropas. Die ältesten Funde in den Schweizer Pfahlbauten, wo man nicht nur Töpfe mit Wacholderbeeren fand, sondern auch angekohlte Beeren, Zweigspitzen, Nadeln und Holzteilchen, zeigen deutlich, daß der Wacholder schon in den Urtagen der europäischen Menschheitsgeschichte eine sehr geschätzte Heilpflanze war.

Über die Rolle des Wacholders in Mythos, Legende, Sage, Zauberei und Dämonenglauben könnte man eine eigene Schrift verfassen. Tief verwurzelt ist Glaube und Wissen um die Heilkraft dieser Pflanze, ähnlich wie beim Holunder (Nr. 52), der ja auch heute noch beim Volke höchstes Ansehen genießt. Unvergessen ist dem Autor der Ausspruch eines Holzknechtes aus dem Salzburgischen, der bei einem Gespräch über Heilpflanzen dieses mit den Worten schloß: “Vor etla Heilkräutern muaß ma den Huat abnehma, aber vor ana Kranewitten und ana Hollastaudn muaß ma si no dazua bucka.”

(Vor einigen Heilkräutern muß man den Hut abnehmen, aber vor einem Wacholder oder einem Holunderstrauch muß man sich noch dazu bücken = verbeugen.)

Heilkräftige Pflanzenteile

Vom Wacholderbaum bzw. -Strauch ist alles heilsam. Wir sammeln in erster Linie die reifen, nicht eingeschrumpften oder braun gewordenen Beeren (Früchte), Bacca Juniperi oder Fructus Juniperi. Diese dürfen nicht an der Sonne getrocknet werden, auch künstliche Wärme ist ungeeignet. Auf rußfreien, zugigen Dachböden, in dünner Schichte auf einer Hürde, so daß auch von unten Luftzutritt möglich ist, wäre die beste Trocknungsgelegenheit.

Das Trocknen im Backrohr ist unbedingt abzulehnen. Bei der Aufbewahrung der getrockneten Beeren sind Papier-, Nylon- oder Leinensäckchen ungeeignet, desgleichen Blech- oder sonstige Metallgefäße. Gut schließende, innen nicht mit Ölfarbe oder Lack gestrichene Holzschachteln oder Glasgefäße mit Glasdeckel (Weck- oder Rexgläser) wären am geeignetsten. Man sammelt die Beeren im Oktober.

Die Nadeln und Triebspitzen (Ästchen), Herba bzw. Summitates Juniperi, werden von April bis gegen Ende Juli gesammelt. Die Trocknung und Aufbewahrung nach entsprechendem Kleinschnitt erfolgt genau so wie bei den Beeren.

Das Wacholderholz, Lignum Juniperi, von jungen Ästen wird ebenfalls von April an bis gegen Ende Juli gesammelt. Die Trocknung und Aufbewahrung erfolgt nach entsprechendem Kleinschnitt genau so wie bei den Beeren.

Das Wacholderöl, Oleum Juniperi, hauptsächlich in den Beeren enthalten und aus diesen gewonnen, kann nicht gut selbst hergestellt werden und ist in der Apotheke oder in der Drogerie erhältlich.

Das Kadeöl, Oleum cadum oder Oleum Juniperi empyreumaticum, wird durch Destillation aus dem Wacholderholz gewonnen und ist ebenfalls in der Apotheke oder Drogerie erhältlich.

Der Wacholderspiritus, Spiritus Juniperi, besteht aus 1 Teil Wacholderöl und 3 Teilen Weingeist (Spiritus vini). Er wird für empfindliche Personen außerdem noch mit 1 Teil abgekochtem Wasser verdünnt. Der Wacholderspiritus darf nicht verwechselt werden mit dem WACHOLDERBRANNTWEIN, der durch Destillation von Weingeist oder Schnaps (Kornbranntwein) über Wacholderbeeren gewonnen wird. Ein Spitzenerzeugnis auf diesem Gebiet ist der markengeschützte echte „Steinhäger”. Außerdem darf der Wacholderspiritus nicht verwechselt werden mit der WACHOLDERBEERENTINKTUR, Tinctura Juniperi, die durch Ansetzen von Wacholderbeeren in Weingeist oder Kornbranntwein und Destillation an der Sonne hergestellt wird.

