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Wirbeleinbrüche

Von: Christa Pleyer ( mehr) 26/05/2019
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Bei einem Einbruch des Wirbelkörpers kann es zu starken Schmerzen kommen.

Wer ist davon betroffen?

Wirbeleinbrüche können infolge einer Osteoporose (S. 827) auftreten. Die Schmerzen entstehen durch kleine, später aber auch größere Knochenbrüche.

1,7 Millionen Frauen und 0,8 Millionen Männer in Deutschland haben Wirbelkörpereinbrüche aufgrund einer Osteoporose. In Österreich sind zwölf Prozent der Männer und Frauen über 50 davon betroffen.

Die Folgen sind Verformungen der Wirbelkörper, später der gesamten Wirbelsäule (Rundrücken, Buckel). Die Hälfte der Betroffenen hat deswegen starke chronische Schmerzen.

Knochenerkrankungen oder Knochenkrebs, Myelome (S. 801), Metastasen (Krebs, S. 400) und gutartige Geschwülste können ebenfalls schmerzhafte Wirbelkörpereinbrüche verursachen. Sie können aber auch durch Unfälle entstehen.

Ist Vorbeugung möglich?

Mit Vorbeugungsmaßnahmen gegen Osteoporose (S. 827) können Wirbeleinbrüche vermieden werden.

Was Betroffene selbst tun können

Anhaltende Schmerzen sollten dem Arzt frühzeitig geschildert werden. Ansonsten gelten dieselben Maßnahmen wie bei der Osteoporose (S. 827).

Entscheidungen mit Arzt oder Ärztin

Wenn Schmerzen auftreten, kann eine individuelle Schmerztherapie (S. 417) die Beschwerden lindern und dabei helfen, Bettlägerigkeit zu verhindern. Um beweglicher zu bleiben und Schonhaltungen vorzubeugen, ist Bewegungstherapie sehr sinnvoll (S. 96). Korsetts können für zusätzliche Stabilität sorgen.

Um einzelne Wirbelkörper wieder aufzurichten, können Operationen wie die Vertebroplastie oder die Kyphoplastie eingesetzt werden. Empfohlen wird die Operation bei Wirbeleinbrüchen in Folge von Osteoporose oder eines Unfalls, der nicht länger als zwei Monate (Vertebroplastie) bzw. drei Monate (Kyphoplastie) zurückliegt, außerdem bei starken Schmerzen.

Ein bis zwei Tage nach dem Eingriff sind die Betroffenen wieder mobil und können aus dem Krankenhaus entlassen werden. Die behandelten Wirbel können belastet werden. Es muss daher kein Stützkorsett getragen werden.

Vertebroplastie (Ostéoplastie). Die Vertebroplastie kann einzelne Wirbelkörper wieder erhärten. Eine bereits bestehende Verkrümmung der Wirbelsäule kann damit aber nicht wieder beseitigt werden. Der Verlust an Knochenmasse wird durch Einspritzen von flüssigem Knochenzement, der in der Folge aushärtet, ausgeglichen.

Nach dem Aushärten des Knochenzements können die Schmerzen, die auf die Knochenverformungen zurückzuführen sind, vermindert oder sogar beseitigt sein. Mehr als 90 Prozent der Behandelten haben nach diesem Eingriff keine oder fast keine Schmerzen mehr.

Wenn befürchtet werden muss, dass Nervenwurzeln oder das Rückenmark geschädigt werden, darf die Methode nicht angewandt werden.

Die Komplikationsrate liegt bei osteoporotischen Wirbelkörperbrüchen unter einem Prozent. Bei krebsbedingten Brüchen kommt es in fünf Prozent der Fälle zu Komplikationen. Ein Kunststoffaustritt in das Rückenmark ist eine gefürchtete Komplikation, die neurologische Symptome (bis zu Lähmungserscheinungen) verursachen kann.

Kyphoplastie. Die Kyphoplastie ist eine Erweiterung der Vertebroplastie. Bei der Operation wird eine Kanüle in den eingebrochenen Wirbelkörper eingeschoben. Durch diese Kanüle wird ein Ballonkatheter in den Wirbel eingeführt. Dieser Ballon wird aufgeblasen. Es entsteht ein Hohlraum. Der eingebrochene Wirbelkörper richtet sich dadurch wieder auf und erreicht zwischen 10 bis 97 Prozent seiner ursprünglichen Höhe. Nun wird in den neu geschaffenen Hohlraum ein zähflüssiger Bio-Knochenzement (Hydroxylapatit) eingefüllt. Der Biozement härtet bereits bei Körpertemperatur aus. Im Rahmen des normalen Knochenumbauprozesses wird er später abgebaut, und der Abbau stimuliert gleichzeitig die Bildung körpereigener Knochensubstanz.

Einer deutschen Studie zufolge hatten 60 Prozent der Behandelten nach diesem Eingriff deutlich geringere Schmerzen und waren beweglicher, 30 Prozent wurden schmerzfrei und bei etwa jedem Zehnten wurde keine Verbesserung erreicht. Die schlimmste mögliche Komplikation ist die Querschnittslähmung (Rückenmarksverletzung, S. 859).

Der Eingriff wird nicht generell von der Krankenkasse bezahlt. Deshalb sollte vorab geklärt werden, ob die Kosten erstattet werden.

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