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Weicher Schanker (Ulcus molle)

Von: Christa Pleyer ( mehr) 25/05/2019
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Weicher Schanker gehört zu den sexuell übertragbaren Krankheiten und ist in Österreich meldepflichtig, in Deutschland nicht.

Einen bis drei Tage nach der Ansteckung bilden sich kleine Blasen an den äußeren Geschlechtsorganen, bei Frauen an den kleinen Schamlippen, bei Männern an Eichel und Vorhaut.

Die Blasen werden rasch zu schmerzhaften und leicht blutenden Geschwüren, die bis zu mehrere Zentimeter groß werden können.

Diese Geschwüre heilen zwar auch unbehandelt nach einiger Zeit von selbst ab; die im Körper verbleibenden Krankheitskeime können jedoch auf andere Schleimhäute übertragen werden sowie zu Entzündungen der Harnröhre und zu Vorhautverengung führen.

Wer ist davon betroffen?

Die Krankheit wird von Bakterien (Haemophilus ducreyi) verursacht, die bei ungeschütztem Geschlechtsverkehr (auch oral und anal) weitergegeben werden. Sie breiten sich nach der Infektion über die Lymphbahnen in die Lymphknoten aus. Die Bakterien sind in Mitteleuropa selten, in tropischen Ländern Afrikas, Asiens und Lateinamerikas jedoch häufig.

Männer sind bedeutend öfter betroffen als Frau-en, wobei sich gezeigt hat, dass beschnittene Männer seltener angesteckt werden.

Das Infektionsrisiko ist bei Menschen mit häufig wechselnden Sexualpartnern erhöht. Auch wer bereits mit einer anderen sexuell übertragbaren Krankheit infiziert ist (etwa Tripper, S. 928, Syphilis, S. 919, Herpes genitalis, S. 690 oder HIV, S. 713), steckt sich leichter an, weil die Baktien durch die in Mitleidenschaft gezogenen Schleimhäute eher eindringen können.

Zudem spielt bei der Ansteckung auch eine Rolle, ob die Abwehrkräfte insgesamt geschwächt sind, etwa durch chronische Erkrankungen, Drogenmissbrauch (wodurch gleichzeitig auch die Bereitschaft zu Safer Sex sinkt), seelische Belastungen oder einseitige Ernährung.

Ist Vorbeugung möglich?

Schutz vor einer Infektion bietet die konsequente Verwendung von Kondomen.

Andere Verhütungsmittel wie Diaphragma, Spirale oder die »Pille« schützen jedoch nicht vor einer Ansteckung.

Eine Gefahr, sich beim gemeinsamen Benutzen von Handtüchern, Toiletten oder Besteck anzustecken, besteht hingegen nicht, denn die Bakterien sind äußerst empfindlich auf Kälte und Austrocknung.

Allgemein auf die Gesundheit zu achten und da-mit die Abwehrkräfte zu stärken, mindert ganz generell die Infektionsgefahr.

Das bedeutet nicht nur genug zu schlafen, regelmäßig und ausgewogen zu essen und genügend Bewegung in den Alltag einzubauen. Auch zermürbende Zwistigkeiten in der Familie oder am Arbeitsplatz, Ängste und Unsicherheit in der Beziehung oder ein unerfülltes Liebesieben können zu einer dauernden Belastung werden, die sich ebenso negativ auf das Immunsystem auswirkt wie ständiger Zeitdruck und Stress.

Zu versuchen, solchen Problemen auf den Grund zu gehen und ihre Lösung aktiv anzupacken, macht insgesamt weniger infektionsanfällig.

Was Betroffene selbst tun können

Ist man bereits angesteckt, gibt es keinerlei Maßnahmen der Selbsthilfe. Bläschen oder Geschwüre auf den äußeren Geschlechtsorganen sollten immer ein Anlass für einen baldigen Arztbesuch sein.

Bestätigt sich der Verdacht einer sexuell übertragbaren Krankheit, sollten sich sämtliche Sexualpartner ebenfalls untersuchen und gegebenenfalls behandeln lassen, da der Krankheitserreger sonst immer wieder hin und her gegeben wird.

So lange die Symptome bestehen, sollte auf Geschlechtsverkehr ganz verzichtet werden.

Entscheidungen mit Arzt oder Ärztin

Weicher Schanker ist mit Antibiotika völlig heil-bar: Die Krankheitserreger werden abgetötet.

Wichtig ist die Einnahme der Antibiotika in entsprechend hoher Dosierung über den mit dem Arzt besprochenen Zeitraum. Es gibt allerdings Stämme des Bazillus, die bereits gegen die beiden Antibiotika-Familien Penicillin und Sulfonamid unempfindlich sind, deshalb ist eine Nachuntersuchung rund zwei Wochen nach der Behandlung wichtig, um den Therapieerfolg zu kontrollieren.

Da gleichzeitig mit der Ansteckung mit Haemophilus ducreyi auch andere Infektionen stattgefunden haben können, sind entsprechende Untersuchungen – vor allem eine HlV-Untersuchung – sinnvoll.

Der Organismus entwickelt keine Immunität gegen den Keim. Eine neuerliche Ansteckung ist deshalb trotz erfolgreicher Behandlung jederzeit möglich.

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