Das WACHOLDERMUS, SUCCUS Juniperi inspissatus, und der WACHOLDERSAFT, SUCCUS Juniperi, werden aus den Beeren, mit oder ohne Zucker hergestellt. Schließlich werden die Wacholderbaumwurzeln, Radix Juniperi, jedoch nur selten, in der Volksheilkunde verwendet.

Heil- und Wirkstoffe: Ein relativ hoher Gehalt an ätherischem Öl, hauptsächlich aus Terpenen bestehend, der Bitterstoff Juniperin, Gerbstoff, Harz, ein wachsähnliches Fett, Pentosane, Pektin, ein Gerbstoffglykosid, Traubenzucker, Ameisen- und Essigsäure, Inosit, Invertzucker, Calcium, besonders als apfelsaurer Kalk, Kalium, essigsaures Mangan, die Triebspitzen und jungen Nadeln enthalten auch Vitamin C.

Heilwirkung

Die Heilwirkung ist so vielseitig, daß schon Hieronymus Bock, 1577, in seinem „Kreutterbuch” über den Wacholderbaum schrieb: „ist in summa die würckung und tugent deß Weckholterbaums zu beschreiben nit wol möglich.” Die Heilwirkung geht von dem hauptsächlich in den Beeren enthaltenen ätherischen Öl, dem Wacholderöl aus. Das Wacholderöl wirkt in hohem Maße keimtötend, ist fettlöslich und dringt bei Anwendung auf die Haut in erheblichen Mengen in den Organismus ein. Dies wirkt sich bei allen Gelenksleiden sehr vorteilhaft aus, da auch tiefer liegende Krankheitsherde zur Abheilung gelangen.

Kommt das ätherische Öl oder dessen Verdünnung durch Einatmen der Dämpfe mit der Lungenschleimhaut in Berührung, wird die übermäßige Ausscheidung der Lungenschleimhaut eingeschränkt. Dies stellt eine wohltuende Heilwirkung bei feuchter oder sehr feuchter Bronchitis dar. Die hohe keimtötende Kraft übt einen beachtlichen Abheilungsprozeß bei den infektiösen Lungenleiden aus, so bei feuchtem Lungengangrän (Brand mit Fäulniszersetzungen des Lungengewebes) sowie bei schwer tuberkulösen Lungenprozessen. Hier wird eine Ausbreitung der infektiösen Teile abgeschirmt bzw. weitgehend eingeengt, so daß neben der Förderung des eitrigen Auswurfes eine Stärkung und Gesundung der angegriffenen Lungenorgane eintreten wird. Der Wacholdersirup wirkt bei Lungentuberkulose im Kindesalter geradezu Wunder, da neben der keimtötenden Wirkung eine Appetitsteigerung erfolgt, die nicht nur eine Gewichtszunahme, sondern durch die Hebung des gesamten Stoffwechsels und Ausscheidung aller Giftstoffe eine gesteigerte Aktivität und Hebung aller Abwehrkräfte auslöst.

Ein weiteres Anwendungsgebiet ergibt sich durch den heilenden Einfluß bei allen Magen- und Darmerkrankungen, wie bei infektiösen Darmkoliken, entzündlichen Darmkatarrhen, Magenentzündung, Magenkrämpfen u. a. Die bereits erwähnte hohe keimtötende Kraft wirkt auch hier sehr rasch: Fäulnis- und Gärungsprozessen wird schnell der Nährboden entzogen, es findet eine Magen- und Darmreinigung statt; das Wacholderöl tötet Bacterium Coli. Eine verstärkte Darmtätigkeit und erhöhte Tätigkeit der Darmmuskulatur fördert die Magen- und Darmsekretion und damit die Anbahnung einer normalen und gesunden Magen- und Darmfunktion.

Das Wacholderöl in den Beeren bzw. in der Verdünnung des Tees beseitigt nicht nur die Harnsäureablagerungen im Körper, es ist auch ein sehr empfehlenswertes Mittel gegen Wassersucht, Nierenwassersucht (bei Kindern!), chronischem Blasenkatarrh usw.

Daß die anregende Wirkung, besonders die erhöhte Durchblutung der Unterleibsorgane bei den Frauen eine erhöhte Beeinflussung auf die monatlichen Regeln zur Folge hat, rechtfertigt auch die Anwendung des Wacholderbeerentees auf diesem Gebiete, wobei nicht zu befürchten ist, daß selbst bei Verwendung zu großer Mengen von Wacholderbeeren eine Abortusgefahr bestünde.

Das ätherische Öl löst einen intensiven Reiz auf die Haut aus, es kommt zu Brennen und Jucken sowie Hautrötung. Größere Mengen verursachen eine Hautentzündung, starke Schwellungen und Blasenbildung.

Nicht zuletzt sei erwähnt, daß sich der beachtliche Einfluß des Wacholderöles (Tee- und Beerengenuß) auch sehr günstig auf die verschiedensten nervösen Störungen auswirkt, die bei Nichtfunktionieren des Stoffwechsels mit ausgelöst werden, wie Mattigkeit, Kopfschmerzen, Hinterhauptschmerzen, allgemeine Gereiztheit, Mangel an Konzentrationsvermögen, Migräne, nervöse Herzbeschwerden u. a.

Gerade bei den auf der harnsauren Diathese beruhenden migräneartigen Kopfschmerzen wird eine Wacholderbeerenteekur Erleichterung und schließlich Heilung bringen.

Der günstige Stoffwechseleinfluß wäre auch für Zuckerkranke zu beachten. Wacholderbeerensaft, entsprechend verdünnt eingenommen, oder der ungesüßte Wacholderbeerentee kann Zuckerkranken bestens empfohlen werden.

Der Wacholderbeerentee beeinflußt sehr gut die Verdauungsstörungen, die infolge ungenügender Salzsäureproduktion entstehen.

Neben dem reinen, aus den Beeren gewonnenen Wacholderöl wird auch das sogenannte KADEÖL (Oleum cadum oder Oleum Juniperi empyreumaticum) durch Destillation aus dem Wacholderholz gewonnen. Es wird für die äußere Behandlung von chronischen Hautausschlägen, Schuppenflechte (Psoriasis) usw. angewendet. Das Kadeöl ist nicht dünnflüssig und hellgelb wie das Wacholderöl, sondern teerartig, dunkel und dickflüssig.

Die Abkochung der Nadeln und Triebspitzen wird bei Fußbädern die Stauungen und sonstigen Zirkulationsstörungen in den Füßen beheben, so wie auch ein Vollbad aus Nadel- und Triebspitzenabkochung eine allgemeine Steigerung der Blutzirkulation und damit Steigerung des Wohlbefindens auslösen wird.

Der Wacholderbranntwein wie auch die Wacholdertinktur sind beliebte Volksheilmittel bei verdorbenem Magen, Bronchialkatarrh, Asthma, Nieren- und Blasenleiden, Gicht, Ischias und Rheumatismus, wobei bei den 3 letztgenannten Krankheiten auch die äußerliche Anwendung in Form von Einreibung gerne im Brauch ist.

Der Wacholderspiritus wird äußerlich vor allem als Einreibungsmittel bei rheumatischen Erkrankungen angewendet.

WACHOLDERBEERENTEE: Man nehme 1 Teelöffel voll zerquetschte Beeren für 1 Tasse im Aufguß, läßt 5 bis 10 Minuten zugedeckt ziehen, seiht ab und trinkt die Tagesgabe von 1 bis 2 Tassen schluckweise. Zur Behebung von Magen- und Darmerkrankungen sowie bei Zuckerkrankheit trinke man den Tee ungesüßt. Bei Erkrankung der Atmungsorgane, zur Steigerung der Widerstandskraft und zur Hebung des Stoffwechsels kann man den Wacholderbeerentee süßen, und zwar am besten durch Einrühren von 1 Teelöffel Honig in den trinkwarmen Tee. Ansonst nehme man Rohzucker zum Süßen.

EMPFEHLENSWERTE TEEMISCHUNGEN:

Zur Entschlackung und Hebung des Stoffwechsels werden nachstehende Kräuterteemischungen empfohlen:

Wacholderbeeren, Schafgarbe (Nr. 110) und Brennessel (Nr. 16) zu gleichen Teilen vermischt, oder

Wacholderbeeren, Birkenblätter (Nr. 13) und Kamillen (Nr. 60) zu gleichen Teilen vermischt.

Bei Darmkolik, Darmerkrankungen entzündlicher Art, Magenentzündung und Magenkoliken bereite man eine Teemischung zu gleichen Teilen von Wacholderbeeren, Wermut (Nr. 134) und Kamillen (Nr. 60).

Zuckerkranken wird nachstehende Teemischung empfohlen. Wacholderbeeren, Bohnenschalen (Nr. 55/a), Heidelbeerblätter (Nr. 47) und Brennesseln (Nr. 16) zu gleichen Teilen.

Bei grippösen Erkältungen mische man Wacholderbeeren mit Huflattich (Nr. 54), Spitzwegerich (Nr. 119), Holunderblüten (Nr. 52/a) und Weidenrinden (Nr. 130) zu gleichen Teilen.

Bei Appetitlosigkeit mische man zu gleichen Teilen Wacholderbeeren, Melissenblätter (Nr. 88), Tausendgüldenkraut (Nr. 123) und Brennesselblätter (Nr. 16). Die Bereitung der Teemischungen erfolgt nach den allgemeinen Teeregeln. Die Kräuterteemischungen zur Entschlackung, Hebung des Stoffwechsels, bei grippösen Erkältungen und zur Behebung der Appetitlosigkeit werden mit Honig gesüßt, alle anderen Teemischungen müssen ungesüßt getrunken werden.

WACHOLDERBEERENSIRUP: 500 g Wacholderbeeren werden mit 3 Liter Wasser weich gekocht, zerdrückt und nochmals (gegebenenfalls noch Zusatz von Wasser) gut aufgekocht. Die Masse wird dann durch ein Sieb passiert und, wenn ausgekühlt, wird so viel Honig eingerührt, bis eine sirupartige Masse entsteht. Diese fülle man am besten in ein Weck- oder Rexglas und verschließe mit Glasdeckel und Spange. Kindern gebe man 3mal täglich 1 Stunde vor den 3 Hauptmahlzeiten je 1 Teelöffel von diesem Sirup, wodurch Appetitlosigkeit, Lungenschwäche, ja sogar Lungentuberkulose, behoben werden. Erwachsene nehmen je 2 Teelöffel.

WACHOLDERBEERKUR NACH KNEIPP: „Wer an schlechtem Magen leidet, gebrauche von Zeit zu Zeit eine Wacholderbeerkur, welche darin besteht, daß man am 1. Tag mit 5 Beeren anfängt und so alle Tage 1 Beere mehr einnimmt (gut zerkaut!), bis man bei 15 Beeren angelangt ist; dann geht man wieder abwärts, täglich um 1 Beere weniger, bis man auf 5 Beeren anlangt.”

Diese Kneippkur ist jedoch nicht für jedermann geeignet und nierenempfindliche Personen müßten die Kur ärztlich überwachen lassen.

ALLGEMEINE VERHALTUNGSMASSNAHMEN: Bei den vielseitigen Heilwirkungen der Wacholderbeeren ist immer zu beachten, daß größere Mengen oder längere Anwendungen Nierenreizungen und Nierenentzündungen auslösen können und damit Eiweiß- und Blutausscheidungen im Harn die Folge sind. Bei akuten oder chronischen Nierenleiden dürfen Wacholderbeerenkuren nicht angewendet oder Wacholderbeerentee nicht eingenommen werden. Ausgenommen sind die homöopathischen Präparate, die durch ihre homöopathische Verdünnung das Leiden weitgehend beheben.

Anwendung in der Homöopathie

Aus den frischen reifen Beeren stellt die Homöopathie eine Essenz in verschiedenen Verdünnungen her, die bei Behandlung von Blasenkatarrh, Nierenentzündung, Wassersucht, Gelbsucht u. a. beste Erfolge zeitigt.

Anwendungen in der Volksheilkunde

In den Alpen, in der Lüneburger Heide, überall wo der Wacholderbaum vorkommt, erfreut er sich im Volke des höchsten Ansehens. Seit altersher galten die Wacholderbeeren als ein Vorbeugungsmittel bei Pestilenz, Cholera und anderen Seuchen. Zwar sind Pest und Cholera in Europa verschwunden, geblieben ist aber bis in unsere Tage die volksmedizinische Anschauung, daß das Kauen von Wacholderbeeren das beste Mittel gegen jede Ansteckung sei.

Bei Darmkolik trinke man einen Mischtee von gleichen Teilen Wacholderbeeren, Wermutkraut (Nr. 134), Kamillenblüten (Nr. 60) und Schafgarbe (Nr. 110) 1 Teelöffel der Mischung für 1 Tasse im Aufguß, ungesüßt.

In Kornschnaps angesetzt, sind die Beeren ein beliebtes Hausmittel bei Durchfall, Darmkolik, Wassersucht und bei den ersten Anzeichen grippöser Erkältung. Der Rauch von Wacholderbeeren und Zweigspitzen, mittels eines Trichters in den Mund gesogen, vertreibt das Zahnweh.

Zerstoßene Beeren auf die Stirne gestrichen, lindern Kopfschmerzen.

Die Wurzelabkochung vom Wacholderbaum oder -Strauch gilt als besonders wassertreibend.

Die noch grünen Beeren zerstoßen und mit ungesalzener Butter zu einer Salbe vermengt, vertreiben Krätze, Flechten und Hautausschläge, zeitigen Geschwülste und Geschwüre.

Einige Tropfen Wacholderöl in ein Glas lauwarmes Wasser gegeben und damit den Mund gespült, beseitigen den schlechten Mundgeruch.

Bei Leberleiden, Magengeschwüren und bei Gelbsucht zerkaue man täglich 3 bis 5 Beeren am Morgen nüchtern und frühstücke erst einige Stunden später.

Das Holz vom Wacholderbaum, zu kleinsten Stückchen zerkleinert und Imal aufgekocht (1 Teelöffel gehäuft voll für 1 Tasse), gilt als ein vorzüglicher Blutreinigungstee.

Das Kauen von Wacholderbeeren vertreibt das Sodbrennen.

Die Wacholderasche aus dem Holz, 150 g in 1 Liter gutem Weißwein aufgelöst, wird 8 Tage stehengelassen, täglich oftmals geschüttelt und schließlich durch ein Leinentüchlein filtriert. Dieser filtrierte Wein ist ein vorzügliches Harnmittel und wirkt bei Wassersucht sehr wassertreibend. Der Urin erhält (auch beim Tee- oder Beerengenuß) einen veilchenartigen Geruch.

Wacholderbeeren mit viel Zucker dick einkochen, ergeben ein sehr wohlschmekkendes Kompott. Es ist appetitanregend, magenstärkend, verdauungsfördernd und ist in den Wintermonaten eine gute Vitaminzufuhr.

Anwendungen in der Tierheilkunde

Die Abkochung von jungen Wacholdertrieben wird den Pferden gegen Kropf eingegeben und als Umschlag verwendet.

Der Beerenabsud wird dem Hausvieh als harnförderndes Mittel oder bei Koliken eingegeben.

Pferden gibt man bei Koliken ein Stück Brot, das vorerst in Wacholderschnaps getränkt wurde, ein.

Die harnfördernde Kraft ist bei Hunden besonders groß. Versuche ergaben die 7fache Normaltagesmenge.

Wacholderöl mit Schweinefett vermengt, gibt eine Salbe gegen Flechten, Ekzeme, Geschwüre und Geschwülste aller Art.

Zerdrückte Wacholderbeeren ins Futter vermengt, beheben die Freßunlust der Haustiere.

Bei Viehseuchen in der Umgebung werden die Stallungen vorbeugend mehrmals am Tage mit brennenden Wacholderzweigen und -beeren ausgeräuchert.

Neben Enzian, Kalmus und Tausendgüldenkraut sind auch Wacholderbeerenauszüge und weitere 51 Kräuterauszüge im Magenbitter „Amarin” sinnvoll eingebaut. Der Einkauf von „Magenbitter” sollte nur im Fachgeschäft (Apotheke, Drogerie) vorgenommen werden. (Siehe Seite 674).

Anmerkung

Der Zwerg-Wacholder, J. c. ssp. nana Willd., ist eine alpine Form mit den gleichen Heilkräften. In Tirol wird von der Volksheilkunde diese Wacholderart als noch wirkungsvoller gehalten.

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